Börse am Morgen: Guter Start dank Greenspan - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Guter Start dank Greenspan

Trotz einer Gewinnwarnung von BASF startet der Dax freundlich in den Tag. Die T-Aktie notiert im Spitzenfeld. Infineon rutscht weiter ab. Am Neuen Markt sind Intershop und Brokat gefragt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg – Nach den deutlichen Verlusten am Vortag sind die deutschen Aktienmärkte gut in den Tag gestartet. Die Gewinnwarnung des Chemieriesen BASF kann den Dax bei seinem Aufwärtstrend nicht stoppen. Der Index legte zu Handelsbeginn 0,6 Prozent auf 5909 Zähler zu. Die Wachstumswerte im Nemax-50 waren auf dem besten Wege, ihre Verluste vom Vortag wieder wett zu machen. Der Index legte um mehr als drei Prozent auf 1466 Zähler zu und profitierte dabei von den freundlichen Vorgaben der US-Technologiebörse Nasdaq, die mit zwei Prozent im Plus schloss.

Die Deutsche Telekom verkauft die noch bei ihr verbliebenen sechs regionalen Kabelfernsehgesellschaften an die amerikanische Liberty Media Corporation, teilte der Konzern am Morgen mit. Über den Kaufpreis machte die Telekom keine Angaben. Die Aktie legte um rund zwei Prozent zu auf 24,80 Euro. Auf Erholungskurs befanden sich die Aktien von Epcos, die sich um 1,32 Prozent auf 64,13 Euro verteuerten. Siemens-Papiere verbesserten sich um rund ein Prozent. Infineon-Aktien, die am Vortag nach einer Gewinnwarnung um mehr als 14 Prozent gefallen waren, konnten rutschten am Morgen weiter um 0,83 Prozent auf 29,70 Euro ab.

Nach einer Gewinnwarnung für das zweite Quartal verlor die Aktie von BASF mehr als fünf Prozent auf rund 42 Euro. Im Sog von BASF standen auch die Papiere von Bayer, die rund zwei Prozent auf 44,75 Euro nachgaben.

Der Autokonzern DaimlerChrysler und sein koreanischer Partner Hyundai gründen ein Gemeinschaftsunternehmen zur Produktion von Dieselmotoren in Korea. Die Produktion dieser Motoren in Korea stelle einen entscheidenden Schritt in der Asienstrategie der DaimlerChrysler Nutzfahrzeugsparte dar, teilte der Konzern heute Morgen mit. Die Meldung blieb an der Börse zunächst ungehört. Die Aktie notierte nahezu unverändert bei 50,60 Euro.

Zu den größten Gewinnern im Nemax-50 gehörten die Aktien von Intershop, die sich um mehr als neun Prozent auf 3,60 Euro verteuerten. Intershop will die Lizenzeinnahmen durch Partnerschaften mit Unternehmen wie etwa Hewlett-Packard steigern. Damit wolle das Softwareunternehmen der allgemeinen Marktschwäche entgegen wirken, sagte der Vorstandsvorsitzende Stephan Schambach der FAZ. Die Lizenzeinnahmen waren im ersten Quartal deutlich zurückgegangen. Schambach rechnet jedoch in den USA mit einer Aufbauzeit von ein bis eineinhalb Jahren. In Europa sehe es besser aus, da die Partnerschaften bereits besser funktionierten.

Zukunft von Brokat ungewiss

Zu den Gewinnern im Nemax-50 zählten auch die Papiere von Brokat, die am Tag der Hauptversammlung um 6,73 Prozent auf 3,49 Euro zulegten. Mit Spannung erwartet werden die Aussagen des Vorstands zur aktuellen Geschäftsentwicklung. Der Spezialist für Internet-Banking hatte seine Umsatzprognose bereits deutlich nach unten korrigiert und angekündigt, ein Fünftel der 1450 Stellen abzubauen. Der Kurs der Aktie war aus Höhen von 200 Euro auf zuletzt 3 Euro abgestürzt.

Nach früheren Angaben will Brokat im vierten Quartal 2001 die Gewinnzone erreichen. Der Vorstand wird sich angesichts der jüngsten Entwicklung bohrenden Fragen der Aktionäre vor allem nach der Liquidität stellen müssen. Analysten des Bankhauses Merck Finck konstatieren, dass Brokat zum Jahresende kein Geld mehr haben werde und der Fortbestand der Gesellschaft gefährdet ist. Ein Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) kündigte an, den Vorstand nicht entlasten zu wollen.

Greenspan verschaffte Nasdaq ein Comeback

In einem wechselhaften Aktienmarkt hat US-Notenbankchef Alan Greenspan am Mittwoch mit seinen Äußerungen die Akteure Hoffnungen auf eine erneute Zinssenkung schöpfen lassen. Damit bekam die angeschlagene US-Technologiebörse Nasdaq noch die Kurve feierte zum Handelsschluss ein Comeback mit einem Plus von rund zwei Prozent auf 2031 Zähler. Vor allem dies wird sich am Donnerstag auf die deutschen Aktienmärkte positiv auswirken, zumal die Nasdaq zum Handelsschluss in Deutschland mit gerade 0,6 Prozent im Plus gestanden hatte.

Greenspans Aussage, die Inflation sei unter Kontrolle und nicht zuletzt der Beisatz, Banken sollten bei der Kreditvergabe nicht so harte Maßstäbe ansetzen, ließen die Hoffnungen auf ein Leitzinssenkung durch die Fed am 26. Oder 27. Juni erneut aufkeimen. Positiv wirkte sicherlich auch die Nachricht, dass der Index der führenden Wirtschaftsindikatoren eine Erholung der US-Konjunktur angedeutet haben. Gleichwohl fragt man sich angesichts der Tatsache, dass die Amerikaner rund 14 Prozent ihres Gehaltes für die Schuldentilgung aufbringen, wie lange diese Rechnung noch aufgehen wird.

Warnungen nach US-Börsenschluss

Die Zeit der Warnungen ist indes noch nicht vorbei: Der Chip-Hersteller Transmeta hat am Mittwoch nach Börsenschluss eine Umsatzwarnung für das zweite Quartal herausgegeben. Danach würden die Umsätze im zweiten Jahresviertel um 40 bis 45 Prozent im Vergleich zu den 18,6 Millionen Dollar, die im ersten Quartal erwirtschaftet wurden, einbrechen. Im zweiten Quartal sei mit außerordentlichen Belastungen zu rechnen.

Vor geringeren Gewinnen und/oder Umsätzen warnten auch Samina Corp. ein Zulieferer für Electronic Manufacturing Services (EMS); Exodus Communications, ein Web-Hosting-Konzern und der Softwarekonzern Verity.

Zinssenkung der EZB nicht in Sicht

In Ermangelung wichtiger Unternehmenstermine dürfte heute die Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) stehen. Obwohl der Ruf nach einer weiteren Zinssenkung zur Stützung der schwachen Konjunktur vor allem bei den Gewerkschaften stärker wird, rechnet die Finanzwelt überwiegend nicht mit einer Lockerung der Geldpolitik. Vor allem die Rekord-Inflation in der Währungsunion von derzeit mehr als drei Prozent sei kein Umfeld für Zinssenkungen, wird argumentiert.

Die asiatische Leitbörse in Tokio zeigte sich kurz vor Handelsschluss fester. Der Nikkei stand gegen 7.35 Uhr mit 218 Zählern auf 12.893 Punkten im Plus.