Börse am Morgen: MLP bricht weiter ein - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen MLP bricht weiter ein

Gewinne bei den Techtiteln sorgen für eine Erholung. T-Aktie und Infineon marschieren vorweg. MLP stürzt dagegen unter 30 Euro. Mobilcom legt auf Grund neuer Gerüchte deutlich zu.
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Frankfurt am Main - Anleger klammern sich derzeit an jeden Strohhalm, und die Hoffnungsschimmer heißen derzeit Microsoft und Motorola. Die US-Börsen hatten gestern im späten Handel ihre Gewinne ausgebaut, da Motorola seine Prognose "einhalten oder übertreffen" will und Aktionäre auch von Microsoft eine positive Überraschung erwarten. Der Deutsche Aktienindex Dax legte in den ersten 30 Handelsminuten 0,9 Prozent auf 4549 Zähler zu, während der gebeutelte Nemax 50 nach seinen herben Verlusten gestern wieder um zwölf Pünktchen (1,8 Prozent) auf 694 Zähler kletterte. Technologiewerte führten im Dax die Erholung an.

Ein bisschen Rückenwind hat der Dax auch bitter nötig. Der Index konnte am Mittwoch nur mit Mühe die 4500-Punkte-Linie verteidigen. Am Neuen Markt testete der Nemax 50 die Tiefststände vom September vergangenen Jahres und ging 4,2 Prozent leichter aus dem Handel bei 682 Punkten.

Erholung bei Techwerten

Die Techwerte im Dax legten zwischen 1,1 Prozent und 3,2 Prozent zu, nachdem die Nasdaq gestern im späten Handel ihre Gewinne ausgebaut hatte. Am deutlichsten konnten sich die T-Aktie  (plus 3,1 Prozent auf 10,63 Euro) und der Chiphersteller Infineon   (plus 3,0 Prozent) erholen. Auch der Softwarehersteller SAP   war gestern deutlich unter Druck geraten und legte am Donnerstag mehr als zwei Prozent zu: Der Finanzchef des US-Konkurrenten Siebel Systems, Ken Goldman, hatte während einer Investorenkonferenz das Umfeld für Informationstechnologie im aktuellen Quartal als "schwieriger als noch vor einem Jahr" bezeichnet.

Der schwedische Mobilfunkhersteller Ericsson will vorbehaltlich der kartellrechtlichen Zustimmung seine Mikroelektroniksparte für 400 Millionen Euro an Infineon verkaufen. Infineon hatte daraufhin gestern deutlich nachgegeben. "In dieser Marktlage wird der Deal nicht positiv aufgenommen", sagte ein Analyst.

MLP: Anlegermagazin legt nach

Schwächster Wert im Dax war zum Auftakt erneut die Aktie des Finanzdienstleisters MLP   . Die Aktie verlor im frühen Handel mehr als zwölf Prozent und notierte damit bei 29,50 Euro. Börsianer verwiesen auf einen Bericht des Anlegermagazins "Börse Online", wonach Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen des Finanzdienstleisters aufgetaucht sein sollen. "Einiges deutet darauf hin, dass MLP in den Jahren 2000 und 2001 deutlich zu hohe Gewinne ausgewiesen haben könnte", hieß es. MLP soll dem Artikel zufolge Beraterprovisionen nicht periodengerecht gegen "sonstige Vermögensgegenstände" verbucht haben. MLP hat die Vorwürfe bereits mehrfach zurückgewiesen und will heute Vormittag zu dem Bericht Stellung nehmen.

Mobilcom: Steigt Hutchison ein?

Mobilcom-Streit eskaliert

Am Neuen Markt gehörten die Aktien von Mobilcom   mit einem Plus von rund sieben Prozent zu den größten Gewinnern, nachdem sie gestern mit einem Minus von 15 Prozent auf 6,14 Euro geschlossen hatten. Am Dienstag hatte der Großaktionär France Télécom   ihren Kooperationsvertrag mit Mobilcom zum Aufbau des UMTS-Netzes gekündigt. Am Donnerstag wurden Gerüchte laut, der in Honkong ansässige Konzern Hutchison Whampoa erwäge den Einstieg in den deutschen Mobilfunkmarkt und könnte Interesse an Mobilcom zeigen.

Neue Hoffnung in New York

Der Dow Jones baute in den letzten beiden Handelsstunden sein Plus von 0,4 auf 1,1 Prozent aus und schloss 100 Punkte fester bei 9617 Zählern. Der Nasdaq Composite (plus 0,7 Prozent um 20 Uhr) schloss 1,5 Prozent fester bei 1519 Zählern: Hier ist besonders wichtig, dass die Marke von 1500 Punkten gehalten hat.

Microsoft, Procter und Intel mit Gewinnen

Für die leichte Entspannung seien vor allem Gerüchte verantwortlich, der Softwareriese Microsoft   werde seine Prognosen für das laufende Quartal übertreffen, sagten Händler. Microsoft sowie der Chiphersteller Intel   legten im späten Handel deutlich zu. Außerdem haben die optimistischen Geschäftsprognosen des Schwergewichts Procter & Gamble   und des Handyherstellers Motorola   die Nerven etwas beruhigt.

Der monatliche Konjunkturbericht (Beige Book) der US-Notenbank war indes kaum dazu angetan, Begeisterungsstürme auszulösen: Demnach ist die US-Wirtschaft Ende April und Anfang Mai nur moderat gewachsen. Während einige Sektoren eine Verbesserung verzeichnet hätten, sei das Wachstum in anderen schwach geblieben, hieß es. Für weitere Verunsicherung sorgte die Nachricht von der Festnahme des ehemaligen Chefs der Biotechnologiefirma ImClone Systems, Samuel Waksals, wegen angeblichen Insider-Handels.

Das Vertrauen in "Corporate America" geht nach der Festnahme Waksals weiter zurück. Erst vor wenigen Tagen war der ehemalige Konzernchef des Mischkonzerns Tyco der Verkaufssteuerhinterziehung bezichtigt worden. Die Tyco-Aktien setzten auch am Dienstag ihre Talfahrt fort.

Motorola für Nasdaq Gold wert

Für die Technologiebörse Nasdaq war die guten Nachrichten aus dem Hause Motorola ein rettender Strohhalm. Der weltweit zweitgrößte Hersteller von Mobiltelefonen hatte mitgeteilt, seine Umsatzprognose für das zweite Quartal entweder einzuhalten oder sogar zu übertreffen. Die Aktie zog um knapp neun Prozent an. "Die Motorola-Nachrichten haben natürlich auch andere Aktien beflügelt", sagte ein Händler in New York.

Nikkei schwach

Die Aktienbörse in Tokio hat am Donnerstag trotz der guten US-Vorgaben schwach geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte büßte 1,6 Prozent auf 11.144 Punkte ein. Händler sahen den Grund für die schwache Sitzung in dem Verfall von Optionen am Freitag. Bis dahin könne der Nikkei 225 auf 11.000 Punkte sinken.

Der Euro präsentierte sich am Donnerstag weiter über der 94-Cent-Marke. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch bei 0,9452 Dollar festgesetzt. Am Morgen notierte die Währung bei 0,944 US-Dollar.