Börse am Morgen: SAP startet durch - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen SAP startet durch

Der Dax legt deutlich zu. Der Softwarehersteller SAP profitiert vom eigenen Optimismus und vom Oracle-Effekt. Die T-Aktie klettert minimal, bleibt aber unter elf Euro. Für Technologietitel wird es ein spannender Tag - alle warten auf Intel.
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Frankfurt am Main - Der Deutsche Aktienindex Dax legte am Donnerstag zum Auftakt um 1,2 Prozent zu und kletterte auf 4685 Zähler. Der Index hat Erholung bitter nötig: Der Dax hatte am Vortag auf dem tiefsten Stand in diesem Jahr geschlossen. Der Nemax 50 kletterte auf Grund der guten Nasdaq-Vorgaben um 0,5 Prozent auf 774 Punkte.

Zuvor hatten wenige Worte von Oracle-Chef Larry Ellison ausgereicht, um im späten Handel die US-Märkte aus ihrer Depression zu reißen. Wenn es einen Grund gebe, die Umsatz- und Gewinnerwartungen zu senken, hätte er dies bereits getan, hatte Ellison gesagt. Die Stimmung ist derart nervös, dass es bereits als positiv gewertet wird, wenn ein Unternehmen keine weiteren schlechten Nachrichten bringt. Die Technologiewerte legten deutlich zu, Dow und Nasdaq bauten ihre Gewinne auf jeweils 1,1 Prozent aus. Zuvor hatte der Markt die guten Konjunkturdaten (ISM-Index) schlicht ignoriert.

Gute Vorgaben für SAP

Analysten gehen nun davon aus, dass Oracle die Erwartungen treffen und im vierten Quartal einen operativen Gewinn von mindestens zwölf Cent pro Aktie erzielen wird. Oracle   kletterten gestern um 10,7 Prozent auf 8,66 Dollar. Davon dürften heute auch die Technologiewerte im Dax, allen voran SAP , profitieren.

Plattner legt nach

Die Softwareschmiede SAP   war mit einem Kursplus von 4,2 Prozent auf 114,15 Euro zum Auftakt unangefochtener Spitzenreiter im Dax. Dabei profitiert der Titel nicht nur von der Erholung bei Oracle, sondern auch vom Optimismus ihres Vorstandssprechers Hasso Plattner, der die Chancen von SAP im Wettbewerb mit Microsoft als sehr gut einschätzt. Die Bemühungen von Microsoft, in den Software-Markt für mittelständische Betriebe einzusteigen, dürften viel Geld und auch Zeit kosten, so Plattner. Der Software-Hersteller hält überdies an den Prognosen für das Geschäftsjahr 2002 fest. Es gebe keine neuen Fakten, die eine Änderung rechtfertigten, erklärte Plattner. Es stünden interessante Deals vor dem Abschluss, die aber erst veröffentlicht würden, wenn sie unterschrieben seien.

Erholung bei Techs, schwaches Quartal bei Intel eingepreist

Auch die übrigen Technologietitel holten die späten Gewinne an den US-Börsen nach. Infineon   und Siemens   legten jeweils 1,2 Prozent zu. Entscheidend für den weiteren Verlauf an den Märkten dürfte der Ausblick des Chipriesen Intel   sein. Die Papiere des Chipriesen klettern gestern im späten Handel um 2,4 Prozent Analysten vermuten, dass das Unternehmen seine Umsatzprognose an diesem Donnerstag herunterschraubt. Ein schwaches zweites Quartal sei nach Meinung von Experten aber bereits in die Aktienkurse eingepreist.

T-Aktie: Großauftrag in Sicht, doch Kritik am Optionsprogramm

Die Aktie der Deutschen Telekom   erholte sich am Donnerstag um 1,4 Prozent auf 10,94 Euro, nachdem die Aktie am Mittwoch ein Allzeittief bei 10,75 Euro markiert hatte. Die Aktie wird nach Ansicht einiger Händler von Hedgefonds gezielt nach unten getrieben. "Die wollen die Aktie bei einem Kurs von unter zehn Euro sehen", sagte ein Börsianer. Immerhin vergrößern sich die Chancen für einen neuen Großauftrag. Ein Konsortium aus Deutscher Telekom und DaimlerChrysler stehe kurz vor dem Zuschlag für einen Großauftrag zum Aufbau des Lkw-Maut-Systems in Deutschland, berichtet die "Financial Times Deutschland". Unterdessen wächst die Kritik am Aktienoptionsplan für Führungskräfte der Deutsche Telekom, schreibt das "Handelsblatt". Bilanzexperten sollen dem Bericht zufolge bemängeln, dass das Unternehmen die Aufwendungen für das Programm nicht in seiner Bilanz berücksichtigt.

