Börse am Morgen Infineon setzt Rallye fort
Frankfurt am Main - Auch wenn die europäischen Börsen heute weitgehend auf sich allein gestellt sind (Tokio blieb geschlossen, und der Handel an der Wall Street schließt einen Tag nach Thanksgiving schon um 19 Uhr), könnte die freundliche Tendenz zum Wochenschluss anhalten. Der Dax kletterte zum Auftakt um 0,3 Prozent auf 5138 Zähler, und der Nemax notierte 0,2 Prozent im Plus. Es sei weiterhin viel Geld im Markt, und die Hoffnung auf eine Erholung sei trotz der schlechten Wirtschaftsdaten in Deutschland ungebrochen.
Hält die 5100-Punkte-Marke?
Entscheidend sei, dass die wichtige Unterstützung bei 5.100 Punkten weiter halte, sagen Charttechniker. Sollte sie das nicht tun, werde sich der Dax-Future schnell wieder Richtung 5.000 Punkte bewegen. Der Nemax 50 notierte gestern zum Handelsschluss bei 1317 Zählern.
Volkswagen und Technologie fest
Die Aktie von Volkswagen startete vor der Aufsichtsratssitzung des Konzerns 1,4 Prozent fester und notierte bei 51,80 Euro. Der designierte Konzernchef Bernd Pischetsrieder stellt seine Ziele vor. Weiterhin wird kräftig über die personellen Weichenstellungen im Konzern spekuliert. Berichten zufolge wechselt Audi-Chef Paefgen an die TH-Aachen. Ex-Hoffnungsträger Herbert Demel, derzeit Leiter von VW-Brasilien, muss offenbar auch gehen. Sowohl VW-Finanzchef Bruno Adelt als auch der bei VW für den Vertrieb zuständige Robert Büchelhofer werden nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ihre Positionen behalten. Auch DaimlerChrysler profitierte von der freundlichen Stimmung und kletterte um 1,3 Prozent über 47 Euro.
Chipsektor: Am Wendepunkt?
Anleger hoffen darauf, dass die Erholung der Technologiewerte zum Wochenschluss weiter geht. Infineon war gestern mit einem zweistelligen Plus aus dem Handel gegangen und legte am Freitag erneut mehr als drei Prozent zu. Konzernchef Ulrich Schumacher hat eine Erholung auf dem Sektor angedeutet, und zudem gibt es Anzeichen einer Preiserholung auf dem Chipmarkt. Auch Epcos und Siemens gehörten am Freitag zu den frühen Gewinnern im Dax, wobei Siemens bereits gestern von einer Heraufstufung durch Goldman Sachs profitierte.
Die Krise in der Finanzbranche werde auch die HypoVereinsbank zu betriebsbedingten Kündigungen zwingen, berichtet das Handelsblatt. Die Deutsche Bank ging gestern nur knapp behauptet aus dem Handel. Die strategische Vertriebspartnerschaft zwischen der Deutsche Vermögensberatung AG und der Deutschen Bank ist nach Aussage des DVAG-Generalbevollmächtigten Friedhelm Ost zwar keine Exklusivvereinbarung, die Entwicklung könnte aber in diese Richtung gehen. Die DVAG werde selbständig bleiben, an eine Beteiligung der Deutschen Bank an der DVAG sei nicht gedacht, sagte Ost.
Allitalia trudelt - Lufthansa in Turbulenzen
Die Aktien der Lufthansa , die gestern noch größter Verlierer im Dax waren, legten am Freitag Morgen 0,5 Prozent zu. Gewinnmitnahmen und Expansionspläne des irischen Konkurrenten Ryanair hatten den Wert unter Druck gesetzt. Zudem hat die Deutsche Lufthansa nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" bei der Europäischen Kommission Beschwerde gegen die nordrhein-westfälische Landesbürgschaft für die LTU eingereicht. Belastend könnte sich auswirken, dass die italienische Fluggesellschaft Allitalia in diesem Jahr voraussichtlich einen Verlust von 600 Millionen Euro erzielen wird. Schwächste Werte im Dax waren am Morgen Degussa und Eon , die jeweils rund ein Prozent abgaben.
Konjunktur: Niedrige Energiekosten drücken Erzeugerpreise
Der Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte ist im Oktober dank rückläufiger Energiepreise lediglich um 0,6 Prozent zum Vorjahresmonat gestiegen. Dies sei die niedrigste jährliche Steigerungsrate seit Oktober 1999, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Im September 2001 hatte die Jahresveränderungsrate noch plus 1,9 Prozent betragen. Im Vergleich zum Vormonat ist der Index im Oktober 2001 um 0,9 Prozent gefallen. Ohne Berücksichtigung der Mineralölerzeugnisse stieg der Erzeugerpreisindex binnen Jahresfrist um 1,5 Prozent. Der gestern bekannt gegebene Rückgang des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) im dritten Quartal hatte kaum Einfluss auf das Handelsgeschehen. Die EZB hatte gestern die Zinsen unverändert gelassen.
Neuer Markt: Comeback der Fonds
Die stabile Tendenz am Neuen Markt sei unter anderem auf Käufe von Fonds zurück zu führen, sagten Händler. Davon profitierten in erster Linie die Schwergewichte des Marktes und besonders liquide Werte wie Broadvision , sagte ein Börsianer. Auch die Indexschwergewichte T-Online und Qiagen legten gestern deutlich zu. Am Freitag erwischten Teleplan und ACG den besten Start, während ConSors seine Talfahrt fortsetzte.
Die LPKF Laser & Electronics AG hat im dritten Quartal 2001 bei einem schwachen Umsatz einen Quartalsverlust von 0,065 Millionen Euro ausgewiesen. Wie das Unternehmen am Freitag ad hoc mitteilte, haben die weltweite Konjunkturschwäche und die politischen Ereignisse den Konzernumsatz belastet.
Euro unter 88 Cent
Der Euro hat sich am Freitag Morgen bei geringen Umsätzen in engen Spannen bewegt. Die Gemeinschaftswährung habe zunächst von Äußerungen des britischen Premierministers Tony Blair profitiert, sich stärker in Europa engagieren zu wollen. Ein Euro kostete am Morgen 0,8783 Dollar.