Börse am Morgen Im Tiefenrausch
Frankfurt am Main -Für den Deutschen Aktienindex wird es charttechnisch kritisch. Der Dax rauschte nach den schwachen US-Vorgaben zu Handelsauftakt glatt durch die Unterstützungsmarke von 4440 Punkten und notierte nach 30 Handelsminuten um 1,5 Prozent schwächer bei 4404 Zählern. Der Dax bewege sich auf einem gefährlichen Niveau, sagte ein Händler: Bei vielen Versicherungen habe es bereits Krisensitzungen gegeben, wie bei einem weiteren Fall des Dax Verluste begrenzt werden können. Versicherungen legen einen Teil der Einnahmen in Aktien an.
Vom Neuen Markt haben sich die meisten Großinvestoren inzwischen längst verabschiedet: Der Nemax 50 setzte mit einem Minus von 2,9 Prozent auf 657 Zähler zum Wochenschluss seine Talfahrt fort.
Finanzwerte schwach, Münchener Rück behauptet
Die anhaltende Baisse drückt weiter auf die Finanztitel wie Deutsche Bank , HypoVereinsbank und Commerzbank , die am Freitag zum Handelsauftakt ihre Talfahrt fortsetzten. Die Aktie der Münchener Rück hielt dagegen ihre Verluste in Grenzen: Die Credit Suisse First Boston (CSFB) hat Händlern zufolge am Freitag den fairen Wert der weltgrößten Rückversicherungs-Gesellschaft von 295 auf 260 Euro gekürzt. Das Papier fiel um lediglich 0,2 Prozent auf 224,20 Euro.
Rekordstrafe für Post?
Aktien der Deutsche Post World Net verloren rund 1,1 Prozent und notierten unter 15 Euro. Laut FTD muss das Unternehmen wahrscheinlich rund 570 Millionen Euro an die Bundesregierung zurückzahlen. Grund dafür sei ein Verstoß gegen die Subventionsregeln der Europäische Union (EU). Die Meldung ist nicht neu, jedoch rücke nun eine Entscheidung der EU-Kommission näher. Die Rückzahlung wäre der "FTD" zufolge eine der größten, die die Kommission je verhängt habe.
SAP: Erneut rückwärts
Auch Softwareaktien standen erneut auf den Verkaufslisten. Die Aktie des weltgrößten Softwarekonzerns Microsoft fiel gestern in den USA um 2,38 Prozent auf 54,22 Dollar. Zuvor hatte im Kartellverfahren gegen Microsoft ein US-Gericht den Antrag des Konzerns abgelehnt, die Klage von neun Bundesstaaten abzuweisen. Indessen wurde bekannt, dass Microsoft-Gründer Bill Gates Aktien im Wert von mehreren hundert Millionen Dollar verkauft. Die deutschen Technologietitel SAP , Infineon und Siemens gaben am Freitag Morgen ihre Vortagesgewinne wieder ab.
MLP: Wo ist der Boden?
Schwache US-Vorgaben, enttäuschende Konjunkturdaten und dann auch noch Vorwürfe wegen angeblicher Bilanzunregelmäßigkeiten: Für den Finanzdienstleister MLP kommt es derzeit knüppeldick. Zwar hat MLP-Vorstandschef Bernhard Termühlen die Vorwürfe des Anlegermagazins Börse Online zurückgewiesen. Am Freitag war die Aktie mit einem Verlust von drei Prozent auf 31,49 Euro jedoch erneut schwächster Titel im Dax.
Automobilwerte schwach
Verluste zwischen 0,5 und 1,5 Prozent verbuchten auch Auto-Aktien. Der gesamte Sektor habe bereits gestern unter den schwächer als erwartet ausgefallenen Zulassungszahlen für Westeuropa gelitten, sagten Händler. Die Pkw-Neuzulassungen fielen im Mai um acht Prozent auf knapp 1,25 Millionen Fahrzeuge. In Deutschland wurden 14 Prozent weniger Fahrzeuge neu zugelassen. Im Gegensatz zu Volkswagen und DaimlerChrysler verbuchte BMW zwar ein kräftiges Zulassungsplus, konnte sich der negativen Stimmung jedoch nicht entziehen.
