Börse am Morgen Lufthansa fliegt davon
Frankfurt am Main Nach den kräftigen Gewinnen von mehr als fünf Prozent am Donnerstag pendelte der Dax am Freitag um seinen Vortagesschluss. Gegen 9.40 Uhr notierte der Index mit 0,3 Prozent auf 2742 Zähler im Plus. Am Neuen Markt präsentierte sich der Nemax 50 rund ein halbes Prozent leichter, er stand bei 333 Punkten.
Aktienhändler Michael Kuhlow von der Schweizer Privatbank Julius Bär warnte nach der Rallye vor allzu großer Euphorie. Wegen des unveränderten Kriegsrisikos im Irak seien weitere Verkäufe zu erwarten. "Ich kann mir vorstellen, dass viele ihre Positionen noch vor dem Wochenende glatt stellen".
Im Fokus standen zunächst die Aktien der Lufthansa , die um über sieben Prozent auf 9,45 Euro anzogen. Lufthansa-Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley hat die bisherige Prognose für den operativen Gewinn anlässlich des Geschäftsverlaufes ersten neun Monate als möglicherweise zu niedrig bezeichnet. Anfang August hatte der Finanzvorstand einen operativen Gewinn von rund 500 Millionen Euro prognostiziert. 2002 werde wohl auch wieder eine Dividende gezahlt werden.
Bankenwerte wie die Aktien der HypoVereinsbank und der Deutschen Bank verloren moderat um rund ein Prozent. Beide Werte zählten am Vortag, zusammen mit den Papieren der Commerzbank, zu den stärksten Titeln im Dax. Bei der Commerzbank hielt der Aufwärtstrend an. Nach Gewinnen von 16 Prozent am Vortag kletterte die Aktie um 1,70 Prozent auf 6,90 Euro.
Siemens -Aktien haben am Freitag zunächst rund ein Prozent zugelegt auf 35,30 Euro. Morgan Stanley Dean Witter senkte Händlern zufolge das Kursziel für den Titel des Elektronik-Konzerns von 55 auf 39 Euro. Zugleich bestätigten sie die Aktie mit "equal-weight". Epcos , SAP und Infineon kletterten zunächst zwischen vier und rund einem Prozent.
Die Deutsche Telekom wird ihren neuen Vorstandschef erst im Dezember präsentieren berichtet die "FAZ" unter Berufung auf Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus. Derzeit führe er zusammen mit Interims-Vorstandsvorsitzenden Helmut Sihler intensive Gespräche mit Kandidaten für das Amt, sagte Winkhaus. Die Suche nach einem neuen Vorstandschef laufe europaweit. Kandidaten seien bislang nicht abgesprungen, ergänzte Winkhaus.
Von den Vorständen der Dax-Konzerne kommt indes nach Informationen der "Börsen-Zeitung" (BöZ) keiner für den Chefsessel bei der Telekom in Frage Nach Ansicht des Telekom-Aufsichtsrats habe keine das geeignete Profil, um den Konzern zu führen, berichtet das Blatt am Freitag aus zuverlässiger Quelle. Auch an Thomas Middelhoff als möglichem Nachfolger von Ron Sommer sei nichts dran. Den internen Kandidaten Karl-Gerhard Eick und Kai-Uwe Ricke sei signalisiert worden, sie stünden "im Wettbewerb" mit Bewerbern von außen. Diese, berichtet auch die "Börsen-Zeitung", werden auch oder überwiegend im Ausland gesucht. Die Aktie der Telekom notierte am Freitag zu Handelsbeginn leicht im Plus auf 9,73 Euro. Der Wert hatte am Vortag mehr als neun Prozent zugelegt.
Die feste Tendenz am Morgen überraschte ein wenig, hatten doch Händler mit Gewinnmitnahmen gerechnet. Auch an der Wall Street gab es skeptische Stimmen. Hier schloss der Dow 3,4 Prozent fester auf 7533 Punkte. Der Nasdaq Composite rückte um 4,4 Prozent auf 1163 Stellen vor. Es gebe aber Zweifel, ob die Kursgewinne von Bestand sind.
"Der Pessimismus ist derzeit ebenso stark wie der Optimismus vor zweieinhalb Jahren", merkte ein Marktteilnehmer an. Der S&P-Index befinde sich im schlimmsten Bärenmarkt seit der Zeit von 1929 bis 1932, "und die wichtigste Frage nach dieser Short-Covering-Rally sei nun: Sind die Kursgewinne nachhaltig oder wird das nur eine neue Bärenmarkt-Rallye?"
