Börse am Morgen: Microsoft macht Front gegen SAP - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Microsoft macht Front gegen SAP

Dax und Nemax tauchen ab. SAP gibt deutlich nach, nachdem Microsoft die Übernahme eines SAP-Konkurrenten bekannt gegeben hat. BMW trotzt dem Trend und legt nach guten Zahlen zu.
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Frankfurt am Main - Die massiven Kursverluste in New York haben auch an den deutschen Börsen den Handelsauftakt gründlich verhagelt. Der Dax gab in den ersten Handelsminuten um 1,2 Prozent auf 4824 Punkte nach. Am Neuen Markt rutschte der Nemax 50 um weitere 1,6 Prozent auf 784 Zähler.

Vor allem die schlechten Nachrichten zum PC-Hardware-Bereich sowie die deutlichen Verluste von Intel   und IBM belasteten Technologiewerte wie Epcos   , Siemens   und Infineon   . Die Investmentbank JP Morgan hat ihre Erwartungen für den PC-Absatz drastisch zurückgeschraubt und damit die Branche belastet. Der Technologieindex Nasdaq Composite hat die wichtige Unterstützungsmarke bei 1600 Punkten nach unten durchschlagen und notiert in der Nähe eines Sieben-Monats-Tiefs.

Potenzielle Käufer warten ab. Vor der heutigen Sitzung der US-Notenbank Fed rechnet kaum ein Marktteilnehmer damit, dass Alan Greenspan bereits jetzt die Zinsen erhöht. Entscheidend wird jedoch der anschließende Kommentar des Notenbankchefs sein - für Börsianer ein Grund mehr, sich erst einmal mit Engagements zurück zu halten. An den Märkten überwiegt weiterhin die Enttäuschung über die durchwachsenen Quartalsergebnisse und die Unsicherheit über den weiteren Konjunkturverlauf. Erst nach Börsenschluss in den USA legt der Netzwerkausrüster Cisco Systems Zahlen vor.

Microsoft kauft Navision: SAP gibt nach

Zu den größten Verlierern gehörte zum Auftakt der Softwarehersteller SAP   , der mehr als drei Prozent nachgab. Der US-Konzern Microsoft   gab bekannt, dass er den dänischen SAP-Konkurrenten Navision übernehmen wolle. Ein Angebot liegt bereits vor. Anleger befürchten nun einen schärferen Wettbewerb zwischen SAP und Microsoft in den USA.

BMW steigert Umsatz und Ergebnis

Zumindest der Autobauer BMW   konnte sich zum Auftakt den schwachen Vorgaben entgegen stemmen und gehörte gemeinsam mit MAN   und Preussag   zu den wenigen Gewinnern im Dax. BMW hat seinen Umsatz im ersten Quartal um 14 Prozent auf 10,8 Milliarden Euro gesteigert und damit die Erwartungen der Analysten übertroffen. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit sei bereinigt um einen Sondereffekt um 5,9 Prozent auf 955 Millionen Euro gestiegen. Vor allem der neue Mini habe zu dem Erfolg im ersten Quartal beigetragen. Erstmals bestehe 2002 die Chance, mehr als eine Million Autos der Marken BMW und MINI zu verkaufen, sagte Joachim Milberg. Der BMW-Chef übergibt zur Hauptversammlung in der kommenden Woche (16. Mai) die Konzernleitung an den bisherigen Finanzvorstand Helmut Panke.

T-Aktie bleibt unter Druck

Der Aktie der Deutschen Telekom   dürfte es zunächst wenig nützen, dass die Telecom Italia mit ihren Zahlen die Erwartungen übertroffen hatte. Die T-Aktie hatte am Montag unverändert auf 12,80 Euro geschlossen und rutschte am Dienstag um weitere 0,7 Prozent auf 12,71 Euro. Bei ihrem Börsengang im November 1998 hatten Frühzeichner für die T-Aktie umgerechnet rund 14,32 Euro bezahlt. Der Emissionspreis hatte bei 14,57 Euro gelegen. Anfang 2000 erreichte die Volksaktie mit einem Kurswert von 102,90 Euro ihren Höchststand.

Der Bauelemente-Hersteller Epcos   gehörte gemeinsam mit SAP   zu den größten Verlierern im Index. Auch Epcos hatte gestern zugelegt und erhält nun erneut einen Dämpfer.

ConSors und Qiagen mit Zahlen

Auch am Neuen Markt steht ein weiterer trüber Tag bevor. Der Nemax 50 verabschiedete sich gleich zu Handelsbeginn am Dienstag mit einem Verlust von mehr als zwei Prozent und notiert unterdessen unter 780 Punkten.

