Börse am Morgen: Lufthansa im Steigflug - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Lufthansa im Steigflug

Dank guter Unternehmensnachrichten haben die deutschen Aktienmärkte ihre Verluste begrenzen können. Lufthansa und Metro gewinnen deutlich. Am Neuen Markt überrascht der frühere Börsenstar Intershop positiv.
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Frankfurt am Main - Nach einer schwachen Eröffnung hat sich der Dax bis 9.30 Uhr wieder an die Vortagesschlusslinie herangearbeitet und notierte nahezu unverändert auf 3877 Punkten. Mit einem leichten Abschlag von 0,1 Prozent präsentierte sich der MDax auf 3459 Punkten. Am Neuen Markt notierte der Nemax 50 auf 556 Zählern, ein Minus von 0,4 Prozent.

Gute Unternehmensnachrichten haben die Kurse im frühen Handel gestützt. Ein leichter Dämpfer kam dagegen von der Konjunkturfront. Der deutsche Einzelhandelsumsatz ging sowohl im Juni als auch im ersten Halbjahr 2002 zurück.

Richtungsweisend für den weiteren Handelsverlauf werden die am Nachmittag anstehenden Konjunkturdaten aus den USA sein. Vor Eröffnung der Wall Street erwarten die Händler die Zahlen zum US-Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal und die Zahlen zum Service-Index der US-Einkaufsmanager (NAPM) für den Monat Juli. Nach Handelsaufnahme steht der Chicago-Einkaufsmanagerindex für Juli an, zudem veröffentlicht die US-Notenbank (um 20 Uhr MESZ) ihr Beige Book. Von den Zahlen erhoffen sich die Marktteilnehmer Aufschluss über die konjunkturelle Situation der weltgrößten Volkswirtschaft.

Lufthansa hebt Prognosen an

Die Aktie der Lufthansa   stürmte im frühen Handel mit einem Plus von 3,4 Prozent auf 12,36 Euro nach oben. Das Unternehmen rechnet mit einem deutlich höheren operativen Gewinn als noch vor gut einem Monat bei der Hauptversammlung angekündigt worden war. Damals war für dieses Jahr von einem operativen Ergebnis von 400 Millionen die Rede gewesen. "Wenn heute Hauptversammlung wäre, dann würden wir eher 500 Millionen Euro sagen", betonte Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Mit einem Kursaufschlag von 3,1 Prozent auf 26,70 Euro präsentierte sich auch die Aktie von Metro   sehr fest. Der weltweit fünftgrößte Einzelhandelskonzern hat bei steigendem Umsatz weniger verdient als im Jahr zuvor. Gleichzeitig bestätigte der Konzern jedoch seine Prognose für das Gesamtjahr. Nach wie vor erwartet Metro ein Wachstum beim Gewinn je Aktie (EPS) von rund zehn Prozent. Einige Analysten hatten auf Grund der anhaltenden Konjunkturschwäche mit einer Korrektur der bislang abgegebenen Schätzungen des Konzerns gerechnet. Der Umsatz soll im Gesamtjahr unter Berücksichtigung von Währungseffekten um 5,5 bis sechs Prozent zulegen. Damit präzisierte Metro seine Umsatzprognose.

Rückzahlungen belasten die Post

Die "Aktie Gelb" notierte auf 10,49 Euro, ein Minus von zwei Prozent. Die Halbjahresbilanz der Deutschen Post   wird durch die anstehende Rückzahlung von insgesamt 850 Millionen Euro schwer belastet. Der Konzerngewinn liege nach den ersten sechs Monaten 2002 bei nur noch 155 Millionen Euro, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Im Vorjahr war noch gut eine Milliarde Euro erwirtschaftet worden. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen ging im Halbjahr um sechs Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zurück. Der Umsatz stieg um mehr als 15 Prozent auf 19,4 Milliarden Euro. Die EU-Kommission hatte die Post zur Rückzahlung von 572 Millionen Euro plus aufgelaufener Zinsen als unerlaubte Staatsbeihilfen verpflichtet.

In Erwartung eines weiterhin schwachen Geschäftes und eines deutlichen Quartalsverlustes hat der Münchener Hersteller von elektronischen Bauelementen Epcos   die Streichung von weiteren 300 Stellen in Europa für das Jahr 2003 angekündigt. Bislang hatte die Siemens-Tochter den Abbau von 1000 Arbeitsplätzen angekündigt, davon 800 in Deutschland. Wie das Unternehmen am Mittwoch in mitteilte, sollen in dem Anfang Oktober beginnenden Geschäftsjahres 2003 zudem noch "einmal ähnliche Kostenverbesserungen" wie im laufenden Geschäftsjahr erreicht werden. Bisher hat Epcos nach eigenen Angaben Einsparung von rund 160 Millionen Euro für 2002 erzielt. Die Börse reagierte auf die Ankündigung mit einem Abschlag von 2,5 Prozent auf 19,12 Euro.

Schwarz Pharma nach Zahlen im Plus

Im MDax stieg die Aktie von Schwarz Pharma   um über vier Prozent auf 15,52 Euro. Bereits vor Börseneröffnung hat der Arzneimittel-Hersteller seine Halbjahreszahlen veröffentlicht. Der Überschuss ist auf 9,4 Millionen Euro gefallen nach 36,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, teilte das im MDax notierte Unternehmen mit. Für das Gesamtjahr zeigte sich das Unternehmen weiter zuversichtlich. Der Umsatz stieg in den ersten sechs Monaten von 382,1 auf 403,1 Millionen Euro und damit um 5,5 Prozent. In den Regionen sei die Entwicklung recht unterschiedlich ausgefallen, hieß es. In Deutschland steigerte Schwarz Pharma seinen Umsatz um knapp elf Prozent. Das Ergebnis nach Steuern und Zinsen (Ebit) sank von 17,5 auf 8,5 Millionen Euro. Das Ergebnis nach Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) reduzierte sich von 47,8 auf 35,7 Millionen Euro.