Die Antwort hänge von den Unternehmensergebnissen ab. Sollten diese die Prognosen überwiegend übertreffen, könnte das die Rallye auf sichere Füße stellen, sagte der Händler.
Erste Hinweise darauf wird heute mit dem General Electric (GE) einer der weltgrößten Konzerne geben. Bei GE erwarten Analysten im dritten Quartal 2002 durchschnittlich einen Gewinn pro Aktie (EPS) von 0,40 Dollar. Dies ergab eine Umfrage des Instituts First Call/Thomson Financial. Das Unternehmen heute vor Handelsbeginn der Wall Street seine Zahlen vorlegen.
GE-Finanzchef Keith hatte auf einer Analystenkonferenz vor einer Woche für das dritte Quartal einen Nettogewinn von 4,1 Milliarden Dollar und ein EPS von 0,41 Dollar angekündigt, nach 0,33 Dollar ein Jahr zuvor. Beim Umsatz rechnet GE im dritten Quartal mit einer Steigerung zum Vorjahr um 6 bis 8 Prozent auf 32 Milliarden Dollar.
Vor drei Monaten hatte GE noch einen Zuwachs beim Überschussvon 20 bis 25 Prozent erwartet. Der Umsatz sollte um 8 bis 10 Prozent steigen, hatte GE im Juli berichtet.
Nach den Ausführungen Sherins senkten einige Analysten ihre Erwartungen, obwohl Sherin am EPS-Ziel von 0,41 Dollar festhielt. Sein Ausblick habe enthüllt, dass das zyklische Geschäft zwar expandiere, aber die Wachstumsrate niedriger werde.
Am Freitag stand die Aktie zeitweilig stark unter Druck. Mehrere Analysten hatten ihre Prognosen für GE gesenkt. Nachdem der Kurs im frühen Geschäft auf ein Fünf-Jahres-Tief bei 21,40 Dollar gefallen war, schlossen die Papiere mit einem Plus von 2,7 Prozent auf 22,60 Dollar.
Von zentraler Bedeutung für den Handel in Frankfurt und New York dürften heute auch neue Konjunkturdaten sein. Die Universität Michigan legt den Index der Verbraucherstimmung für den Monat Oktober vor. Experten rechnen damit, dass die vorläufigen Daten von aktuell 86,1 auf 85,5 Punkte fallen werden. Zuvor war der Index viermal in Folge gefallen. Der Index ist deshalb so wichtig, weil er Aufschluss über das Konsumentenverhalten gibt, das zwei Drittel des US-Sozialproduktes ausmacht. Noch vor Handelsbeginn erwarten die Börsianer die Erzeugerpreise für den Monat September.
Wenig Hoffnung machte vor dem Hintergrund neuer Konjunkturdaten dabei der Blick auf Einzelhandelssektor, dessen Titel nach der Veröffentlichung schwacher September-Umsätze teilweise deutliche Kurseinbußen verzeichneten. Kohl's büßten mehr als neun Prozent ein. Talbots stürzten gar um 21 Prozent ab. Aus der Reihe tanzte dagegen Wal-Mart mit einem Umsatzplus für September von 3,3 Prozent. Die Anleger schickten die Titel daraufhin um 1,8 Prozent nach oben.
Unter den Einzelwerten schossen Yahoo sowzusagen den Vogel ab. Die Aktie stieg um 23 Prozent auf 12,27 Dollar. Der Internet-Portal-Betreiber hatte gute Zahlen und einen guten Ausblick am Vorabend nach Börsenschluss vorgelegt. Merrill Lynch, Prudential aber auch die Deutsche Bank stuften die Aktie darauf auf Kaufen hoch. Auch andere Technologiewerte zeigten sich von ihrer besten Seite: Intel verbesserten sich um 5,4 Prozent SBC Communications um 4,4 Prozent.
Nach Börsenschluss hatte der zweitgrößte Internetausrüster Juniper Networks seine Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt und erwartungsgemäß einen Verlust von zwei Cent je Aktie ausgewiesen nach einem Gewinn von zehn Cent im Vorjahr. Die Aktien des Unternehmen haben nachbörslich ihre Gewinne aus dem regulären Handel trotz leicht enttäuschender Quartalszahlen sogar ausgebaut.