Börse am Morgen Kinowelt als Pennystock
Frankfurt am Main Nach den Verlusten in den USA und dem 17-Jahres-Tief in Tokio haben auch Dax (minus 0,8 Prozent) und Nemax 50 (minus 1,3 Prozent) schwächer eröffnet. Die Angst, der private Konsum als wichtigste Stütze der US-Konjunktur könnte wegbrechen, lastet auf den Märkten. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte ist an der Tokioter Börse erstmals seit Oktober 1984 unter die Marke von 11 000 Punkten gesunken.
Nullwachstum in USA erwartet
Heute nachmittag werden die revidierten US-Wachstumsdaten für das zweite Quartal bekannt gegeben. Volkswirte erwarten, dass der Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Jahresviertel von zunächst geschätzten plus 0,7 Prozent auf Null herunterkorrigiert wird. Einige Analysten halten sogar einen BIP-Rückgang für möglich.
Zumindest der Chipriese Intel gibt sich optimistisch. Intel rechnet trotz der Konjunkturschwäche mit einer wieder wachsenden Nachfrage. Der PC-Hersteller Gateway will durch Massenentlassungen (25 Prozent weltweit) seine Kosten in den Griff bekommen. Die Aktie zog an.
Warten auf EZB
Auch die Hoffnungen, dass die EZB am morgigen Donnerstag die Zinsen senkt, haben einen Dämpfer bekommen. Die Geldmenge M3, zu der Bargeldumlauf, Bankeinlagen und Geldmarktpapieren zählen, ist im Juli mit 6,4 Prozent überraschend stark gestiegen. Dennoch geht die Mehrheit der Analysten immer noch von einer Zinssenkung um 0,25 Prozent aus.
Bilanz bei T-Online
Kurz vor Beginn der Halbjahresbilanz-Konferenz legte die Aktie von T-Online 0,6 Prozent auf 8,35 Euro zu. Analysten rechnen mit wenig Überraschungen, da die wichtigsten Kenndaten bereits Anfang August bekannt gegeben worden waren. Danach machte der Internetanbieter im ersten Halbjahr 2001 zwar immer noch einen Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 123 Mio. Euro. Die Ertragslage habe sich im zweiten Quartal gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres aber um 14 Prozent verbessert. Der Internetzugang blieb mit einem Anteil von 85 Prozent die tragende Geschäftssäule für Europas Marktführer.
Technologie unter Druck, Old Economy gesucht
Zu den Verlierern im Dax gehörten am Mittwoch die Technologiewerte Epcos, Siemens und Infineon, die jeweils 2,5 Prozent nachgaben. Auch der Finanzdienstleister MLP ist erneut unter Druck und rutschte unter 70 Euro. Lediglich defensive Werte wie Thyssen, MAN und Lufthansa konnten zum Handelsauftakt leichte Gewinne verbuchen.
Die T-Aktie notierte am Mittwoch zur Eröffnung kaum verändert bei 17,50 Euro, nachdem der Titel nach der Halbjahresbilanz mit einem Minus von 3,7 Prozent aus dem Handel gegangen war. Telekom-Chef Ron Sommer räumte ein, dass bis Jahresende noch 170 Millionen Aktie zurückfließen könnten. Der Rückfluss an den Markt sei unter Kontrolle und die meisten Großinvestoren würden ihre Aktien langfristig halten. Die Telekom strebt in den Jahren 2001 bis 2004 ein durchschnittliches Wachstum des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 14 Prozent an.
Roche dementiert Angebot an Bayer
Die Aktie der Bayer AG notierte unverändert bei 35,81 Euro. Die Aktie war gestern von Gerüchten über ein Angebot der Roche Holding gestärkt worden, doch das Dementi kam prompt. Der Pharmakonzern Roche hat Gerüchte dementiert, er habe dem deutschen Unternehmen angeblich 20 Milliarden Dollar für dessen Pharmaabteilung angeboten.
Der Energiekonzern Eon erwägt nach Presseinformationen einen Einstieg in den finnischen Strommarkt. Wie das "Handelsblatt" in seiner Mittwochsausgabe mit Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, hat der Eon-Vorstand am Dienstagabend über ein finanzielles Engagement beim finnischen Stromversorger Espoon Sähkö beraten. Die Eon-Aktie gab am Mittwoch 0,2 Prozent nach und notierte bei 60,20 Euro.
Kinowelt als Pennystock
Die Aktien des einstigen Neue-Markt-Lieblings Kinowelt Medien AG fielen zum Auftakt um mehr als 17 Prozent und notierten nur noch bei 90 Cent. Nach Gerüchten soll das Unternehmen kurz vor der Insolvenz stehen. Einige Banken hätten die Absicht, einen Kredit in Höhe von 60 Millionen Euro platzen zu lassen, berichtete die "Netzeitung" unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise.
Bilanz beflügelt AWD
Beim Finanzdienstleister AWD Holding erwarten Analysten im ersten Halbjahr nahezu eine Ertragsverdoppelung. Das im MDax notierte Unternehmen, das im Oktober 2000 an die Börse kam, legt den Halbjahresausweis an diesem Mittwoch vor. Der unabhängige Finanzdienstleister will seinen Umsatz um über 20 Prozent und das Vorsteuerergebnis um mindestens 30 Prozent erhöhen. Die Aktie legte zum Handelsstart mehr als sechs Prozent auf 33 Euro zu und war Spitzenreiter im MDax.
Rupf vor Rücktritt
Die Aktionäre der krisengeschüttelten Bankgesellschaft Berlin treffen sich heute zur Hauptvorsammlung. Vorstandschef Wolfgang Rupf hat seinen Rücktritt angeboten. Rupf habe die Sanierung der Bankgesellschaft nicht ausreichend vorangetrieben und selber angeboten, seine Rolle als Vorstandsvorsitzender zur Verfügung zu stellen, teilte der Berliner Senat mit.
Euro über 91 Cent
Nach dem überraschenden Rückgang des US-Verbrauchervertrauens im August hat der Euro am Mittwoch Morgen zugelegt. Sollten nun auch noch die am Nachmittag anstehenden revidierten US-Wachstumsdaten für das zweite Quartal schlechter als erwartet ausfallen, wäre dies ein schwerer Schlag für die US-Währung, sagten Händler. Zuletzt kostete ein Euro 0,914 Dollar.