Einziger Lichtblick: Das im Nemax 50 notierte Biotech-Schwergewicht Qiagen   konnte zumindest Umsatz und Gewinn im ersten Quartal steigern. Dagegen wies der Online-Broker ConSors   für das erste Quartal je Aktie einen Verlust von 0,28 Euro gegenüber 0,33 Euro im Vorjahr aus. Der operative Gewinn ist im ersten Quartal weiter gefallen. Beide Aktien legten gegen den schwachen Trend am Markt zunächst leicht zu.

Wall Street: Anleger verlieren die Nerven

Der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte baute am Montag im späten Handel seine Verluste deutlich aus und schloss knapp 200 Punkte (zwei Prozent) schwächer bei 9809 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Composite gab 2,1 Prozent auf 1578 Punkte nach - das ist der niedrigste Schlussstand seit fast sieben Monaten. Damit ist auch die wichtige Unterstützung bei 1600 Punkten durchbrochen. Die Zahl der Kursverlierer war mehr als doppelt so hoch wie die der Gewinner.

JP Morgan pessimistisch für PC-Absatz: IBM bricht ein

Im Dow Jones waren lediglich defensive Konsumtitel gefragt: So legten die Aktien von Procter& Gamble sowie Phillip Morris leicht zu. Größter Verlierer mit einem Minus von mehr als sieben Prozent auf 76 Dollar war die Aktien des Computerherstellers IBM   , der unter einer pessimistischen Einschätzung der Hardwarebranche durch das Investmenthaus JP Morgan zu leiden hatte. Die Analysten gehen nun davon aus, dass der PC-Absatz um sechs Prozent zurückgehen wird, nachdem sie sich zuvor noch ein Minus von drei Prozent ausgemalt hatten.

Auch die Aktien des weltgrößten Chipherstellers Intel   verloren daraufhin knapp drei Prozent. Vorstandschef Craig Barrett hatte erklärt, er rechne kurzfristig nicht mit einer spürbaren Erholung des Chipsektors. Gleichzeitig bestätigte das Unternehmen die Prognosen für das zweite Quartal, laut denen Intel einen Umsatz auf dem Niveau des Vorquartals erwartet. Ebenfalls durch eine Abwertung gerieten die Aktien des Intel-Konkurrenten und Chipherstellers Advanced Micro Devices unter Druck.

Der Ölkonzern Exxon gaben 3,3 Prozent auf 39,25 Dollar ab. Auf den Titel des Ölunternehmens drückten die fallenden Ölpreise in Folge der angekündigten Wiederaufnahme der irakischen Ölexporte.

AT&T klagt: Kurseinbruch bei Qwest

Aktien von AT&T Corp. gaben 1,2 Prozent nach. Das Unternehmen hatte zuvor mitgeteilt, seinen Konkurrenten Qwest Communications wegen angeblicher Verstöße gegen Fusionsauflagen bei der US-Aufsichtsbehörde Federal Communications Commission (FCC) angezeigt zu haben. Qwest-Aktien brachen darauf hin ein.

Guter Start für Hewlett Packard/Compaq

Die Aktien der frisch fusionierten Computerhersteller Hewlett-Packard und Compaq , die erstmals mit dem neuen Börsenkürzel "HPQ.NYS" an den Start gingen, legten um bis Börsenschluss 4,47 Prozent auf 18,22 Dollar zu. HP hatte am Freitag nach Börsenschluss den Kauf der Compaq Computer Corp. abgeschlossen. Dem 18,4 Milliarden Dollar teuren und damit weltweit größten Zusammenschluss in der Computerbranche waren monatelange erbitterte Auseinandersetzungen mit dem Großaktionär Walter Hewlett voraus gegangen.

Cisco unter Druck

Auch bei den Anlegern von Cisco Systems überwiegt der Pessimismus. Cisco verloren einen Tag vor Veröffentlichung der Zahlen knapp zwei Prozent auf 12,89 Dollar. Die Anteilsscheine des Software-Herstellers Oracle rutschten um 2,4 Prozent. Aktien des Softwareherstellers BEA Systems verloren 7,6 Prozent auf 9,16 Dollar. Selbst die Nachricht, dass das Unternehmen mit dem Verteidigungskonzern Lockheed Technologie-Systeme für US-Bundesbehörden vermarkten wird, konnte den Kurs nicht stützen.

Euro klettert weiter

Kursrutsch in Tokio - Euro sehr fest

Die Börse in Tokio ist bereits den schwachen Vorgaben der Wall Street gefolgt. Der Nikkei-Index gab 234 Punkte (zwei Prozent) auf 11316 Punkte nach. Auch hier gerieten Technologie-Titel unter die Räder. Der Euro kletterte dagegen am Dienstag Morgen weiter und notierte knapp unter 92 US-Cent. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Vortag den Referenzkurs bei 0,9144 Dollar festgesetzt. Händler sagten, bis zu einer Erholung an den Börsen müsse noch viel heiße Luft aus dem Dollar entweichen: Angesichts des Handelsbilanzdefizits in den USA sei die Klettertour des Euro an den Devisenmärkten folgerichtig.