Börse am Morgen Intershop stürzt ab
Frankfurt am Main Die deutschen Aktienmärkte sind nach schwachen Vorgaben der Wall Street mit Verlusten in den Tag gestartet. Vor den mit Spannung erwarteten Reden von US-Präsident Bush und Notenbankchef Greenspan hielten sich die Anleger zurück. Der Dax rutschte bis 9.37 Uhr um rund 1,5 Prozent auf 3530 Zähler ab. Die Wachstumswerte am Neuen Markt notierten ebenfalls schwächer. Der Nemax 50 fiel um rund ein Prozent auf 448 Zähler.
Besonders schwach entwickelten sich zunächst die Technologieaktien. Neben Infineon und T-Aktie , die jeweils mehr als zwei Prozent absanken, stach besonders die Aktie von Bauelementehersteller Epcos heraus, die mit einem Minus von 4,12 Prozent auf 12,80 Euro die mit Abstand schwächste Dax-Aktie bildete.
Hynix will weitermachen - schlecht für Infineon
Die Aktie von Infineon geriet nach Angaben von Händlern vermutlich deshalb unter Druck, weil der angeschlagene Konkurrent Hynix in Südkorea seinen Betrieb wohl fortsetzen wird. Die erhoffte Konsolidierung für den Chipmarkt lasse damit weiter auf sich warten. Im Plus hielten sich lediglich Spezialchemiewert Degussa und die Bayer -Aktie.
Die Deutsche Bank will im Zuge ihres Verkaufsprogramms offenbar auch die US-Leasingtochter Deutsche Financial Services (DFS) verkaufen. Der Abschluss der Verkaufsgespräche werde bereits in den kommenden Tagen erwartet, berichtet das "Handelsblatt" heute. Die DFS beschäftigt rund 1750 Mitarbeiter und betreut ein Finanzierungsvolumen von zwölf Milliarden Dollar. Die Aktie gab dennoch in einem schwachen Marktumfeld um 1,75 Prozent auf 61,70 Euro ab.
Auf der Verliererseite standen auch die Finanzwerte HypoVereinsbank und MLP die jeweils um rund zwei Prozent nachgaben.
Intershop-Aktie stürzt ab
Schlechte Nachrichten vermeldete am späten Mittwochabend der am Neuen Markt notierte Softwarehersteller Intershop . Das Unternehmen sieht sich auf Grund von hohen außerplanmäßigen Abschreibungen auf Vermögenswerte zu einer Reduzierung seines Kapitals veranlasst. Da das Eigenkapital die Hälfte des Grundkapitals unterschritten habe, werde eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, gab Intershop bekannt. Geplant sei eine Zusammenlegung von fünf alten gegen eine neue Inhaberstammaktie. Intershop wolle durch die Maßnahmen seine Bilanz stärken und seine finanzielle Flexibilität erhöhen, hieß es weiter. Die Aktie von Intershop stürzte um mehr als 40 Prozent auf schlappe 46 Cent ab.
Mobilcom: Die letzten Investoren steigen aus
Auch der Stern eines weiteren ehemaligen Stars am Neuen Markt scheint unterzugehen. Der Verwaltungsrat von France Télécom will heute Abend über die weitere Verfahrensweise mit Mobilcom entscheiden. Sollte sich der französische Konzern gegen eine weitere finanzielle Unterstützung der Büdelsdorfer aussprechen, dann müsste die im Nemax 50 notierte Mobilcom nach eigenen Angaben Insolvenz beantragen. Das Ergebnis der Sitzung wird France Télécom voraussichtlich am Freitagmorgen bekannt geben. Die Aktie setzte ihre Talfahrt am Morgen fort und stand gegen 9.25 Uhr mit fünf Prozent bei 1,90 Euro im Minus. Am Vortag hatte die Aktie in der Spitze mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren und war bis auf 1,41 Euro gefallen.
Völlig offen bleibt, ob die Franzosen ein Übernahmeangebot für Mobilcom abgeben werden. Nach einem unbestätigten Zeitungsbericht wird sich das Unternehmen in Abstimmung mit der französischen Regierung von der hochverschuldeten Mobilcom trennen.
