Börse am Morgen: MLP an der Spitze - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börse am Morgen MLP an der Spitze

Die deutschen Aktien starten mit kräftigen Kursgewinnen in den Tag. Finanzwerte sind in Erwartung einer US-Zinssenkung weiter gefragt. Lufthansa steigen nach überraschend guten Zahlen deutlich an, bei BMW nehmen Anleger dagegen Gewinne mit.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte sind nach festen Vorgaben der Wall Street und einer ganzen Reihe guter Geschäftszahlen von Dax-Konzernen mit kräftigen Zugewinnen in den Handelstag gestartet. Der Dax gewann zunächst 1,7 Prozent auf 3407 Zähler hinzu. Am Neuen Markt kletterte der Nemax 50 um 1,4 Prozent auf 459 Punkte.

"Die Vorgaben aus den USA waren sehr gut und auch das Wahlergebnis in den USA wird positiv aufgenommen, was man an den steigenden Futures ablesen kann", sagte ein deutscher Aktienhändler. Das werde auch dem Markt in Frankfurt helfen. Bei den Kongresswahlen in den USA haben die Republikaner von Präsident George W. Bush ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verteidigt und die Mehrheit im Senat gewonnen.

Im Mittelpunkt des Handels standen nach Vorlage von Quartalszahlen zunächst die Aktien von BMW   und der Lufthansa   stehen.

Der Münchener Autobauer BMW   hat im dritten Quartal Umsatz und Gewinn im Vergleich zum Vorjahr gesteigert und damit die Erwartungen der Analysten erfüllt. Wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte, stieg der Umsatz zwischen Juli und September im Jahresvergleich um 19 Prozent auf 9,971 Milliarden Euro. Vor Steuern verdiente der Autobauer im dritten Quartal 689 Millionen Euro - ein Plus von 1,5 Prozent gegenüber dem Vergleichzeitraum des Vorjahres. Unter dem Strich blieben BMW im Berichtszeitraum 433 Millionen Euro und damit 11,6 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Nach Gewinnmitnahmen gab die Aktie leicht ab und notierte bei 36,60 Euro.

Die Lufthansa   hat ihr Ergebnis in den ersten neun Monaten 2002 deutlich gesteigert. Der operative Konzern-Gewinn stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 500 Millionen auf 790 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Unter dem Strich blieben nach Abzug der Steuern 344 Millionen Euro Gewinn. Das sind 279 Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum. Bisher hatte die Lufthansa für das gesamte Jahr 2002 einen operativen Gewinn von 500 Millionen Euro erwartet. Die Aktie der Fluglinie stieg am Morgen zunächst um mehr als vier Prozent auf 13,32 Euro.

Die Finanzwerte im Dax konnten in Erwartung der einer Zinssenkung durch die US-Notenbank weiter zulegen. Die Aktien der zuletzt gebeutelten Commerzbank   setzten sich mit plus 5,6 Prozent an die DAX-Spitze und kosteten 8,66 Euro - trotz einer Herabstufung durch die Deutsche Bank von "Hold" auf "Sell". Deutsche Bank   standen 3,72 Prozent im Plus bei 51,34 Euro. HypoVereinsbank   gewannen 5,08 Prozent auf 16,14 Euro.

Der Sportartikelhersteller Puma   hat bereits nach neun Monaten seine Gewinnziele für das Gesamtjahr erreicht. Der Vorsteuergewinn lag Ende September bei 105,8 Millionen Euro, das waren 125 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz stieg von Januar bis September um knapp 54 Prozent auf 730,6 Millionen Euro. Im dritten Quartal sei mit 292 Millionen Euro der bisher höchste Quartalsumsatz in der Firmengeschichte erreicht worden, teilte das Unternehmen mit. Der Gewinn je Aktie verdoppelte sich im abgelaufenen Quartal fast. Er stieg von 1,13 Euro vor einem Jahr auf 2,16 Euro. Die im MDax notierte Aktie zog zunächst um 4,50 Prozent auf knapp 72 Euro an.

Der ebenfalls im MDax notierte Arzneimittelhersteller Schwarz Pharma   erwartet im Geschäftsjahr 2002 einem zweistelligen Gewinnwachstum. Der Überschuss werde eine "mit einer deutlich zweistelligen Prozentrate" über dem Vorjahresergebnis von 16,1 Millionen Euro liegen, teilte das Unernehmen heute morgen mit. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres steigerte Schwarz Pharma das Konzernergebnis um bereinigt 7,6 Prozent auf 15,1 Millionen Euro oder 0,34 Euro je Aktie. Der Umsatz erhöhte sich um 4,3 Prozent auf 590,8 Millionen Euro. Die Aktie zog zunächst um 1,51 Prozent auf 28,93 Euro an.