MobilCom im Aufwind
Cargolifter: Rettung durch Boeing?
Doch es gibt auch Aktien mit kräftigen Kursaufschlägen. Gewinner des Tages im Nebenwerte-Index MDax war gestern die Aktie von Cargolifter , die sich um 50 Prozent auf 0,92 Euro verteuerten. Auslöser für den Kurssprung: Der US-Flugzeugriese Boeing prüft nach eigenen Aussagen einen Einstieg bei dem insolventen Luftschiffbauer.
MobilCom im Aufwind
Am Neuen Markt stieg die MobilCom-Aktie am Freitag um weitere 2,6 Prozent auf 7,70 Euro, nachdem sie am Vortag rund 20 Prozent zugelegt hatte. In den Tagen zuvor war die Aktie jedoch um rund 60 Prozent eingebrochen Wie aus Pariser Finanzkreisen verlautete, bemühen sich die Banken und Großaktionär France Télécom intensiv um eine Lösung des Schuldenproblems der Telefongesellschaft. Zudem werde der Rücktritt von MobilCom-Chef Gerhard Schmid immer wahrscheinlicher, sagten Händler.
Land unter an der Wall Street
US-Börsen knicken erneut ein
In den letzten beiden Handelsstunden baute der Dow Jones seine Verluste von 0,6 auf 1,2 Prozent aus und schloss nur hauchdünn über der Marke von 9500 Zählern. Der Technologieindex Nasdaq Composite, der um 20 Uhr MEZ 0,6 Prozent schwächer notiert hatte, schloss 1,5 Prozent schwächer und damit vier Punkte unter der wichtigen Unterstützung von 1500 Zählern.
Der Abwärtstrend an den US-Börsen setzt sich fort. Nicht nur die Umsatzwarnung von Lucent enttäuschte die Märkte. Auch die US-Einzelhandelsumsätze sind im Mai zurückgegangen. Lucent Technologies gaben mehr als vier Prozent nach: Der Technologiekonzern erwartet im laufenden dritten ein Umsatzminus zwischen 10 und 15 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. "Die Warnung von Lucent hat Ängste geschürt, dass die Telekommunikationsbranche weiter durchgeschüttelt wird", sagte ein Händler in New York. Hinzu kommt die Sorge, die US-Verbraucher könnten sich angesichts der unsicheren Konjunkturlage mit ihren Ausgaben zurück halten.
Börsianer hoffen, dass zumindest positive Konjunkturdaten die Märkte stabilisieren. Heute Nachmittag werden Daten zur Industrieproduktion für Mai sowie der vorläufige Index des Verbrauchervertrauens der Universität Michigan erwartet.
Finanzwerte unter Druck
Zu den Gewinnern zählten dagegen die Aktien des gebeutelten Mischkonzerns Tyco. Die Aktie legte um rund 36 Prozent auf 13,80 Dollar zu. Das Unternehmen hat die Genehmigung für einen Börsengang seiner Finanztochter CIT erhalten. Andere Finanzwerte wie etwa die Citigroup standen dagegen erneut auf der Verliererliste: Die anhaltende Börsenschwäche setzt besonders der Sparte Investmentbanking zu, so dass auch die global agierende Deutsche Bank seit Tagen an der Börse unter Druck steht.
Nikkei gibt nach, Euro steigt
Die Aktienbörse in Tokio hat am Freitag erneut schwach geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte büßte 224 Punkte oder 2,0 Prozent ein und fiel unter 11.000 Punkte ein. Der Euro notierte am Morgen mit 0,944 US-Dollar wieder deutlich über 94 US-Cent. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs des Euro gestern bei 0,9417 Dollar festgesetzt.