Volkswagen will sparen

Als einziger Autotitel war gestern Volkswagen   ins Minus gefallen. Wegen der Entscheidung des europäischen Gerichtshofs, "Goldene Aktien" seien weitgehend unzulässig, seien Händlern zufolge an der Börse wieder Gerüchte über eine mögliche Übernahme der Wolfsburger hochgekocht worden. Volkswagen will nun die Produktionskosten der zusammen mit chinesischen Joint-Venture-Partnern hergestellten Automobile deutlich senken. Einem Artikel des "Wall Street Journal Europe" (WSJE) zufolge befürchtet VW sonst, in China nicht mehr wettbewerbsfähig zu sein. Die Aktie tendierte am Donnerstag zum Auftakt rotz der allgemein freundlichen Tendenz lediglich um den Vortagesschluss. Schwächster Wert am Donnerstag Morgen war Fresenius   mit einem Verlust von 1,6 Prozent.

Wall Street erholt

Wall Street erholt

Sowohl Dow Jones als auch Nasdaq Composite hatten jeweils - beflügelt durch die Bestätigung der Gewinnprognosen durch Oracle-Chef Larry Ellison - um 1,1 Prozent fester geschlossen. Zuvor war der Einkaufsmanagerindex für das nicht-produzierende Gewerbe in den USA ist im Mai auf den höchsten Stand seit August 2000 gestiegen, ohne dass die Börsen nennenswert darauf reagiert hätten. Der viel beachtete Index für den Sektor legte binnen Monatsfrist von 55,3 auf 60,1 Punkte zu und damit stärker als erwartet, teilte das Institut for Supply Management (ISM) am Mittwoch in Washington mit. Damit ist der Index deutlich über dem Wert von 50 Punkten geblieben, der auf eine Expansion der wirtschaftlichen Aktivität hindeutet.

Microsoft und IBM fester

Neben den Aktien von Oracle und Intel   legte auch der Softwarehersteller Microsoft   zu. Microsoft zeigte sich von der Klage des britische Softwareproduzenten Sage unbeeindruckt und legten um 3,3 Prozent zu. Sage hat bei der deutschen Kartellbehörde einen Klage gegen die geplante Übernahme der dänischen Navision durch Microsoft eingereicht. Auch die Aktien von IBM wiesen angesichts von Entlassungen in der Chip-Sparte Kursgewinne auf. Die IBM-Maßnahmen würden Sonderbelastungen von bis zu 2,5 Milliarden Dollar bringen, doch dürften sie dem weltgrößten Computerkonzern mittelfristig helfen, hieß es am Markt. Außerdem will der japanische Elektronikkonzern Hitachi für das Festplattengschäft von IBM gut zwei Milliarden US-Dollar bezahlen.

Wal-Mart legt zu, McDonald´s entschuldigt sich

Einzelhandelswerte wie Wal-Mart legten zu, weil sich die Absatzergebnisse bei dem weltgrößten Einzelhändler gut entwickelt haben. Die Aktien des Tabakkonzerns Philip Morris   gerieten unter Druck, da ein Berufungsgericht in einer Raucherklage gegen das Unternehmen entschieden hat. Den Erben eines verstorbenen Rauchers werden demnach die Summe von 79,5 Millionen Dollar zugesprochen. Der Telekomriese AT&T, General Motors und Hewlett-Packard gaben ebenfalls nach.

Die Titel von McDonald's   legten dagegen zu: Der Bulettenbrater hat sich wegen einer fehlerhaften Auszeichnung seiner Pommes Frites bei Hindus, Vegetariern und anderen Betroffenen entschuldigt und will eine Entschädigung in Höhe von zehn Millionen Dollar zahlen.

Aktien des Telekommunikationsunternehmens WorldCom gaben gestern rund 2,5 Prozent nach. Nach Börsenschluss teilte das Unternehmen mit, rund 2200 Stellen in seiner Mobilfunksparte kappen zu wollen. Erdrutschartige Verluste verzeichnete dagegen die Aktie des Software-Anbieters Manugistics, die um 25 Prozent einbrach. Das Unternehmen hat eine Umsatzwarnung bekannt gegeben und einen Stellenabbau angekündigt.

Nikkei gibt nach, Euro schwächer

Die Aktienbörse in Tokio hat am Donnerstag schwach tendiert. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte büßte um 0,8 Prozent ein und notierte bei 11.574 Punkten. Der Euro notierte etwas schwächer mit 0,9344 Dollar nach 0,9381 Dollar am Vortag.