Börse am Morgen: Enttäuschende Quartalszahlen - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Enttäuschende Quartalszahlen

Unter den Dax-Titeln sorgen Henkel und Degussa bei den Anlegern für weitere Verunsicherung. Auch am Neuen Markt können MobilCom und Brokat mit ihren Zahlen nicht überzeugen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte sind nach ihrer Rallye in der Vorwoche schwächer in den Tag gestartet. Der Dax stand gegen zehn Uhr mit gut einem Prozent bei 4856 Punkten im roten Bereich. Die Wachstumswerte im Nemax 50 gaben rund ein Prozent auf 1113 Zähler ab.

Der Spezialchemiekonzern Degussa   hat im dritten Quartal 2001 auf Grund der erheblich verschlechterten Konjunktur rote Zahlen erwirtschaftet. Die Aktie fiel 0,80 Prozent auf 26 Euro. Vor Ertragssteuern betrug das Minus in den drei Monaten 21 (Vorjahr pro forma plus 112) Millionen Euro, wie die E.ON-Tochter am Montag mitteilte. Damit ergab sich ein Fehlbetrag von sieben (plus 101) Millionen Euro. Ab September habe die "dramatisch verschlechterte Marktentwicklung einen Großteil der Arbeitsgebiete in Mitleidenschaft gezogen", hieß es. Degussa rechnet wegen der angespannten Situation mit einer bis ins nächste Jahr reichenden Durststrecke. Man gehe davon aus, dass die negativen Auswirkungen aufs Geschäft länger zu spüren seien als zunächst angenommen, hieß es weiter.

Henkel spricht Gewinnwarnung aus

Henkel   hat seine Erwartungen für das Geschäftsjahr 2001 deutlich nach unten revidiert. Das Papier verlor zunächst zwei Prozent auf rund 64 Euro. Wie das Unternehmen am Montag vor Handelsbeginn bei der Vorlage des Neunmonatsberichts mitteilte, wird jetzt mit einem Rückgang des betrieblichen Ergebnisses (Ebit) um etwa fünf bis sieben Prozent gerechnet, der Jahresüberschuss und das Ergebnis je Aktie sollen "leicht unter Vorjahr" liegen. Im August hatte das Unternehmen noch ein Ergebnis auf Vorjahresniveau oder darüber in Aussicht gestellt.

MobilCom   hat im dritten Quartal ohne UMTS-Anlaufkosten für ein positives Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibung und Amortisation (Ebitda) ausgewiesen. Wie der Telekommunikationskonzern am Montag mitteilte, erhöhte sich das Ebitda auf 6,81 Millionen Euro im Vergleich zum Wert des Vorquartals von 4,7 Millionen Euro. Mobilcom halte weiterhin an seinem Ziel fest, auch im vierten Quartal ein positives Ebitda im Stammgeschäft zu erzielen. Die Aktie fiel zu Handelsbeginn um 1,20 Prozent auf 21,15 Euro.

Das Ebitda inklusive UMTS-Anlaufkosten belief sich den Angaben zufolge im dritten Quartal auf minus 6,83 Millionen Euro im Vergleich zu plus 3,66 Millionen Euro im Quartal davon. Damit lag Mobilcom etwa auf Höhe der Erwartungen von Analysten.

Das kränkelnde Software-Unternehmen Brokat   ist überschuldet. Der Tatbestand, dass die Schulden das Vermögen der Firma übertreffen, sei bereits vor Abschluss der Sanierung eingetreten, teilte Brokat am Montag mit. Damit droht unmittelbar die Insolvenz. Der Umsatz des Unternehmens brach im dritten Quartal komplett zusammen und ging im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 75 Prozent auf 5,7 Millionen Euro (11,2 Millionen Mark) zurück. Der Nettoverlust im dritten Quartal lag bei 71 Millionen Euro.

Die Aktionäre von Brokat sollten heute auf der Hauptversammlung in Leinfelden-Echterdingen ihrer eigenen Entmachtung zustimmen. Nach dem Willen des Vorstandes sollen die Gläubiger einer Hochzinsanleihe Aktien erwerben und künftig die Mehrheit an dem Unternehmen halten. Die Aktie stürzt um 19 Prozent auf 0,52 Euro ab.

Das Biotechnologieunternehmen GPC Biotech   hat seinen Verlust in den ersten neun Monaten 2001 verringert und damit ein Ergebnis am oberen Rand der Analystenerwartungen erzielt. Der Fehlbetrag sei in den ersten drei Quartalen auf 21,7 Millionen Euro von 27,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum geschrumpft, teilte das Nemax50-Unternhemen mit. Der Verlust je Aktie sei damit auf 1,20 Euro von 2,03 Euro gesunken. Den Umsatz bezifferte GPC mit 9,3 (Vorjahreszeitraum unbereinigt: 9,2) Millionen Euro. Die Aktie notiert 0,25 Prozent fester auf 13,81 Euro.

Ausblick: Verschnaufpause in dieser Woche

Nach der Kursrallye und dem Zinssenkungsreigen der vergangenen Woche dürften die Aktienmärkte in den kommenden Tagen zunächst eine Pause einlegen. Für Zurückhaltung der Investoren sprechen unter anderem zahlreiche in dieser Woche anstehende Quartalszahlen von Unternehmen im Dax und am Neuen Markt. Zugleich dürften Gewinnmitnahmen nicht überraschen: Hatten die Standardwerte in der vergangenen Woche doch im Schnitt mehr als sieben Prozent zugelegt. Bei den Wachstumswerten im Nemax 50 waren es mehr als sechs Prozent.

Sollte der Dax allerdings nachhaltig die Marke von 5000 Zählern überschreiten können, stünden Fondsmanager Gewehr bei Fuß, um erneut einzusteigen, erklären Optimisten. Dann sei auch mit weiteren Kursaufschlägen zu rechnen. Die Experten von Helaba Trust hingegen zeigen sich pessimistisch. Sie rechnen für diese Woche mit einer Abwärtsbewegung auf bis zu 4500 Punkten.

Die Entwicklung im Dax wird auch stark davon abhängen, wie die Unternehmenszahlen ausfallen. Gleich elf der 30 Dax-Konzerne werden ihr Bilanzwerk vorlegen. Nach Meinung von HSBC Trinkaus & Burkhardt stehen den Anlegern dabei auch Negativüberraschungen ins Haus.

BASF   und Infineon setzen den Zahlenreigen am Dienstag fort. Am Mittwoch folgen Lufthansa   , Bayer   , Allianz   und Siemens   mit ihren Resultaten. Für den Donnerstag haben E.ON   und Linde   Ergebnisse angekündigt.

Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss am Montag deutlich schwächer. Der Nikkei gab verlor 134 Punkte oder 1,3 Prozent auf 10.081 Zähler.

Der Euro notierte am Morgen weiterhin deutlich unter der Marke von 90 US-Cent bei Kursen um 0,893 Dollar.