Börse am Morgen MobilCom-Rallye geht weiter
Frankfurt am Main Weitere Kursgewinne bei den Technologiewerten Epcos , Infineon und SAP haben den Dax zum Auftakt über die Marke von 3200 Punkten getrieben. Der Index notierte um 9.30 Uhr mit einem Plus von 1,1 Prozent bei 3222 Punkten. Die deutlichen Zugewinne an der US-Technologiebörse und die Zahlen von Dell sorgten für Optimismus bei den Anlegern.
Auch die Allianz und die Deutsche Telekom konnten ihre Klettertour zunächst fortsetzen. Beide Titel hatten bereits gestern trotz schwacher Zahlen deutlich zugelegt. Der Ausblick der Allianz auf das kommende Jahr und der neue Chef der Telekom weckten aber neue Hoffnungen.
MLP mit schwachen Zahlen
Der Finanzdienstleister MLP hat kurz vor Handelsbeginn Zahlen vorgelegt. Der Vorsteuergewinn des Finanzdienstleisters hat sich im dritten Quartal 2002 im Jahresvergleich nahezu halbiert. Zudem scheint dem Unternehmen der operativer Ertrag von 100 Millionen Euro "nur schwer erreichbar".
Das Vorsteuerergebnis habe 7,7 Millionen Euro betragen nach 15,3 Millionen Euro im dritten Quartal 2001, teilte MLP mit. Die Gesamterlöse stiegen im dritten Quartal um 14 Prozent auf 246,5 Millionen Euro. Die Aktie gab im frühen Handel um rund acht Prozent auf 11,45 Euro nach.
Allianz: Dresdner Bank braucht Zeit
Die Dresdner Bank AG wird nach Einschätzung von Allianz-Aufsichtsratsmitglied Helmut Perlet frühestens in einem Jahr zur Wertsteigerung der Allianz AG beitragen. Eine erfolgreiche Neuordnung der Bank werde mindestens zwölf Monate dauern, sagte Perlet. Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle hatte sich gestern trotz Rekordverlust für die Zukunft verhalten optimistisch geäußert. "Wir dürften den Tiefpunkt hinter uns haben."
Der neue Telekom-Vorsitzende Kai-Uwe Ricke will ohne grundsätzliche Kursänderung die Leistungsfähigkeit des Konzerns erhöhen. Die Geschäftsfelder sollen mehr Eigenverantwortung bekommen, um marktnah zu agieren, kündigte er an. Der Bonner Konzern hat in den ersten neun Monaten des Jahres einen Rekordverlust von 24,5 Milliarden Euro verzeichnet.
BMW will expandieren
Mobilcom-Krimi geht weiter
Die Autowerte standen gestern im Schatten der Finanz- und Technologiewerte, erholten sich aber im späten Handel. Nun wagt sich auch BMW weiter vor: Die BMW AG will in den nächsten Jahren ihre internationale Expansion vorantreiben und damit in eine neue Größenordnung bei der Produktion wachsen. "Vor uns liegt eine Expansion, wie wir sie in der Vergangenheit noch nie durchgeführt haben", sagte der Vorstandsvorsitzende Helmut Panke. Die Anleger reagierten jedoch skeptisch und quittierten die Pläne mit Abschlägen von 0,5 Prozent.
Neuer Markt: Mobilcom-Aktie zum Start klar im Plus
Am Neuen Markt stehen einmal mehr die Aktien des angeschlagenen Telefonunternehmens Mobilcom im Blickpunkt. Am Donnerstag Abend wurde bekannt, dass Konzerngründer Schmid nach langem Hickhack den Treuhänder-Vertrag unterschrieben hat. Ab jetzt verantwortet Ex-RTL-Chef Helmut Thoma seine Aktien. Damit ist die Insolvenz bei Mobilcom (vorerst) abgewendet. Die Aktie kletterte daraufhin um 33 Prozent und schloss bei 6,00 Euro. Auch am Freitag setzte das Papier seine Klettertour zunächst fort und notierte um 9.30 Uhr bei 6,80 Euro, ein Plus von 18 Prozent.
