Börse am Morgen MLP unter Druck
Frankfurt am Main Trotz der großen Vortagesverluste haben die deutschen Aktienmärkte am Freitag zu Handelsbeginn deutlich nachgegeben. Der Dax rutschte in der Spitze um 1,8 Prozent ab, konnte sein Minus aber bis 9.30 Uhr auf 1,3 Prozent oder 3377 Punkte reduzieren. Die Wachstumswerte am Neuen Markt notierten ebenfalls schwächer. Der Nemax 50 markierte bei 428 Punkten ein Allzeittief und verbuchte Abschläge von 2,6 Prozent.
Aktie von MLP schlägt stark aus
Starke Abschläge von zunächst mehr als 14 Prozent verzeichnete die Aktie des Heidelberger Finanzdienstleisters MLP , konnte dann aber das Minus auf rund fünf Prozent oder 12,60 Euro reduzieren. "Börse-Online" hat erneut Vorwürfe gegen die Bilanzierungspraktiken von MLP erhoben und druckt zum wiederholten Male Unterlagen aus dem Hause des Finanzdienstleisters ab.
Die Aktie der Deutschen Telekom verlor 1,5 Prozent auf 10,37 Euro. Das Unternehmen wolle nach Presseangaben die Grundgebühr um einen Euro anheben und verhandle derzeit darüber mit der Regulierungsbehörde. Beobachter halten es kurz vor der Wahl allerdings für unwahrscheinlich, dass die Behörde ihre Zustimmung zu einer Preiserhöhung geben wird.
Möglicherweise drückten auch die schlechten Zahlen der France Télécom auf den Kurs der T-Aktie. Der französische Konzern wies nach ersten Meldungen am Freitagmorgen für das erste Halbjahr ein Nettodefizit von 12,2 Milliarden Euro aus, das in erster Linie auf Abschreibungen in Höhe von 11,1 Milliarden Euro zurückzuführen ist. Ein großer Teil davon geht auf das Konto von Mobilcom. Die Nettoverschuldung des Konzerns stieg auf 69,7 Milliarden Euro.
Allianz: Tochter bereitet Sorgen
Aktien des Versicherers Allianz setzen am Morgen ihre Talfahrt fort und verloren rund fünf Prozent auf 105,30 Euro. Der Konzern hat bei der US-Tochter Fireman's Fund die Reserven für Asbest- und Umweltrisiken in den USA um 750 Millionen Dollar auf 1,51 Milliarden Dollar erhöht. Allerdings hatte die Allianz bereits im Frühjahr eine Erhöhung der Reserven bei ihrer US-Tochter angekündigt.
Zu den Verlierern im Dax zählten erneut Technologiewerte. Siemens , SAP , Infineon und Epcos gaben zwischen 2,20 und 5,50 Prozent nach.
Mobilcom-Aktie im freien Fall
Am Neuen Markt fiel die Aktie der Mobilcom um mehr als die Hälfte ihres Wertes auf rund 0,80 Euro. Der Büdelsdorfer Mobilfunkkonzern steht unmittelbar vor der Pleite, nachdem Großaktionär France Telecom ausgestiegen ist. Die hoch verschuldete französische Telekomgesellschaft ist mit 28,5 Prozent an Mobilcom beteiligt. Die Aktie von France Telecom fiel am Morgen zunächst um mehr als vier Prozent.
Der Mobilfunkanbieter Mobilcom prüft nach dem Ende der Finanzierung durch die Franzosen die Einreichung eines Insolvenzantrags. Intern werde dies nun untersucht, sagte ein Unternehmenssprecher am Freitag in Büdelsdorf. "Es sieht schlecht aus." Im Laufe des Tages will das hochverschuldete Neue-Markt- Unternehmen Stellung beziehen zu der Ankündigung von France Telecom.
Wall Street schmiert im späten Geschäft ab
Wall Street schmiert im späten Geschäft ab
Der Dow Jones ging mit Verlusten von 2,4 Prozent aus dem Handel. Der Index für die US-Technologiebörse, der Nasdaq-Composite, rutschte um 2,7 Prozent ab. Beide Indizes hatten nach Handelsschluss in Deutschland noch deutlich nachgegeben. Der Dax hatte 4,5 Prozent und der Nemax 50 rund drei Prozent verloren.
