Börse am Morgen: Gewinnmitnahmen drücken - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Gewinnmitnahmen drücken

Nach der Entscheidung der US-Notenbank legt der Markt eine Pause ein. Anleger wechseln in defensive Werte. Die T-Aktie bleibt zum Auftakt behauptet. Nachrichten aus Asien setzen Infineon unter Druck. Am Neuen Markt legt Medion zu.
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Frankfurt am Main - Der Dax gab zum Auftakt sein Vortagesplus von 0,7 Prozent wieder ab und notierte nach 30 Handelsminuten bei 5425 Zählern. Am Neuen Markt gab der Nemax 50 um 0,7 Prozent auf 1039 Zähler nach. Nach der Entscheidung der US-Notenbank, die Zinsen trotz der Konjunkturwende vorerst nicht zu erhöhen, hatten auch die US-Börsen im späten Handel leicht nachgegeben.

Die Anfangsverluste seien kein Grund zur Panik, sagten Händler. Nach der deutlichen Erholung in den vergangenen Wochen sei es Zeichen einer gesunden Entwicklung, wenn der Markt sich etwas setze. Der Dax notiert nach wie vor deutlich über 5400 Punkten.

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) gibt mit einer positiven Konjunkturprognose den Märkten Rückhalt. Der IWF sagt der deutschen Wirtschaft für das kommende Jahr dank einer anziehenden Weltkonjunktur ein Wachstum von 2,5 Prozent voraus. In den USA sehen die Experten das Wachstum sogar bei 3,8 Prozent.

Größte Gewinner im Dax waren zum Auftakt der Finanzdienstleister MLP   sowie die defensiven Werte Linde  , Degussa   und Henkel   mit Gewinnen von jeweils rund 1,0 Prozent.

Infineon: Pause nach der Rallye

Der Chiphersteller Infineon   notierte dagegen mit Verlusten von 1,8 Prozent am Ende des Index: Die fünf größten japanischen Chiphersteller erwägen die Gründung eines Joint Venture zur Entwicklung von Halbleitern der nächsten Generation. Dadurch solle die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Konkurrenten in Asien, Europa und den USA gestärkt werden, erklärte ein Sprecher der Japan Electronics and Information Technology Industries Association.

Deutsche Telekom: Schadensbegrenzung?

Die Deutsche Telekom   könnte trotz der Hiobsbotschaften für Aktionäre mit einem blauen Auge davon kommen. Die angekündigte Kürzung der Dividende um 40 Prozent und der verschobene Börsengang der Tochter T-Mobile drückten die Aktie gestern zeitweise um 3,1 Prozent ins Minus, die Aktie reduzierte zuletzt jedoch ihre Verluste auf 1,7 Prozent und 16,75 Euro. "Für die Privatanleger ist die Dividendenkürzung eine herbe Enttäuschung", sagte ein Händler. Mancher Analyst sprach dagegen von einer "wirtschaftlich sinnvollen Entscheidung". Am Mittwoch legte die Aktie um 0,1 Prozent auf 16,77 Euro zu.

Die Titel von BMW   verteidigten trotz des schwächeren Starts ihre Vortagesgewinne. Die am Vormittag bekannt gegebenen Zahlen lagen wie erwartet auf Rekordniveau und bargen nach Aussagen von Händlern daher kaum Überraschungen. Die Rivalen DaimlerChrysler   und Volkswagen   gaben am Mittwoch dagegen leicht nach.

Medion überzeugt, MobilCom macht es spannend

Der Nemax 50 gab am Mittwoch zum Auftakt leicht nach und notierte bei 1039 Punkten. "Der Neue Markt könnte hier einen Boden gefunden haben", sagte ein Wertpapierhändler in Frankfurt.

Das Mobilfunkunternehmens MobilCom   startete knapp behauptet. Heute tagt der Aufsichtsrat - unter strenger Geheimhaltung. "Vielleicht spekulieren die Anleger auf einen positiven Ausgang des Streits mit France Télécom", sagte ein Händler. Die Töne zwischen den Gesellschaftern seien in derzeit versöhnlicher, hieß es. Auch eine französische Zeitung hatte berichtete, die beiden Kontrahenten stünden kurz vor der Einigung.

Der Elektronikhändler Medion   erfreut seine Anleger: Das Nemax-50-Schwergewicht hat im abgelaufenen Geschäftsjahr sowohl Umsatz als auch Ergebnis gesteigert. Der Konzernüberschuss stieg um 59 Prozent auf 70,1 Millionen Euro. Den Aktionären soll auf der Hauptversammlung eine Dividende von 0,50 Euro vorgeschlagen werden. Die Medion-Aktie gehörte mit einem Plus von 1,5 Prozent zu den Gewinnern im Index.

Auch die Aktie des Internetanbieters T-Online   ist auf Erholungskurs. Nach 6,7 Prozent am Vortag stieg der Wert des Anteilsscheins am Dienstag um weitere 4,3 Prozent auf 13,20 Euro. "Damit hat die Aktie die Verluste durch das geringere Gewicht im Auswahlindex mehr als wettgemacht", sagte der Händler. Die Auftaktverluste von 1,8 Prozent am Mittwoch hielten sich in Grenzen.

USA: Greenspan erklärt Rezession für beendet

In den USA entwickelten sich die Börsen vor der Entscheidung der US-Notenbank freundlich und gaben im späten Handel auf Grund von Gewinnmitnahmen leicht ab. Der Dow Jones ging mit einem Plus von 0,5 Prozent aus dem Handel, während die Nasdaq ihr Plus deutlicher auf 0,2 Prozent verringerte.

Die US-Notenbank Federal Reserve hat am Dienstag die Rezession für beendet erklärt. Die Fed hat wie erwartet die Leitzinsen unverändert gelassen, aber zugleich die Finanzmärkte auf Zinserhöhungen im Jahresverlauf vorbereitet. Der entscheidende Zielsatz für Tagesgeld beträgt weiter 1,75 Prozent. Der US-Leitzins könnte aber nach Ansicht von Experten bis Jahresende auf 2,5 Prozent steigen.

In ihrer Erklärung stellte die Fed fest, dass die Inflationsrisiken und die Gefahren einer weiteren Konjunkturabschwächung inzwischen ausgewogen seien. Damit warnte die Fed erstmals seit 15 Monaten nicht mehr vor einer weiteren wirtschaftlichen Abkühlung. Sie betonte vielmehr, dass die Wirtschaft mit einem "bedeutenden Tempo" wachse.

Gewinnmitnahmen in Tokio - Euro etwas fester

Die Aktienbörse in Tokio hat am Mittwoch in Folge von Gewinnmitnahmen schwach geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte büßte kräftig um 266,04 Punkte oder 2,25 Prozent ein und ging mit 11 526,78 Punkten aus dem Handel. Am morgigen Donnerstag bleiben die japanischen Finanzmärkte wegen eines Feiertages geschlossen. Der Euro notierte am Mittwoch Morgen leichter mit 0,8808 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag bei 0,8829 Dollar festgesetzt.