Börse am Morgen: Qiagen fällt, fällt, fällt - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Qiagen fällt, fällt, fällt

Nach positivem Start fällt der Dax zurück, der Nemax 50 verliert rund vier Prozent. Die Qiagen-Aktie stürzt nach einer Umsatzwarnung ins Bodenlose, Tech-Werte leiden unter schlechten Nachrichten vom Intel-Konkurrenten AMD.
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Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte sind am Mittwoch uneinheitlich in den Tag gestartet. Der Dax zog zunächst um rund ein Prozent an, gab die Gewinne bis 9.45 Uhr aber wieder ab und pendelte zuletzt um seinen Vortagesschluss bei 4200 Zählern. Der Nemax 50 fiel um weitere vier Prozent auf 539 Zähler, nachdem der Index am Vortag bereits fast fünf Prozent verloren hatte. Die amerikanischen Aktienmärkte hatten am Dienstag im späten Geschäft ihre Verluste noch deutlich ausgebaut und der US-Technolgiekonzern AMD in der Nacht eine Umsatzwarnung für das zweite Quartal herausgegeben.

Die starken Verluste am Neuen Markt führten Händler auf die Umsatz- und Gewinnwarnung des Schwergewichts Qiagen   zurück. Die Aktie des Biotechunternehmens stürzte zunächst um 40 Prozent auf 6,20 Euro ab.

Im Dax gewannen zunächst die verprügelten Werte des Vortages hinzu. Unter den Finanzwerten rückten HypoVereinsbank   und Deutsche Bank   mit Kursgewinnen von jeweils rund zwei in die Dax-Spitze vor. Auch Allianz   und Münchener Rück   gewannen jeweils rund ein Prozent hinzu.

In Frankfurt hatten am Vortag Gerüchte die Runde gemacht, denen zufolge der neue Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann eine Übernahme der Crédit Suisse Group plane. Einige Fachleute halten das für durchaus möglich. Weder die Deutsche Bank noch der Schweizer Konzern kommentierten die Gerüchte.

Auf Erholungskurs befand sich auch die Aktie der Deutschen Telekom  , die nach Verlusten von mehr als sechs Prozent am Vortag zunächst um 2,50 Prozent auf 9,77 Euro vorrücken konnten und sich damit an die Dax-Spitze setzten.

Mit Ausnahme von Siemens   notierten Technologiewerte leichter. Infineon  , SAP   und Epcos zählten mit Verlusten von bis zu einem Prozent zu den größten Verlierern im Dax. Siemens   dagegen konnten sich um rund ein Prozent auf 58 Euro verbessern.

Händler machten für die erneuten Abschläge im Technologiebereich unter anderem die Umsatzwarnung des US-Technologiekonzerns AMD   verantwortlich. AMD gab am Morgen eine Umsatzwarnung für das zweite Quartal heraus. Nach ursprünglich 620 bis 700 Millionen Dollar Umsatz erwartet der Konzern nun nur noch 600 Millionen Dollar Umsatz.

Auto-Titel notierten am Morgen uneinheitlich. Während BMW   und DaimlerChrysler   leicht zulegten, vielen die Aktien von Volkswagen   ab. BMW hatte im Juni auf einem rückläufigen US-Automarkt seine Absätze kräftig steigern können. Dagegen wurden den Statistiken zufolge weniger VW, Audi- und Mercedes-Benz-Fahrzeuge verkauft als vor einem Jahr.

Die Aktionäre des am Neuen Markt notierten Chipbrokers CE Consumer   treffen sich heute zur Hauptversammlung. Das Unternehmen hatte am Dienstag mit einer Gewinnwarnung überrascht und dies mit einem Wertberichtigungsbedarf in Höhe von 47 Millionen Euro begründet. Die Aktie notierte am Vormittag mehr als acht Prozent leichter auf 12,87 Euro.