Am Neuen Markt zogen MobilCom   um mehr als acht Prozent auf 4,77 Euro an. MobilCom will sich am Mittwochvormittag über seine Liquiditätslage äußern. Eine Einigung mit der Bundesregierung über den Treuhänder, der die Anteile von Unternehmensgründer Gerhard Schmid verwaltet, war am Dienstag nicht zu Stande gekommen.

Bei Aixtron   rechnen Experten indes mit schwachen Geschäftszahlen. Der Anlagenhersteller für die Halbleiterindustrie hat seinen Negativtrend nach Einschätzung von Analysten auch im dritten Quartal nicht stoppen können. Von Juli bis September musste das Unternehmen demnach erneut einen deutlichen Einbruch bei seinen Umsatz- und Gewinnzahlen verzeichnen. Bereits nach dem ersten Halbjahr hatte Aixtron nach enttäuschenden Ergebnissen ihre Ziele für das laufende Jahr heruntergesetzt und die Märkte mit einer Gewinnwarnung aufgeschreckt. Die Ergebnisse des dritten Quartals will Aixtron vermutlich heute Abend veröffentlichen. Die Aktie präsentierte sich 1,50 Prozent leichter auf 6,55 Euro.

Der Spezialmaschinenhersteller für die Chipindustrie, Süss Microtec  , hat nach einem Verlust im dritten Quartal seine Jahresprognose gesenkt. Im abgelaufenen Quartal sei ein Fehlbetrag von 2,8 Millionen Euro angefallen, nach einem Plus von 3,51 Millionen Euro im Vorjahr, teilte das im Nemax 50 notierte Unternehmen am Mittwoch mit. Der Umsatz sei gleichzeitig von 48,7 Millionen Euro auf 28,3 Millionen Euro gesunken. Die Aktie notierte zunächst 1,50 Prozent leichter auf rund vier Euro.

Der IT-Anbieter Lion Bioscience   hat im zweiten Quartal den Verlust bei schrumpfendem Umsatz verdoppelt. Im zweiten Quartal habe sich der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal von 10,2 auf 5,2 Millionen Euro halbiert, teilte das Unternehmen mit. Gleichzeitig habe sich der Verlust vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 9,1 Millionen auf 18,6 Millionen Euro verdoppelt. Trotz der Verluste hält Lion bioscience hält aber am Ziel fest, im vierten Quartal 2003/2004 die Gewinnzone zu erreichen. Die Aktie präsentierte sich zunächst unverändert.

Wall Street und Tokio schließen fest

Der Dow Jones kletterte um 1,2 Prozent auf 8678. Der Nasdaq Composite stieg um 0,3 Prozent auf 1401. Das Ereignis des Tages allerdings erreicht die Märkte in Deutschland allerdings erst nach Börsenschluss.

Gegen 20.15 Uhr wird US-Notenbank Fed möglicherweise die zwölfte Zinssenkung in Folge bekannt geben. Die Börsen rechnen fest damit, dass Fed-Chef Greenspan die Zinsen um 25 Basispunkte senken wird. Dieser Zinsschritt dürfte am Markt daher kaum nachhaltige Reaktionen hervorrufen, meinen Marktbeobachter, während eine unveränderte Zinspolitik zu fallenden Aktienkursen führen dürfte. Ob durch eine Zinssenkung allerdings derzeit die Investitionen der Unternehmen und den Privatkonsum ankurbeln werden, zweifeln so manche Experten an.

Der Aktienmarkt in Tokio hat am Mittwoch uneinheitlich geschlossen. Investoren waren nach Händlerangaben zurückhaltend angesichts der erwarteten Zinssenkung durch die US-Notenbank (Fed) und der bevorstehenden Veröffentlichung von Quartalszahlen des Netzwerkausrüsters Cisco Systems. Der Nikkei stieg um 0,18 Prozent auf 8953 Punkte, während der breiter gefasste Topix-Index um 0,24 Prozent auf 883 fiel.

Der Euro rutsche nach seinem Höhenflug am Dienstag wieder unter die Dollar-Parität und notierte bei Kursen um 0,995 Dollar.