Börse am Morgen: Schlusslicht DaimlerChrysler - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Schlusslicht DaimlerChrysler

Die Anleger halten sich zurück und warten auf die Entscheidung der EZB. Der Dax verliert, am Neuen Markt stürzen die Aktien von TelDaFax ab.
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Hamburg - Bei einem schwachen Handel starten die deutschen Aktienmärkte starten uneinheitlich in den Tag. Der Dax verliert in den ersten Handelsminuten 0,3 Prozent. Die Wachstumswerte im Nemax-50 setzen hingegen ihren Aufwärtstrend vom Vortag fort und stehen mit rund 1,0 Prozent im Plus.

Die Gewinnerliste im Dax führen zunächst SAP, BMW , Degussa und Allianz mit Kurzuwächsen von jeweils rund einem halben Prozent an.

Vor der Hauptversammlung von DaimlerChrysler notieren die Aktien des Autokonzerns um zwei Prozent leichter auf rund 54 Euro. Der Automobilkonzern hat im ersten Quartal 2001 erwartungsgemäß einen Verlust verzeichnet. Die ersten drei Monate waren hauptsächlich geprägt durch Restrukturierungsmaßnahmen und die operativen Verluste bei Chrysler, Mitsubishi und Freightliner.

Wie der Vorstandsvorsitzende des Stuttgarter Konzerns, Jürgen E. Schrempp, am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Berlin mitteilte, rechnet er nach wie vor mit dem Erreichen der Gewinnschwelle im nächsten Jahr. Er unterstrich sein Festhalten an Chrysler und Mitsubishi als integraler und essentieller Bestandteil der Unternehmensstrategie.

Unter Druck standen zu Handelsbeginn die Aktien der Deutsche Post, die 1,9 Prozent auf 18,76 Euro verloren. Der Konzern muss nach einem Bericht des "Handelsblatt" mit weiteren Geldbußen aus Kreisen der EU-Kommission rechnen. Die Kommission untersucht derzeit, ob die Post Gewinne aus dem Briefmonopol verwende, um andere Geschäftsbereiche zu subventionieren. Sie prüfe dabei erstmals die Frage, ob sich aus dem Briefmonopol unerlaubte staatliche Beihilfen ergäben.

Am Neuen Markt legten Brain International um rund neun Prozent auf 3,27 Euro zu. Ad hoc meldete das Unternehmen, im ersten Quartal seinen Verlust deutlich verringert zu haben.

Dagegen scheint das Aus für den Pleitekandidaten TelDaFax endgültig gekommen. Ebenfalls ad hoc meldete das Telekommunikationsunternehmen, dass die Deutsche Telekom weitere Verhandlungen über eine Netzanbindung abgelehnt habe. Ab Donnerstag sollen Unternehmensanteile und Töchter verkauft werden, heißt es. Der Handel mit der Aktie wurde wieder aufgenommen. Das Papiere verlor rund 30 Prozent auf 0,50 Euro.

Warten auf die Entscheidung der EZB

Ansonsten halten sich die Investoren zurück und erwarten mit Spannung eine mögliche Zinssenkung durch die EZB. Die Wirtschaftsforscher wollen sie, die Börsianer auch; und die Aktienmärkte haben sie längst eingepreist. Wenn Wim Duisenberg, der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), heute gegen 14.30 Uhr vor die Mikrofone treten und möglicherweise die vielfach geforderte Zinssenkung verkünden wird, dann ist an den Börsen kaum mit einem großen Sprung zu rechnen. Wie so oft haben die Aktienmärkte Entwicklungen bereits vorweggenommen: Seit dem vergangenen Mittwoch hat zum Beispiel der Dax satte 10 Prozent zugelegt - nicht zuletzt wegen des Kursaufschwungs am Dienstag.

Und was passiert, wenn sich Duisenberg ziert, die Aktienmärkte noch zwei weitere Wochen auf die Folter spannt - bricht der Aufschwung dann jäh ab? Glaubt man vereinzelten Experten, wäre die Enttäuschung vermutlich die folgenden Stunden groß. Dann allerdings würden die Börsen ihren Aufwärtstrend zumindest kurzfristig fortsetzen. Die technische Erholung sei nicht aufzuhalten. Bereits gestern hatte der Dax seinen Abwärtstrend nach oben leicht durchbrochen. Jetzt sei Platz bis 6100 Punkte, hieß es auf dem Parkett. Allerdings: Um diesen Standard zu halten, seien auch in den kommenden Tagen anhaltende Käufe auf breiter Basis notwendig.

Nicht zuletzt gibt es Stimmen, die den Stellenwert einer möglichen Zinssenkung der EZB für die weitere Entwicklung an den deutschen Aktienmärkten eher gering einschätzen. Entscheidender sei, wie sich die US-Börsen und die Unternehmensgewinne entwickelten.

Die Vorgaben aus den USA sind jedenfalls gut. Und gegenwärtig wird die Phase der Ertragswarnungen von der Berichtssaison abgelöst, in der die Konzerne ihre Gewinne für das erste Quartal melden. Die Märkte spekulieren darauf, dass die Konjunkturabkühlung des vergangenen Quartals in den Kursen eingepreist ist. Sollte allerdings der für die Kursentwicklung entscheidendere Ausblick, den die Unternehmen mit den Zahlen für das erste Quartal liefern, schwach ausfallen, dann könnte es an den Aktienmärkten auch sehr schnell nach unten gehen.

So aber legten die Blue Chips im Dow Jones am Dienstag mit 2,3 Prozent bei 10.102 Zählern kräftig zu. Die Nasdaq verzeichnete mit plus 6,1 Prozent bei 1852 Zählern einen der größten Kurssprünge in diesem Jahr. Die "Nettovorlage" für die deutschen Aktienmärkte ist im Ergebnis allerdings als neutral zu interpretieren: Die US-Indizes standen bereits zu Börsenschluss in Frankfurt satt im grünen Bereich.

Ein Impuls für eine weiter freundliche Tendenz auf den deutschen Aktienmärkten könnte aus Tokio kommen. Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss in Reaktion auf die guten US-Vorgaben mit einem Plus von 4,4 Prozent auf 13.174 Zähler. Zu den Gewinnern gehörten viele Hochtechnologiewerte, darunter Sony, Advantest und auch Tokyo Electron - Werte die in den vergangenen Tagen arg unter Verkaufsdruck gestanden hatten.