Börse am Morgen HypoVereinsbank weiter auf Talfahrt
Frankfurt am Main Der Dax fiel im Sog schwacher US-Vorgaben innerhalb der ersten Handelsstunde um 1,5 Prozent auf 3043 Punkte. Der MDax gab rund 0,9 Prozent auf 3018 Zähler ab. Am Neuen Markt notierte der Nemax 50 auf 414 Punkten, ein Minus von 2,1 Prozent.
"Die Gefahr ist, wenn der Dax unter 3000 Punkte fällt, dass sich die Bewegung nach unten beschleunigt", sagte ein Aktienhändler. Konjunkturell habe sich die Lage in den vergangenen Wochen nicht gebessert, gleichwohl sei der Dax aber deutlich angezogen und um rund 20 Prozent gestiegen. Das sei überzogen gewesen, von daher bestehe also ein gewisses Risiko nach unten, hieß es. Ein anderer Händler verwies auf die Ausweisungspläne der irakischen Regierung, die wieder die Furcht vor einem neuerlichen Irak-Krieg der USA verstärkt hätten.
Wichtige Unternehmensnachrichten stehen zum Wochenschluss nicht mehr an. Richtungsweisend sollten die Daten zum Verbrauchervertrauen von der Universität Michigan sein, die am Nachmittag veröffentlicht werden. Am Donnerstag überraschte der Online-Händler Amazon.com nach Börsenschluss mit guten Geschäftszahlen. JDS Uniphase enttäuschte hingegen die Märkte.
HypoVereinsbank erneut am Dax-Ende
Zu den größten Verlierern im Dax gehörte mit einem Abschlag von über drei Prozent auf 13,50 Euro wieder einmal die Aktie der HypoVereinsbank. Das Papier hat seit Bekanntgabe schlechter Geschäftszahlen am vergangenen Mittwoch ständig unter Druck gestanden. Die Investmentbank Goldman Sachs hat die EPS-Prognose (Gewinn pro Aktie) für die Bank 2003 von 0,30 auf 0,22 Euro gekürzt. Fürs laufende Geschäftsjahr rechnen die Analysten mit einem EPS von minus 0,41 nach 1,02 Euro. Lehman Brothers senkte das Rating Händlern zufolge auf "Untergewichten" und die Deutsche Bank auf "Verkaufen".
Die Technologiewerte, die am Vortag noch kräftig gewinnen hatten, standen gleichfalls unter Druck. Die Titel von SAP , Siemens , Infineon und Epcos gaben zwischen 1,2 und fünf Prozent ab.
Die Aktien der Deutschen Telekom haben rund ein Prozent leichter notiert. Händlern zufolge gibt es Gerüchte, der Bonner Konzern berufe am Wochenende eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung ein, auf der über den neuen Vorstandschef beraten werden soll.
Metro verkauft sein Tafelsilber
Die Metro-Aktie gewann rund 0,8 Prozent auf 21,23 Euro. Deutschlands größter Handelskonzern wird nach Informationen des "Handelsblatt" in den nächsten Tagen den Verkauf von insgesamt 357 Gebäuden und Grundstücken bekannt geben. Der Wert könnte drei bis vier Milliarden Euro entsprechen, schreibt die Zeitung unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise. Der Kaufvertrag soll Anfang November unterschrieben werden.
An dem Kauf der Immobilien sind laut dem Handelsblatt die US-Fondsgesellschaften Blackstone und General Electric Capital sowie die Investmentbanken Morgan Stanley und Merrill Lynch interessiert. Metro beabsichtige, die Immobilien wieder zurückmieten (Sale-and-lease-back-Verfahren). Aus dem Immobiliengeschäft könnte nach Einschätzung des Handelsblatts dem Handelskonzern ein außerordentlicher Ertrag zwischen 500 Millionen und 700 Millionen Euro zufließen.
Loewe nach Gewinnwarnung unter Druck
Die Aktien der im MDax notierten Loewe verloren über zehn Prozent auf 13,92 Euro. Zuvor hatte das Unternehmen seine Prognose für den Umsatz und den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) für das laufende Jahr nach unten korrigiert.