Noch ist das Unternehmen aber nicht über den Berg: Großaktionär France Telecom muss den Vertrag noch anerkennen, und die Banken müssen weiteren Krediten zustimmen. Die MobilCom AG erwartet allerdings nach der Einigung über den Treuhändervertrag, dass das komplette Sanierungspaket in den nächsten Tagen verabschiedet wird.
Comdirect mit hohem Quartalsverlust
Relativ unbeeindruckt vom sich verdoppelnden Quartalsverlust des dritten Quartals sind die Aktien der Comdirect am Freitagmorgen um 3,33 Prozent auf 3,72 Euro geklettert. "Die Zahlen der Direktbanken können nur schlecht ausfallen", sagte ein Aktien-Händler am Morgen. Darüber hinaus hatte die Commerzbank-Tochter für das Gesamtjahr einen operativen Gewinn in Aussicht gestellt.
Wall Street: Dell wieder Primus
Die Kauflust der amerikanischen Verbraucher hat am Donnerstag auch auf die Wall Street übergegriffen. Hinzu kam der Kauf der riesigen amerikanischen Verbraucherfinanzfirma Household International durch die britische Großbank HSBC für rund 14 Milliarden Dollar. Davon profitierten auch viele andere Finanzwerte. Die Aktien der Household International festigten sich um 22,44 Prozent auf 27,50 Dollar. Chip- und Netzwerker-Aktien waren ebenfalls gesucht.
Der Dow Jones baute bis zur Schlussglocke seine Gewinne von 1,2 auf 1,7 Prozent aus, während der Nasdaq Composite mit einem satten Plus von 3,7 Prozent aus dem Handel ging. Entgegen den Befürchtungen sind die US-Konjunkturdaten des Tages positiv ausgefallen: Die Einzelhandelsumsätze haben sich im Oktober im Vergleich zum Vormonat nicht verändert. Klammert man die schwachen Automobilabsatzziffern im Oktober aus, dann ist der Einzelhandelsumsatz sogar um 0,7 Prozent gestiegen. Dies ließ Hoffnung auf ein halbwegs solides Weihnachtsgeschäft aufkommen. Auch die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenunterstützung ist gesunken.
Dell mit verhaltenem Ausblick
Nach Börsenschluss sorgte Dell Computer für gute Stimmung: Das Unternehmen hat im dritten Quartal und in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2002/2003 seinen Umsatz und Gewinn kräftig erhöht. Das Unternehmen nahm Hewlett Packard wieder die Führung als größter PC-Anbieter ab. Dell wies in allen Produktsparten und Märkten erheblich höher Absatzsteigerungen auf als die Konkurrenten.
Da die Aktie aber bereits vor Bekanntgabe der Zahlen geklettert war, gab sie nachbörslich wieder leicht ab: Der Ausblick von Dell bleibt verhalten.
Die Papiere des Mischkonzerns Honeywell fielen wegen hoher Pensionskassen-Kosten deutlich. Rüstungswerte wie Lockheed Martin standen ebenfalls unter Druck, da der Irak die neuen Waffeninspektionen der UN akzeptiert hat. Damit sind die Kriegsängste vorerst etwas in den Hintergrund getreten.
30-jährige US-Staatsanleihen stürzten angesichts der besseren Konjunktur- und Börsenlage um mehr als zweieinhalb Punkte ab. Die Rendite der Langläufer stieg deshalb rasant von 4,79 Prozent auf 4,95 Prozent.
Nikkei klettert aus 19-Jahres-Tief
Die Börse in Tokio ist am Freitag deutlich gestiegen. Nach der positiven Vorgabe der Wall Street erholte sich der Nikkei-Index für 225 führende Werte um 200 Punkte oder 2,4 Prozent und ging bei 8503 Zählern aus dem Handel. Am Vortag war das Börsenbarometer noch auf den tiefsten Stand seit 19 Jahren gefallen.
Der Kurs des Euro notierte am Freitag etwas leichter bei 1,0029 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag bei 1,0095 US-Dollar festgesetzt.