Am Neuen Markt führte die Aktie von Intershop   die Gewinnerliste im Nemax 50 an. Das Papier verteuerte sich um über zwölf Prozent auf ein Euro. Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres ist der Verlust auf 5,8 Millionen Euro gesenkt worden, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Der Nettoverlust sei damit im Vergleich zu den ersten drei Monaten 2002 mehr als halbiert worden. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Krise der Softwareindustrie stagnierte der Quartalsumsatz mit rund zwölf Millionen Euro. Nach Firmenangaben ist Intershop mit nur noch rund 500 Beschäftigtem "auf dem Weg in die Gewinnzone".

US-Börsen schließen uneinheitlich, Gewinnmitnahmen in Tokio, Euro notiert schwächer

US-Börsen schließen uneinheitlich

Trotz unerwartet schwacher Zahlen zum US-Verbrauchervertrauen und Gewinnmitnahmen haben die sich US-Börsen am Dienstag behauptet. Der Dow Jones ging mit einem Minus von 0,4 Prozent auf 8680 Punkten aus dem Handel. Das Tagestief hatte bei 8540 Zählern gelegen. Der Nasdaq gewann 0,7 Prozent auf 1344 Punkte. Die Finanztitel, die am Vortag kräftig gewonnen hatten, wurden anfangs von der Befragung der ehemaligen und aktiven Mitarbeitern von Merrill Lynch   durch den US-Kongressausschuss belastet. Dabei geht es um die mögliche Verstrickung der Führungskräfte der Investmentbank in den Enron-Skandal.

Merrill-Lynch-Papiere, die zunächst verloren hatten, kletterten zum Schluss um 0,7 Prozent auf 36,50 Dollar. Papiere von American Express  , die zunächst ebenfalls auf der Verliererseite gestanden hatten, legten zuletzt um 1,3 Prozent auf 33,92 Dollar zu. Die Titel von J.P. Morgan Chase   notierten mit einem Minus von 0,8 Prozent auf 24,89 Dollar. Die Citigroup-Aktien   legten um 1,9 Prozent auf 33,95 Dollar zu.

Qwest weiter auf Talfahrt

Die Papiere der wegen ihrer Bilanzpraktiken ins Zwielicht geratenen Telefongesellschaft Qwest   gaben am Dienstag 13,4 Prozent auf 1,29 Dollar nach. Belastend für den Telekomsektor wirkte sich Händlern zufolge auch die Abstufung der Kreditwürdigkeit des US-Faseroptik- und Kabelherstellers Corning   durch die Rating-Agenturen Moody's und Standard & Poor's aus. Corning-Aktien gaben um 21,6 Prozent auf 2,47 Dollar nach.

Der US-Mineralölkonzern Chevron Texaco hatte am Dienstag mit seinen Quartalszahlen die Markterwartungen enttäuscht. Der operative Gewinn im zweiten Quartal sank von 2,144 Milliarden auf 1,233 Milliarden Dollar. Der Umsatz gab von 29,7 Milliarden auf 25,3 Milliarden Dollar nach. Der Aktienkurs des Unternehmens büßte 1,9 Prozent auf 73,00 Dollar ein. Zeitweise war der Kurs bis auf 71,53 Dollar gefallen.

AT&T-   und AOL-Time-Warner-Aktien   legten zu. AT&T-Papiere stiegen um 2,7 Prozent auf zehn Dollar. Die Titel von AOL legten um 7,1 Prozent auf 12,40 Dollar zu. Das Telekom- und das Medienunternehmen haben die Vorbereitungen für den Börsengang der gemeinsamen Tochter Time Warner Entertainment (TWE) ausgesetzt. Die Papiere des Computerherstellers Hewlett Packard   hielten sich bis Börsenschluss mit weitem Abstand zu den anderen Gewinnern des Dow im Plus. Sie legten zuletzt 6,8 Prozent auf 13,86 Dollar zu.

Gewinnmitnahmen in Tokio

Die Börse in Tokio hat am Mittwoch in Folge von Gewinnmitnahmen schwach geschlossen. Nach den kräftigen Aufschlägen des Vortags von mehr als 330 Punkten sank der Nikkei-225-Index für 225 führende Werte wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten. Zum Handelsschluss wies das Börsenbarometer ein Minus von 125,78 Punkten oder 1,3 Prozent bei 9877 Punkten aus. Der breit angelegte Topix sank um 9,96 Punkte oder ein Prozent auf 965 Zähler.

Euro etwas schwächer

Die europäische Gemeinschaftswährung kostete um 9.05 Uhr 0,9808 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs bei 0,9835 (Montag: 0,9821) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,0168 (1,0182) Euro.

Aus den USA werde eine Abschwächung der annualisierten Jahresrate beim Wirtschaftswachstum erwartet, schreibt die Privatbank HSBC Trinkaus & Burkhardt. Sollten auch keine Anzeichen für eine Stabilisierung bei den US-Investitionen erkennbar sein, dürften die Auswirkungen auf die Konjunkturperspektiven negativ sein. Der Euro könne dann wieder an Stärke gewinnen. Ansonsten drohe ein Rückschlag bis nahe der Marke von 0,97 Dollar, schreiben die Volkswirte der HSBC.