Börse am Morgen: Gewinnmitnahmen drücken den Dax - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börse am Morgen Gewinnmitnahmen drücken den Dax

Die Anleger nehmen am Montag im frühen Handel einen Teil der jüngsten Kursgewinne mit. Im M-Dax stürzt die Aktie von Babcock Borsig ab.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte sind am Montag nach den satten Zugewinnen der vergangenen beiden Handelstage leichter in den Handel gestartet. Nach einem Plus von 5,3 Prozent am Freitag gab der Dax bis 9.30 Uhr zunächst rund ein Prozent auf 4436 Zähler nach. Am Neuen Markt fiel der Auswahlindex Nemax 50 2,4 Prozent auf 573 Punkte. Der Index war am Freitag um mehr als sieben Prozent gestiegen.

Neben Gewinnmitnahmen wurde die Stimmung am Montag von neuen schlechten Nachrichten aus den USA getrübt. Der Pharmakonzern Merck   hat angeblich in den vergangenen drei Jahren seinen Umsatz um 12,4 Milliarden Dollar aufgebläht. Diese Umsätze habe der Pharmakonzern aber nie erzielt, berichtet das "Wall Street Journal" (WSJ) am Montag unter Berufung auf eine Meldung des Unternehmens an die US-Börsenaufsicht SEC. Als das "WSJ" Ende Juni erstmals über die erhöhten Umsätze berichtete, hatte Merck erklärt, dass die Bilanzierungspraktiken mit den US-GAAP übereinstimmten.

Im Zentrum des Interesses standen zunächst die Papiere der im M-Dax notierten Babcock Borsig   aus. Die Verhandlungen zur Rettung des Maschinenbaukonzerns sind offenbar gescheitert. Die Arbeitnehmer-Vertreterin im Aufsichtsrat des Unternehmens, Hannelore Elze, sagte am Montag im Deutschlandfunk, sie sei am Sonntag offiziell informiert worden, dass es mehr oder weniger aus sei. Über entsprechende Informationen berichteten auch das ZDF-Morgenmagazin sowie die "Rheinische Post" in Düsseldorf. Die Aktie von Babcock stürzte am Morgen um mehr als 40 Prozent auf 0,90 Euro ab.

Technologiewerte im Dax, die am Freitag zweistellig zugelegt hatten, gaben zunächst nach. Die Aktie der Deutsche Telekom   fiel um rund zwei Prozent auf 10,55 Euro. Das Papier hatte am Freitag 12,50 Prozent auf 10,80 Euro zugelegt.

Zugleich gibt es erneut Gerüchte um eine vorzeitige Ablösung von Vorstandschef Ron Sommer. Die Bundesregierung plant nach einem "Focus"-Bericht die Ablösung von Sommer noch vor der Bundestagswahl im September. Unter Berufung auf Regierungskreise berichtete das Blatt am Wochenende vorab, Bundeskanzler Gerhard Schröder suche bereits intensiv nach einem Nachfolger für den Manager und habe seinen Plan am Donnerstag mit Finanzminister Hans Eichel (SPD) beraten.

Auf der Verliererseite standen Infineon  , die nach Zugewinnen von knapp 14 Prozent am Freitag zunächst zwei Prozent auf 16,51 Euro nachgaben. Der Vorstandsvorsitzende Schumacher hofft laut einem Interview in der "FAZ", für das laufende Halbjahr nach wie vor auf eine Belebung der Investitionen in IT-Infrastruktur. Epcos   verloren mehr als drei Prozent. Siemens   und SAP gaben jeweils rund zwei Prozent ab.

DaimlerChrysler   wirft dem Konkurrenten BMW   vor, der Münchner Konzern habe seine US-Absatzzahlen nachberechnet, um einen höheren Marktanteil in den USA ausweisen zu können. Daimler gehe davon aus, dass BMW extra für diesen Zweck zusätzliche Einheiten zurückgehalten habe, berichtet die "Financial Times" (FT) in ihrer Montagausgabe. BMW habe die Vorwürfe zurückgewiesen. Beide Werte gaben zwischen einem und zwei Prozent ab.

Die Deutsche Post   greift nach einem Bericht der "Welt" die niederländische Konkurrenz auf dem Briefmarkt an. Am heutigen Montag werde in Amsterdam die Akquisition eines führenden niederländischen Unternehmens für Postwurfsendungen bekannt gegeben, heißt es. Außerdem soll ein deutsch-niederländisches Joint Venture im Bereich der adressierten Mailings gegründet werden. Die Aktie der Post notierte kurz nach Handelsauftakt rund 2,50 Prozent leichter auf 13,22 Euro.

