Börse am Morgen: Infineon obenauf - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Infineon obenauf

Bei geringen Umsätzen starten die deutschen Aktienmärkte im Plus. Eine eindeutige Tendenz ist nicht zu erkennen. Ein Gewinner steht aber fest: Am Tag der Bargeldeinführung legt der Euro zu.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte sind am Montag zunächst fester in den Handel gestartet. Der Dax kletterte gegen 9.30 Uhr um 0,2 Prozent auf 4918 Zähler. Die Wachstumswerte im Nemax 50 präsentierten sich 0,5 Prozent fester auf 1161 Zähler. Händler sprachen von geringen Umsätzen. Die Investoren warteten auf den ifo-Geschäftsklimaindex für den Monat November.

Die ersten Euro-Münzen sind seit Mitternacht an deutschen Bankenschaltern zu bekommen. Die Währung notierte bei 0,9034 Dollar. Devisenhändler erwarten durch die Bargeldeinführung einen Schub für die Gemeinschaftswährung.

Aktien von Infineon   gehörten mit einem Plus von einem halben Prozent auf knapp 23 Euro zu den Gewinnern im Dax. Gefragt waren auch Bankenwerte: HypoVereinsbank   und Commerzbank   legten leicht zu.

Der Vorstandschef des Elektronikkonzerns Siemens  , Heinrich von Pierer, blickt verhalten optimistisch auf das kommende Geschäftsjahr, will das Unternehmen aber auch gegen schlechte Zeiten wappnen. "Unser Ergebnis wird 2002 besser als 2001", hieß es in Presseberichten am Wochenende. Konkrete Zahlen zu Umsatz und Gewinn nannte von Pierer allerdings nicht. Die Aktie verbesserte sich um 0,40 Prozent auf 67,68 Euro.

Der Spezialchemiehersteller Degussa   ist an der Bayer   -Tochtergesellschaft Haarmann & Reimer interessiert, will aber nur deren Geschmacksstoffsparte übernehmen. Das verlautete nach Informationen der "Financial Times Deutschland" aus unternehmensnahen Kreisen.

Bayer zählt den Aroma- und Duftstoffhersteller Haarmann & Reimer aus Holzminden nicht mehr zu seinem Kerngeschäft und will ihn deswegen noch im kommenden Jahr verkaufen. Degussa Papiere notierten 0,88 Prozent leichter auf runde 28 Euro. Die Aktie von Bayer stand nur geringfügig im Plus bei 34,79 Euro.

Der im M-Dax notierte Hamburger Kosmetikkonzern Beiersdorf   wird im Geschäftsjahr 2001 einen höheren Jahresüberschuss erwirtschaften als im Vorjahr. Auch beim Umsatz erwartet das Unternehmen eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr. "Beim Umsatz gehen wir gegenwärtig von 4,53 Milliarden Euro aus. Und der Jahresüberschuss wird voraussichtlich bei 275 Millionen Euro liegen." Das kündigte Unternehmenschef Rolf Kunisch im Gespräch mit der "Euro am Sonntag" an.

Am Neuen Markt führten erneut die Aktien von Morphosys die Gewinnerliste des Nemax 50 mit einem Plus von rund 6,50 Prozent auf 56,35 Euro an.

Börsenausblick: Konjunkturdaten im Fokus der Anleger

Da aus Unternehmenssicht keine kursrelevanten Nachrichten anstehen und viele institutionelle Investoren ihre Bücher für dieses Jahr bereits geschlossen haben, rechnen Marktbeobachter im weiteren Verlauf der Woche eher mit einer schwächeren Tendenz an den Aktienmärkten. Wegen des vermutlich geringen Handelsvolumens steige aber zuleich die Gefahr stark schwankender Kurse.

Um so mehr drängen sich Konjunkturdaten in den Vordergrund. Der viel beachtete ifo-Geschäftsklima-Index für den Monat November steht heute zur Veröffentlichung an und könnte die Richtung für die Woche vorgeben. Kommt es zu einem weiteren starken Rückgang, dürfte dies der Aktienmarkt auf dem derzeitigen Niveau nicht verkraften, vermuten die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Die Mehrzahl der Experten rechnet mit einem leichten Anstieg des Index auf 84,9 Punkte, nachdem das Barometer im Oktober mit 84,7 Punkten den tiefsten Stand seit acht Jahren markiert hatte.

Zudem könnte der am Freitag anstehende Verfallstermin an den internationalen Terminbörsen, der so genannte "Hexensabbat", kräftige Kursbewegungen auslösen.

Prognosen liegen weit auseinander

Experten tun sich vor diesem Hintergrund schwer mit ihrer Einschätzung des Handelverlaufes für diese Woche. Nach Einschätzung der Experten von HSBC Trinkaus & Burkhardt dürfte der Leitindex auch in den nächsten Tagen um die Marke von 5000 Punkten pendeln. Bei der Commerzbank rechnet man mit einer "volatilen Seitwärtsbewegung der Kurse ohne richtige Jahresendrallye". Ein düsteres Szenario zeichnet dagegen die Helaba, die angesichts der "massiven charttechnischen Hürden" von eher sinkenden Kursen ausgeht.

Am optimistischsten sind die Analysten der DZ Bank. Ihnen erscheint angesichts der geringen Umsätze ein Anstieg des Dax bis auf 5400 Zähler möglich.

USA mitten in der Gewinnwarnungssaison

Die eher pessimistischen Einschätzungen zum Jahresende beruhen auch auf den wenig erfreulichen Nachrichten von US-Konzernen in der vergangenen Woche. In den vergangenen Tagen hatten unter anderem Merck, American Express, Lucent Technologies und Ciena vor enttäuschenden Zahlen gewarnt: Die Saison Gewinnwarnungen bei den US-Gesellschaften im Vorfeld der Berichterstattung zum vierten Quartal ist im vollen Gange.

Die Anleger fürchten nun, der Wirtschaftsaufschwung in den USA könnte länger auf sich warten lassen als bisher angenommen.

Tokio zeigt sich deutlich schwächer

Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Montag schwach geschlossen. Der Nikkei sackte um 188 Punkte oder 1,8 Prozent auf 10.323,35 Zähler. Der breit angelegte Topix fiel unter die psychologisch wichtige Marke von 1000 Punkten und gab zum Handelsende 1,8 Prozent beim Stand von 988 Zählern nach.