Bei France Télécom   ist heute eine Verwaltungsratssitzung zu den Problemen mit der deutschen Mobilcom   angesetzt. Es werde ein außerordentliches Treffen mit dem staatlichen Hauptaktionär geben. Offiziell sollen keine Entscheidungen getroffen werden, hieß es. Der französische Staat ist mit rund 55 Prozent an France Télécom beteiligt. Die französische Regierung hatte in dieser Woche Berichte dementiert, dass der Staat angesichts des drastischen Kursverlustes der Aktie und der horrenden Schulden des Konzerns eine Verstaatlichung der France Télécom erwäge. Die Aktien von Mobilcom gewannen am Morgen rund 2,60 Prozent auf 8,16 Euro hinzu.

Hoffnung für Babcock Borsig

Ein Krisengipfel soll heute in letzter Minute den angeschlagenen Oberhausener Maschinenbaukonzern Babcock Borsig   retten. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) hat den Babcock-Vorstand, die Anteilseigner und Banken nach Düsseldorf eingeladen. Ohne Hilfen droht Babcock das Insolvenzverfahren. Die Aktien von Babcock schossen am Morgen mit 26 Prozent auf 1,26 Euro in die Höhe.

Nach Medienberichten gibt es Aussichten auf einen Durchbruch. Unter anderem ist von einem möglichen raschen Verkauf des lukrativen US-Geschäfts die Rede. Der Geldbedarf zur Sanierung wird auf 700 Millionen Euro geschätzt. 50 Millionen Euro müssen noch heute für Gehaltszahlungen aufgebracht werden. Die Aktien der im M-Dax notierten Babcock hatte am Dienstag nach der Offensive Clements ihre Verluste von 20 Prozent nahezu abgebaut.

Schwache Vorgaben der Wall Street

Schwache Vorgaben der Wall Street

Der Dow Jones schloss 1,1 Prozent schwächer auf 9007 Zählern und damit über der psychologisch wichtigen Marke von 9000 Punkten. Der Index für die US-Technologiebörse, der Nasdaq Composite, gab 3,3 Prozent auf 1357 Punkte ab, der tiefste Stand seit fünf Jahren. Das umfassendeste Börsenbarometer, der S&P 500, fiel auf den tiefsten Stand seit Januar 1998 zurück, notierte aber immerhin knapp über der langfristigen Unterstützungslinie von 944 Punkten. Sollte der Index hier in den nächsten Tagen durchrauschen, wäre ein Absturz bis auf 800 Punkte möglich, hieß es.

Natürlich lasteten auch in New York die Spekulationen um den französisch-amerikanischen Konzern Vivendi   auf den Märkten. So gab etwa AOL Time Warner deutlich ab. Heute wird bei Vivendi über die Nachfolge von Jean-Marie Messier entschieden.

Vielmehr als Vivendi drückten allerdings neu aufgeflammte Ängste über mögliche weitere Bilanzierungsskandale nach Worldcom   auf die Stimmung. Besorgt zeigten sich die Märkte auch darüber, dass es am Nationalfeiertag Independence Day (4. Juli) zu Terroranschlägen kommen könnte. Dies hätte ebenfalls zu Verkäufen geführt, sagten Händler in New York.

In einer ungewöhnlich offenen Rede bat Unternehmenschef John Sidgemore am späten Dienstagabend Investoren, Gläubiger und "ganz Amerika" eindringlich um Geduld. Sidgemore versprach volle Aufklärung des Bilanzskandals, wollte aber eine Insolvenz des Telekomkonzerns nicht ausschließen.

AMD gibt Umsatzwarnung heraus

Mit deutlichen Kursabschlägen ist auch bei den am Neuen Markt notierten SZ Testsysteme   rechnen. Nach Börsenschluss gab der notierte Hersteller von automatischen Testsystemen zur Prüfung von Halbleiterbauteilen eine saftige Gewinnwarnung heraus. Das Unternehmen hat wegen der andauernden Flaute in der Halbleiterindustrie seine Umsatz- und Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr 2001/2002 gesenkt. Zudem soll die Zahl der Mitarbeiter weltweit von 390 auf 300 reduziert werden.

Die asiatische Leitbörse in Tokio verbuchte am Mittwoch deutliche Gewinne. Der Nikkei schloss 1,8 Prozent fester auf 10.812 Zähler.