Börse am Morgen Intel schickt Hightechs in den Keller
Frankfurt am Main - Der Dax gab im frühen Handel um 0,9 Prozent auf 5017 Punkte nach. Die Wachstumswerte im Nemax 50 notierten 2,3 Prozent schwächer auf 1159 Punkte. Die Ankündigung von Intel, im laufenden Jahr weniger Geld zu investieren, belastet insbesondere die Technologiewerte: Infineon , Epcos und Siemens gehörten mit Verlusten zwischen 2,1 und 1,6 Prozent zu den größten Verlierern im Dax. Die Deutsche Telekom und der Softwarehersteller SAP konnten ihre Verluste dagegen in Grenzen halten.
Intel: Höherer Gewinn, weniger Investitionen
Der weltgrößte Hersteller von Mikroprozessoren Intel hat trotz drastischer Einbrüche bei Umsatz und Gewinn mit seinen Geschäftszahlen für das 4. Quartal die Erwartungen der Analysten übertroffen. Das Unternehmen wies einen Proforma-Gewinn von 0,15 US-Dollar für das 4. Quartal aus. Analysten hatten lediglich mit 0,11 Dollar gerechnet. Im laufenden Jahr will der Halbleiterproduzent 4,1 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung stecken. Insgesamt seien Investitionen in Höhe von 5,5 Milliarden Dollar geplant, ein deutlicher Rückgang gegenüber den 7,3 Milliarden Dollar, die 2001 investiert wurden. Diese Aussagen hatten auch in Asien den Hightechsektor belastet.
SAP: Rückzug von Commerce One?
Der Softwarehersteller SAP konnte bei einem insgesamt schwachem Branchentrend seine Verluste auf 0,4 Prozent begrenzen: SAP und Commerce One wollen ihre vor 20 Monaten geschlossene strategische Partnerschaft deutlich einschränken, heißt es in einem Bericht der "Financial Times Deutschland". Diese Entscheidung sei vor wenigen Tagen in Gesprächen zwischen SAP-Vorstand Hasso Plattner und Commerce-One-Chef Mark Hoffman gefallen.
Anleger schichten um
Von der anhaltenden Unsicherheit im Hightech-Sektor konnten zum Auftakt defensive Titel profitieren. Die Aktien des Pharmakonzerns Schering , die bereits von positiven Analystenkommentaren des Investmenthauses Merrill Lynch profitierten, setzten ihre Klettertour fort. Auch die Titel von RWE und Degussa waren am Morgen gefragt. Die Lufthansa erholte sich ebenfalls von ihren Vortagesverlusten.
Deutsche Bank: Machtkampf spitzt sich zu
Einer der größten Gewinner an der Wall Street war gestern der Finanzdienstleister American Express . Die deutschen Finanztitel starteten zumindest behauptet. HypoVereinsbank und Deutsche Bank notierten um den Vortagesschluss.
Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spitzt sich der Machtkampf zwischen Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer und seinem Kronprinz Josef Ackermann immer weiter zu. Die Commerzbank gab zum Auftakt einen Teil ihrer Vortagesgewinne wieder ab. Vorstandsmitglied Mehmet Dalman hatte gestern eine Kooperation bei dem Geschäft mit Fusionen und Übernahmen mit einem US-Investmenthaus angekündigt.
Weiter Flaute bei Thyssen
Die Aktie des Stahlkonzerns ThyssenKrupp gab zum Auftakt weiter nach, obwohl die Vereinbarung über ein Joint Venture mit der Angang Steel Co zur Herstellung von galvanisiertem Stahl von den chinesischen Behörden genehmigt worden ist. Die hatten sich am Montag um 2,1 Prozent verbilligt. Das Unternehmen hatte seine pessimistische Ertragsprognose bekräftigt.
Neuer Markt knickt ein
Die Technologieschwäche setzt dem Neuen Markt zu. Der Nemax 50 baute im frühen Handel seine Verluste auf 2,1 Prozent aus. Einer der wenigen Gewinner im Index war Kontron : Der Hersteller von Miniaturcomputern und integrierten Schaltkreisen will in diesem Jahr aus eigener Kraft um 40 Prozent wachsen. Die Aktie des Fusionspartners Jumptec gab dagegen nach.
Die Süss Microtec AG will ihre Wachstumspläne mit einer Kapitalerhöhung finanzieren. Der Aktienkurs sackte um mehr als zwölf Prozent auf 30,78 Euro und war Schlusslicht im Nemax 50. Am Vortag hatte das Unternehmen nach Börsenschluss die Geschäftszahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr veröffentlicht und dabei die selbst gesteckten Umsatzziele um 10 Prozent übertroffen.
Schwache Nasdaq erwartet
Auch der Internet-Auktionsdienst Ebay hat mit seinem Gewinn im vierten Quartal die Erwartungen übertroffen. Das Unternehmen teilte nach US-Börsenschluss für das vierte Quartal gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode einen um 8,7 Prozent höheren Gewinn mit. Es sei das beste Weihnachtsgeschäft seit Bestehen des Unternehmens gewesen. Dennoch fielen Ebay im nachbörslichen Handel bis zu sieben Prozent auf 59,41 Dollar, nachdem die Firma eine Verlangsamung der Werbe-Einnahmen vorausgesagt hatte.
Der Dow Jones war vor Veröffentlichung der Intel-Zahlen 0,1 Prozent leichter auf 9882 Punkten aus dem Handel gegangen. Der Nasdaq Composite hatte sich im späten Handel leicht erholt un war um 0,5 Prozent auf 2000 Zähler geklettert. Händler rechnen für heute Nachmittag jedoch mit einem schwächeren Auftakt an der Nasdaq.
Nikkei und Euro schwächer
Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Mittwoch erneut leichter geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte gab um 30,47 Punkte oder 0,3 Prozent nach und ging mit 10.177 Punkten aus dem Markt. Binnen weniger Tage hat der Nikkei damit mehr als 700 Punkte verloren. Der Euro gab leicht nach und notierte zuletzt mit 0,8809 Dollar.