Börse am Morgen Ericsson im Sturzflug
Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte sind am Freitag nach schwachen Vorgaben der Wall Street mit herben Verlusten in den Handel gestartet. Der Dax stürzte zu Handelsbeginn unter die Marke von 4000 Punkten: ein Minus von 2,8 Prozent. Die Wachstumswerte im Nemax50 verloren vier Prozent auf 548 Zähler.
Der Bauelementehersteller Epcos überraschte am Morgen mit einer Gewinnwarnung. Nach einer Pflichtmitteilung ging der Umsatz des Unternehmens im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal um drei auf 329 Millionen Euro zurück. Auch der Auftragseingang blieb mit 316 Millionen Euro Euro unter dem Wert des Vorquartals (332 Millionen).
Vor allem in Deutschland sei die Nachfrage eingebrochen, besonders betroffen davon waren die Automobilelektronik und die Telekommunikation. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) im dritten Quartal werde voraussichtlich einen Verlust von 16 Millionen Euro aufweisen. Damit ergebe sich ein Verlust je Aktie von rund 14 Euro-Cents. Epcos wird seine endgültigen Zahlen für das dritte Quartal am 31. Juli bekannt geben.
Experten erwarten bei Infineon Verluste
Der Chiphersteller Infineon wird heute voraussichtlich einen Verlust von 15 Euro-Cent pro Aktie für das abgelaufene dritte Geschäftsquartal ausweisen. Damit rechnen die von dpa-AFX befragten Analysten. Die Spannbreite der Erwartungen reicht von 6 bis 28 Cent. Beim Umsatz gehen die Aktienexperten von einem Wert zwischen 1,240 Milliarden und 1,394 Milliarden Euro aus. Im gleichen Vorjahreszeitraum hatte die ehemalige Siemens-Tochter 59 Cent Verlust je Aktie und Umsatz 1,28 Milliarden Euro verbucht. Die Aktie von Infineon rutschte zunächst um mehr als drei Prozent auf 16,90 Euro.
Nach den schwachen Vorgaben vor allem der US-Technologiebörse Nasdaq rutschten auch alle anderen Technologiewerte ab. Siemens gaben zunächst 3,5 Prozent auf 56,54 Euro ab. SAP verloren mehr als 2,5 Prozent.
Ericsson-Aktie fällt und fällt
Belastet wurden Technologiewerte auch von der Nachricht, dass der schwedische Handykonzern Ericsson derweil im siebten Quartal in Folge einen Verlust verbucht und seine Umsatzprognose für sein Kerngeschäft im Gesamtjahr gesenkt hat. Die Aktien des Konzerns stürzten in Frankfurt um fast 24 Prozent auf 1,20 Euro ab.
Unter Druck standen auch die Schwergewichte Allianz und Münchener Rück , die jeweils mehr als vier Prozent abgaben.
T-Aktie legt Rückwärtsgang ein
Die Deutsche Telekom will in ihrer Informationstechniksparte T-Systems nach einem Pressebericht die Kosten um 500 Millionen Euro drücken. Dies sei ein Teil des Sparplans für den gesamten Konzern, berichtet die "Financial Times Deutschland" heute unter Berufung auf Unternehmenskreise. Dennoch fiel die T-Aktie zunächst um rund drei Prozent auf 12,23 Euro. Der Titel hatte am Vortag mehr als fünf Prozent hinzugewonnen.
Neuer Markt: Winter senkt Prognosen
Schlechte Nachrichten gab es vom Neuen Markt. Der Chipkartenhersteller Winter hat seine Ergebnisprognose für dieses Jahr wegen der anhaltenden Flaute auf dem Telekommunikationsmarkt gesenkt. Die Aktie verlor zunächst mehr als sechs Prozent auf 3,40 Euro.
Wie Winter nach Börsenschluss in Frankfurt mitteilte, rechnet das Unternehmen für 2002 nur noch mit einem ausgeglichenen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit), nachdem Vorstandssprecher Osterrieder im Mai noch einen operativen Gewinn von 2,8 (2001: 0,8) Millionen Euro in Aussicht gestellt hatte. An der Umsatzprognose von 48,6 (44,2) Millionen Euro hielt Winter fest. Im ersten Halbjahr rutschte Winter den Angaben zufolge mit einem Ebit von minus 1,2 Millionen Euro in die Verlustzone, nach einem Gewinn von 1,45 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz fiel leicht auf 20,5 (20,8) Millionen Euro.
Nikkei verliert deutlich
In Tokio reagierte die asiatsiche Leitbörse empfindlich auf die schwachen US-Vorgaben. Der Nikkei schloss am Donnerstag mit 2,8 Prozent auf 10.202 Zähler im tiefroten Bereich.
Euro auf Höhenflug
Der Euro ist am Freitag im fernöstlichen Devisenhandel zwischenzeitlich auf bis 1,0215 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren gestiegen. Händler begründeten die Kursgewinne der Gemeinschaftswährung mit einer breiten Dollarschwäche angesichts eines Rückgangs an den US-Börsen und schwacher Konjunkturdaten.