Die Reden von US-Notenbankchef Alan Greenspan und US-Präsident George W. Bush sowie unerwartet schwache Arbeitsmarktdaten hatten an den US-Börsen am Donnerstag erneute Sorgen über die Entwicklung der US-Wirtschaft geweckt und die Kurse gedrückt.
Bush hatte vor den Vereinten Nationen deutlich gemacht, dass er Iraks Diktator Hussein entmachten werde notfalls im Alleingang und auch mit militärischen Mitteln. Dies hatte die Kriegsangst an den Märkten geschürt.
Vor allem die Unsicherheit darüber, wie lange ein möglicher Krieg mit dem Irak dauern könnte und unkalkulierbare Risiken für die gesamte arabische Welt beunruhigten die Märkte. Selbst die EZB warnte gestern, dass ein Irak-Krieg die weltweite Wirtschaftserholung zumindest verzögern könnte.
US-Notenbankchef Alan Greenspan hat die Regierung von George W. Bush vor den wirtschaftlichen Risiken zu hoher Staatsausgaben gewarnt. Nur die Rückkehr zu einer disziplinierten Fiskalpolitik mache ein gesundes Wirtschaftswachstum möglich, sagte er am Donnerstag bei seiner Anhörung vor dem Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses.
In einem Fiskalklima mit anhaltend hohen Defiziten bestehe das Risiko, dass Amerika zu einer Ära mit hohen Zinsen, niedrigen Investitionen und weniger Wachstum der Produktivität zurückkehre, sagte Greenspan.
Vertrauen die US-Verbraucher der Wirtschaft noch?
Wie es um die amerikanische Konjunktur steht werden heute weiter Konjunkturdaten zeigen. Die Zahlen zu den Einzelhandelsumsätzen und Erzeugerpreisen für den Monat August werden gegen 14.30 Uhr (MESZ) erwartet. Am Nachmittag dann veröffentlicht die Universität Michigan den an den Finanzmärkten viel beachteten Index der Verbraucherstimmung für den Monat September.
Halbleiterwerte gaben nach. Die Investmentbank Lehman Brothers hatte erklärt, die Aktien der Chipausrüster dürften in den kommenden Monaten weiter unter Druck bleiben. Die Gewinne der Unternehmen dürften nach Einschätzung der Bank im dritten Quartal schwächer als erwartet ausfallen und auch die Prognosen für das vierte Quartal dürften schwach ausfallen. Intel fielen rund fünf Prozent. Die Aktien des Chipausrüsters Applied Materials gaben rund sieben Prozent auf 12,74 Dollar nach.
Gute Nachrichten von Motorola und Adobe
Gute Nachrichten für die Branche gab es nach Börsenschluss von Motorola. Der Mobiltelefon- und Chiphersteller Motorola hat die Gewinnprognose für sein Halbleitergeschäft im dritten und vierten Quartal dieses Jahres sowie den Ausblick für die Branche weltweit bekräftigt. Erfreulich auch: Der US-Softwarehersteller Adobe Systems hat im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen Gewinn je Aktie von 0,22 Dollar erzielt und damit Analysten-Schätzungen von 0,19 Dollar übertroffen.
Honeywell senkt die Jahresprognose
Enttäuschend hingegen war die Gewinnwarnung des US-Mischkonzern Honeywell . Das Unternehmen hat auf Grund der schwachen Konjunktur in den USA die Gewinnprognosen für das dritte Quartal und das Gesamtjahr 2002 gesenkt. "Wir revidieren unsere Prognose für 2002, weil deutlich wird, dass ein breiter wirtschaftlicher Aufschwung sich nicht durchsetzt", sagte Chairman und Chief Executive Officer David Cote. Die Fluggesellschaften hätten weiterhin mit ihrer Profitabilität zu kämpfen, was die Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens beeinflusse.