Börse am Morgen Infineon vorn
Frankfurt am Main - Der Dax kletterte innerhalb der ersten halben Handelsstunde um 0,6 Prozent auf 4772 Punkte. Am Neuen Markt zog der Nemax 50 um 1,1 Prozent auf 974 Zähler an. Nach den massiven Verlusten am Freitag notierten am Montagmorgen alle 30 Dax-Werte im Plus.
Einen positiven Konjunkturausblick hat zuvor der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, gewagt. "Es gibt immer mehr Anhaltspunkte dafür, dass der weltweite Wirtschaftsabschwung gegen Ende des Vorjahres zu einem Ende gekommen ist", sagte Duisenberg am Montag auf einer Veranstaltung der People's Bank of China in Peking. Duisenberg erwartet in diesem Jahr eine leichte Erholung der Weltwirtschaft. Diese werde sich 2003 beschleunigen. Es gebe allerdings auch Risiken, sagte der Notenbankchef. Diese seien im Zusammenhang mit Ungleichgewichten zu sehen, die in der Periode außerordentlich hohen Wirtschaftswachstums entstanden seien.
Die Aktie des Softwarekonzerns SAP führte am Morgen die Gewinnerliste mit einem Aufschlag von 1,3 Prozent auf 151 Euro an. Das Unternehmen will sich bei der Suche nach geeigneten Firmenübernahmen auf kleine Unternehmen und mögliche Beteiligungen beschränken. Es gebe immer wieder Gelegenheiten andere Unternehmen zu übernehmen, sagte der SAP-Chef Hasso Plattner dem "Handelsblatt".
Aber auch die anderen Technologiewerte wie Infineon , Epcos und Siemens , die am Freitag stark verloren hatten, präsentierten sich freundlich.
Die Aktie der Deutschen Lufthansa stand 0,6 Prozent im Plus bei 17,30 Euro. Händler begründeten die Kursgewinne mit der Einigung im Streit mit der Pilotenvereinigung Cockpit. "Damit konnte Lufthansa den zweiten Streik innerhalb von zwölf Monaten abwenden", sagte ein Marktbeobachter.
Das Papier der Deutschen Telekom konnte einen Teil der Kursverluste vom Freitag wieder ausgleichen. Die T-Aktie gewann 0,7 Prozent auf 15,30 Euro. Am Freitag hatte das Papier 4,41 Prozent auf 15,19 Euro verloren. Zuvor wurde bekannt, dass die Bonner den für dieses Jahr geplanten Börsengang ihrer Mobilfunktochter T-Mobil eventuell über das Jahr 2002 hinaus verschieben wollen. Dies belaste den Kurs, da sich der angestrebte Schuldenabbau dadurch verzögere, hieß es am Freitag.
Auch die Bankenwerte standen im Interesse der Anleger. Die acht wichtigsten Gläubigerbanken der Kirch-Gruppe wollen künftig mit einer Stimme sprechen. Nach Informationen des "Handelsblatt" werden sie noch in dieser Woche einen "Moderator" aus ihren Reihen bestimmen. Die heikle Mission könnte ein ehemaliger Top-Banker übernehmen. "Wir kommen jetzt in die heiße Phase der Rettungsaktion", hieß es am Sonntag aus Bankenkreisen. Die Titel der Deutschen Bank (plus ein Prozent auf 65,09 Euro), Commerzbank (plus 0,5 Prozent auf 18,31 Euro) und HypoVereinsbank (plus 0,5 Prozent auf 32,96 Euro) kletterten leicht.
Comroad weiter unter Druck
Der Kursverfall des Telematik-Anbieters Comroad hält dagegen an. Die am Neuen Markt notierte Aktie verlor im frühen Handel rund ein Prozent auf 1,95 Euro. Das Unternehmen will heute seine vorläufige Geschäftsbilanz 2001 vorlegen.
Die Mobilcom-Aktie kletterte um 4,9 Prozent auf 12,90 Euro. Die Zulieferfirmen des am Neuen Markt notierten Telekomunternehmens befürchten nach Informationen des eine Verzögerung des Aufbaus des UMTS-Mobilfunknetzes. Durch den jüngsten Streit zwischen Mobilcom und dessen zweitgrößtem Aktionär, France Telecom, über den Zeitplan und die Höhe der Investitionen für den Aufbau der neuen Mobilfunktechnik UMTS, könnten bei den Ausrüstern bereits eingeplante Einnahmen zunächst ausbleiben, schreibt das Handelsblatt unter Berufung auf Unternehmenskreise.
Positive Konjunkturentwicklung - Flut von Bilanzen am Neuen Markt
Positive Impulse erhoffen sich die Anleger von der Konjunkturentwicklung. Schon seit Jahresbeginn habe sich das fundamentale Umfeld für Aktien nach und nach verbessert, schreibt die Bankgesellschaft Berlin. Die Stimmungsindikatoren wiesen aufwärts, und auch Konjunkturzahlen wie die Industrieproduktion begännen sich in der Eurozone und in den USA zu stabilisieren.