Die Versicherungsgesellschaft Allianz  bereitet nach einem Bericht der "FTD" eine breit angelegte Preiserhöhungskampagne für das Gewerbe und kleinere Industrieunternehmen vor. Dabei will die Allianz die Prämien auch bei nicht durch Schäden belasteten Verträgen auf mindestens 75 Prozent der so genannten Bedarfsprämie anheben, heißt es in einem internen Maßnahmenkatalog für Vertriebsleute. Die Aktie notierte zunächst 1,6 Prozent leichter auf 204 Euro. Das Papier hatte am Freitag mehr als sieben Prozent hinzugewonnen.

Wall Street: Alcoa startet die US-Berichtssaison

Ob nun Optimisten oder Pessimisten die Oberhand behalten werden, darauf könnte diese Woche die startende Berichtssaison in den USA einen Hinweis geben. Wie im vergangenen Quartal hatten zahlreiche Unternehmen bereits zuvor ihre Zahlen nach unten korrigiert. "Dies dürfte jedoch bereits größtenteils Niederschlag in den Kursen gefunden haben", schreiben die Helaba-Experten.

Der weltweit größte Aluminiumkonzern Alcoa   eröffnet heute die Saison der Quartalsbilanzen. Die Preisrückgänge im Aluminiumsektor haben nach Ansicht von Analysten das Quartalsergebnis deutlich belastet. Die Mehrheit der Experten geht davon aus, dass der Konzern im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr einen fast halbierten Gewinn verbucht hat. Einer Umfrage von First Call/Thomson Financial zufolge soll Alcoa an diesem Montag einen Gewinn von 28 Cent je Aktie ausweisen. Im Jahr zuvor waren es noch 48 Cent je Anteilsschein gewesen. Die Spannbreite der 16 befragten Analysten für das Berichtsquartal reicht von 24 bis 34 Cent.

Goldman Sachs wies in diesem Zusammenhang daraufhin, dass bestimmte Branchen wie Luft- und Raumfahrt sowie Telekommunikation sich noch immer schwach entwickeln. Die lang ersehnte Erholung der Aluminiumindustrie könne deshalb schwächer ausfallen als bislang erwartet. Die Investmentbank rechnet damit, dass die Nachfrage nach Aluminium in den westlichen Industriestaaten in 2002 um 2,2 Prozent wachsen wird und in 2003 um 5,5 Prozent.

Am Mittwoch legt der Internet-Portalbetreiber Yahoo   seine Geschäftszahlen vor. Goldman Sachs geht davon aus, dass der Online-Anzeigenmarkt inzwischen den Boden erreicht hat. Der Markt werde sich aber kurzfristig nicht erholen. Am Donnerstag folgt dann der Netzwerkausrüster Juniper Networks   und einen Tag später General Electric   mit den Geschäftszahlen.

Zahlreiche US-Konjunkturdaten in dieser Woche

Überdies erreichen die Märkte eine ganze Reihe US-Konjunkturdaten. Die Einzelhandelsumsätze im Juni stehen dabei im Mittelpunkt. Volkswirte rechnen wieder mit gestiegenen Einnahmen der Geschäfte, nachdem die Umsätze im Mai überraschend um 0,9 Prozent gesunken waren. Die Zahlen werden am Freitag veröffentlicht.

Die Juni-Ergebnisse würden besonders genau beachtet, da sie der Schlüssel zu den endgültigen Schätzungen der Volkswirte für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes im zweiten Quartal seien.

Die Verbraucherkredite im Monat Mai dürften nach Einschätzung von Analysten wieder gestiegen sein. Die Importpreise für den Monat Juni werden am Mittwoch veröffentlicht, ebenso die Lagerbestände des Großhandels. Geringfügig mehr Anträge auf Arbeitslosigkeit erwarten die Experten bei den wöchentlich ausgewiesenen Erstanträgen (Donnerstag).

Die Erzeugerpreise im Juni sollen sich nicht verändert haben (Freitag). Die Einzelhandelsumsätze (Freitag) dagegen sind im Juni nach Ansicht von Markbeobachtern um 0,4 Prozent gestiegen. Einen leichten Anstieg sagen die Prognosen auch für das Verbrauchervertrauen im Monat Juli voraus. Der von der Universität Michigan errechnete Index wird ebenfalls am Freitag erwartet.

Euro im Aufwind

Der Euro hat gegenüber dem Dollar deutlich zugelegt. Als Ursache führen Händler den neuesten US-Bilanzskandal bei Merck an. Negativ für den Dollar habe sich auch eine Äußerung des japanischen Finanzministers Masajuro Shiokawa ausgewirkt. Dieser hatte am Samstag gesagt, der Dollar könne bis auf 115 Yen abrutschen.

Die asiatische Leitbörse in Tokio notierte am Montag leichter. Der Nikkei gab 0,5 Prozent auf 10.769 Zähler nach.