Der ebenfalls im MDax notierte internationale Flughafen-Betreiber Fraport plant im Streit um den Neubau und Betrieb einer Abfertigungshalle in Manila eine Schadensersatzklage gegen die Philippinen. Wie Vorstandschef Wilhelm Bender der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte, gebe es zudem politische Initiativen, die über die Bundesregierung liefen. Die Börse reagierte auf die Ankündigung mit einem leichten Aufschlag von 0,2 Prozent auf 21,70 Euro.
Wall Street unter Druck, Euro notiert fester
US-Börsen unter Druck
Die amerikanischen Aktienbörsen haben am Donnerstag nach freundlichem Auftakt schwächer geschlossen. Dies überraschte allerdings nach dem Höhenflug der letzten Tage nicht. Viele Anleger wollten nach den starken Kursgewinnen der jüngsten Zeit erst einmal Kasse machen.
Der Dow-Jones-Index gab um 176,93 Zähler oder 2,1 Prozent auf 8317 Punkte nach, nachdem der Dow in den vergangenen zweieinhalb Wochen um rund 1200 Punkte zugelegt hatte. Der Nasdaq-Index fiel um 21,52 Zähler oder 1,6 Prozent auf 1298 Punkte. Es wurden an der New Yorker Börse bei lebhaftem Handel fast 1,7 Milliarden Aktien umgesetzt. 1398 Aktien wiesen Pluszeichen auf, 1821 Werte gaben nach und 180 Aktien gingen unverändert aus dem Handel.
Die Schlangen in den amerikanischen Arbeitsämtern waren in der vergangenen Berichtswoche etwas kürzer geworden, und das wurde zum Auftakt von den Anlegern positiv aufgenommen. Die Vorlage von guten Quartalsergebnissen durch das weltgrößte Medienunternehmen AOL Time Warner , den Mischkonzern Tyco International , den Fotoriesen Eastman Kodak und die Versicherung AIG half diesen Aktien. AT&T Wireless zählte ebenfalls zu den Gewinnern.
Amazon überrascht positiv, JDS Uniphase enttäuscht
Der Online-Einzelhändler Amazon.com hat mit seinen nach Handelsschluss bekannt gegebenen Geschäftszahlen für das abgelaufene Quartal die Markterwartungen übertroffen und einen optimistischen Ausblick gegeben. Dennoch geriet die Aktie im nachbörslichen Handel unter Druck. Nachdem der Aktienkurs seit Jahresbeginn rund 80 Prozent zugelegt hatte, hielten mehrere Analysten das Papier bereits vor Bekanntgabe der Zahlen für fair bewertet. "Solide" Quartalsergebnisse seien bereits eingepreist, schrieb etwa Internetexperte Safa Rashtchy von U.S. Bancorp Piper Jaffray in seinem Ausblick.
Enttäuscht hat hingegen wieder JDS Uniphase . Der kanadisch-amerikanische Großanbieter von Faseroptik-Teilen für die Telekomausrüster, fährt angesichts stark rückläufiger Umsätze und hohen Verlusten seinen Sparkurs weiter. Das Unternehmen verbuchte in dem am 30. September beendeten ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen Umsatzeinbruch auf 193 (Vorjahresvergleichszeit: 328,6) Millionen Dollar. Es fiel ein Verlust von 520,5 Millionen Dollar oder 37 Cent je Aktie an. JDS Uniphase hatte im ersten Quartal des Vorjahres rote Zahlen von 1,2 Milliarden Dollar oder 93 Cent je Aktie ausgewiesen.
Nikkei geht freundlich ins Wochenende
Die Aktienbörse in Tokio hat am Freitag fest geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte stieg um 111,99 Punkte oder 1,3 Prozent auf 8726 Zähler. Der breit angelegte Topix verbesserte sich um 12,44 Punkte oder 1,4 Prozent auf 871 Zähler.
Euro steigt im Gefolge schwacher US-Aktienmärkte
Der Kurs des Euro ist am Freitag gestiegen. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 9.10 Uhr 0,9781 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag bei 0,9738 (Mittwoch: 0,9775) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,0269 (1,0230) Euro.
Schwache Aktien "helfen dem Euro auf die Beine", heißt es bei der Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt. Zunächst hatte sich die europäische Währung am Vortag lustlos präsentiert. Mit deutlichen Verlusten an den US-Börsen sei jedoch eine Befestigung gelungen, die sich am Freitag fortsetzte. Es sei zu erwarten, dass der Euro weiter zulege und die Marke von 0,98 US-Cent überspringe.