Am Dienstag wird der Ifo-Geschäftsklima-Index für Februar veröffentlicht. Am Mittwoch folgt das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das abgelaufene Quartal. "Positiv überraschen" dürfte nach Einschätzung der DGZ DekaBank die zweite Schätzung des US-BIP, die am Donnerstag erwartet wird. Auch "Befragungsindikatoren" wie der Chicago-Einkaufsmanagerindex am Donnerstag sollten sich "verhalten positiv" zeigen. Von den Verbraucherpreisen für Frankreich (Dienstag) und Italien (Freitag) sowie den jüngsten Daten zur Geldmenge M3 (Mittwoch) erhoffen sich Volkswirte Hinweise auf die inflationäre Entwicklung in der Eurozone.
Etliche Unternehmenszahlen am Neuen Markt
Auch von Unternehmensseite gibt es Impulse für den Aktienmarkt. Am Donnerstag legen die am Neuen Markt notierten Analytik Jena Zahlen zum ersten Quartal sowie International Media und SCM Microsystems ihre Jahresbilanzen vor. Im Wochenverlauf legen auch die stark unter Druck geratenen Windpark-Bauer Umweltkontor und Plambeck ihre Kennzahlen für 2001 vor.
ThyssenKrupp veröffentlicht Bilanz
Unter den Standardwerten meldet sich am Dienstag ThyssenKrupp mit Zahlen zum ersten Quartal zu Wort. ProSiebenSat.1 veröffentlicht am Dienstag vorläufige Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr, die US-Baumarktkette Home Depot für das vierte Quartal 2001.
Am Mittwoch folgt der Schweizer Pharmakonzern Roche mit seiner Jahresbilanz 2001. Geschäftszahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr gibt es am Donnerstag von Babcock Borsig und dem italienischen Autobauer Fiat. Am Freitag stellt die französische Großbank BNP Paribas ihr Jahresergebnis vor. An dem Tag lädt der Berliner Pharmakonzern Schering zur Bilanz-Pressekonferenz.
Positive Vorgaben aus New York - Nikkei etwas leichter - Euro kaum verändert
Wall Street schließt fest
Die Standardwerte an der New York Stock Exchange (NYSE) haben am Freitag im Plus geschlossen, obwohl neue Zweifel an den Bilanzierungspraktiken von US-Unternehmen den Markt belastet hatten. In New York schloss der Dow Jones rund 1,4 Prozent höher auf 9968 Zähler, während der marktbreite S&P-500-Index um 0,8 Prozent auf 1089 Punkte kletterte. Die Nasdaq kletterte um 0,5 Prozent auf 1724 Punkte.
Nikkei unter Druck
Die Aktienbörse in Tokio hat am Montag leichter geschlossen. Nach anfänglichen Gewinnen in Folge der positiven Vorgabe der Wall Street büßte der Nikkei-Index für 225 führende Werte 60,31 Punkte oder 0,6 Prozent ein und ging beim Stand von 10.296 Zählern aus dem Markt. Der breitere Topix verlor 2,07 Punkte oder 0,2 Prozent und beendete den Handel beim Stand von 987 Punkten.
Um 15.00 Uhr Ortszeit notierte der US-Dollar leichter mit 133,96-99 Yen nach 134,09-12 Yen am Freitag zur gleichen Zeit. Der Euro notierte fester mit 0,8744-47 Dollar nach 0,8700-03 Dollar am Freitag zur gleichen Zeit.
Kurs des Euro kaum verändert
Der Euro ist mit einem leichten Kursverlust in die neue Woche gestartet. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete um 9.15 Uhr 0,8742 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Freitag den Referenzkurs bei 0,8747 (Donnerstag: 0,8701) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,1432 (1,1493) Euro.
Die Devisenanalysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt rechnen zum Wochenstart mit einer Stabilisierung des Euro-Kurses. Impulse für den Devisenhandel könnten am Mittwoch aus den USA kommen, wenn sich US-Notenbankpräsident Alan Greenspan zur Konjunkturlage in der größten Volkswirtschaft der Welt äußern wird.
In der Vorwoche hatte der Euro gegenüber dem Dollar etwas Boden gut machen können. Devisenanalysten und Händler machten dafür vor allem die Verunsicherungen der Anleger über den Umfang von falschen oder unvollständigen Bilanzen von führenden US-Konzernen verantwortlich. Immer neue Meldungen über neue Untersuchungen bei US-Firmen - zuletzt JP Morgan und Computer Associates - habe erst den Aktienmarkt und nun den Dollar belastet, sagte David Ethridge, Devisenanalyst von MMS International.