In der Auseinandersetzung mit dem Großaktionär France Télécom hat Mobilcom nach Informationen des "Handelsblatts" das Bundeskanzleramt um Vermittlungshilfe gebeten. Es liefen Gespräche mit der französischen Regierung und mit France Télécom "auf der Arbeitsebene", zitiert die Zeitung in ihrer Donnerstagausgabe einen Regierungssprecher. Bei einer Insolvenz von Mobilcom sind rund 5000 Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet.
Die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Leitzinsen in der Euro-Zone nach einhelliger Einschätzung von Volkswirten bei ihrer heutigen (Donnerstag) Ratssitzung unverändert lassen. Die meisten Analysten rechnen sogar bis zum Jahresende mit einem unveränderten Schlüsselzins von 3,25 Prozent.
Die asiatische Leitbörse in Tokio ging etwas fester aus dem Handel. Der Nikkei gewann 15 Zähler auf 9415 Punkte hinzu: ein Plus von 0,2 Prozent.
Wall Street: Warten auf Greenspan und Bush
Wall Street: Warten auf Greenspan und Bush
Die amerikanischen Aktienmärkte haben am Mittwoch ihre frühen Zugewinne nicht gehalten. Nach "patriotischen Käufen", wie Händler in New York erklärten, schloss der Dow Jones 0,3 Prozent leichter auf 8581 Zähler. Der Nasdaq Composite rutschte um 0,4 Prozent auf 1315 Punkte ab. Marktbeobachter sprachen am Jahrestag der Terroranschläge von einer düsteren Stimmung an der Wall Street. Die New Yorker Börse liegt nur wenige Straßenzüge von "Ground Zero" entfernt, wo vor einem Jahr die Zwillingstürme des World Trade Center eingestürzt waren.
Zu der schwächeren Schlusstendenz an den Aktienmärkten hatte unter anderem das "Beige Book" beigetragen. Die amerikanische Notenbank (Fed) hatte am Abend (MESZ) bestätigt, was viele Unternehmer und Ökonomen längst befürchten: der Aufschwung der US-Wirtschaft stockt seit Ende Juli. In den Fabriken ziehe die Produktion nicht an, Unternehmen stellten weniger neue Arbeitskräfte ein als gehofft, heißt es im "Beige Book" der US-Notenbank. Es gibt einen Überblick über die regionale Entwicklung der Wirtschaft.
Beobachter werteten diesen Bericht als Hinweis, dass die Notenbank die Leitzinsen auf absehbare Zeit auf dem 40-Jahrestief von 1,75 Prozent belassen wird. Die nächste Fed-Sitzung ist am 24. September.
In Deutschland dürften sich die Investoren vor der mit Spannung erwarteten Rede von US-Notenbankchef Alan Greenspan (16 Uhr MESZ) und angesichts der schwachen Vorgaben zunächst zurückhalten.
Greenspan wird sich nach Einschätzung von Analysten bei seiner Anhörung vor dem Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses nicht als unverbesserlicher Konjunkturoptimist präsentieren. Um seine Glaubwürdigkeit zu untermauern, werde er die Märkte vielmehr zugleich auf weiter bestehende Risiken wie etwa die angespannte Lage am Arbeitsmarkt hinweisen.
"Greenspan wird versuchen, das Vertrauen an den Märkten in die Wirtschaft wieder herzustellen", sagt Anthony Chan, Chefvolkswirt bei Banc One Investment Advisors in Columbus. Bereits bei seiner letzten Anhörung vor dem Kongress im Juli hatte der Notenbank-Präsident die besorgten Investoren zu beruhigen versucht und den langfristigen Ausblick der US-Wirtschaft als eindrucksvoll bezeichnet.
Fast zeitgleich zu Greenspans Anhörung will US-Präsident George W. Bush in seiner ebenfalls mit Spannung erwartete Rede vor der Uno-Vollversammlung die Irak-Politik seiner Regierung erläutern.
Seither haben aber neue Bilanzsorgen und einige überraschend schwache Konjunkturdaten einer nachhaltigen Kurserholung an den Finanzmärkten entgegengestanden.