Börse am Morgen: Schwacher Auftakt - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Schwacher Auftakt

Die deutschen Aktienmärkte eröffnen leichter. In den USA geben in dieser Woche zahlreiche Weltkonzerne ihre Geschäftszahlen heraus. Da will kein Investor auf dem falschen Fuß erwischt werden.
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Frankfurt am Main - Der Dax fiel bis 9.40 Uhr 0,7 Prozent auf 5899 Zähler zurück. Die Wachstumswerte im Nemax 50 rutschten zuletzt mit 0,3 Prozent auf 1225 Zähler in Plus. Offensichtlich halten sich viele Anleger angesichts des bevorstehenden Reigens an Quartalszahlen in den USA zurück.

Banken- und Energietitel im Fokus der Anleger

Die Dresdner Bank-Aktie wird voraussichtlich am Freitag nach Handelsschluss aus dem Deutschen Aktienindex Dax genommen. Dies bestätigte ein Sprecher der Deutschen Börse. Die Allianz hatte zuvor bekannt gegeben, dass sie nach vorläufigen Zahlen künftig mehr als 95 Prozent der Anteile an der Dresdner Bank halten wird. Die Aktie des Geldinstituts gab rund 1,90 Prozent nach auf rund 47 Euro und war damit schwächster Wert im Dax. Die Aktie der Allianz zeigte sich 0,37 Prozent leichter auf 319,80 Euro.

Dickes Zusatzgeschäft für Versicherer?

Dabei könnten die Aktien von Versicherern von der Nachricht profitieren, dass die Bundesregierung angeblich beabsichtigt, die Beamtenpensionen zu kürzen und die private Vorsorge auch für den öffentlichen Dienst einführen will. Die Pensionen der 1,9 Millionen Beamten sollen demnach zwischen 2003 und 2010 um insgesamt fünf Prozent abgeflacht werden, schreibt das Handelsblatt. Innenminister Schily folge damit seinem Plan, die von der Bundesregierung bereits durchgesetzt Reform der gesetzlichen Rentenversicherung auch auf den öffentlichen Dienst zu übertragen. Die Aktien des Allianz-Konkurrenten Münchener Rück verloren 0,60 Prozent auf 332 Euro.

Die Deutsche Bank beabsichtigt, den Zahlungsverkehr und das Wertpapiergeschäft mit anderen Großbanken gemeinsam abzuwickeln. So könnte eine der größten Transaktionsbanken Europas entstehen, schreibt "Die Welt". Die Kostenersparnis wäre enorm, wird Vorstandsmitglied Hermann-Josef Lamberti zitiert. Die Meldung bewegte den Kurs zunächst kaum. Die Aktie des Branchenprimus stand mit 0,22 Prozent auf rund 83 Euro im Minus. HypoVereinsbank-Papiere notierten nahezu unverändert auf 54,10 Euro. Die Aktien der Commerzbank standen punktgenau auf ihrem Vortagesniveau bei 27,40 Euro.

Im Fokus der Anleger dürften erneut die Papiere von Energiekonzernen stehen. Eon gibt ihr gesamtes Ölgeschäft (Veba Oel) einschließlich der in Deutschland führenden Tankstellenmarke Aral an den britischen Erdöl-Konzern BP ab. Die "WAZ " hatte am Sonntag unter Berufung auf Konzernkreise vorab berichtet, der Verkauf von Veba Oel an BP solle zum 1. Januar 2002 wirksam werden. Dem Vernehmen nach soll BP zunächst einen Anteil von mehr als 50 Prozent übernehmen, diesen später aber aufstocken können, hieß es in der Zeitung weiter. Im Tankstellengeschäft seien sowohl Aral als auch BP in Zugzwang geraten, weil Shell sein Öl- und Benzingeschäft vor wenigen Wochen mit RWE-DEA zusammengelegt habe. Eon stiegen um rund eine halbes Prozent auf 64 Euro. Die Aktien von RWE tendierten nahezu unverändert auf 64 Euro.

Mögliche Gründe für den Verkauf: Eon will zwei amerikanische Energieversorger übernehmen. Das kostet zum einen Geld. Zudem kann es dies nach US-Gesetzen nur, wenn das ausländische Unternehmen ein reiner Energiekonzern ist.

Die Deutsche Telekom will in den nächsten zwei Jahren seinen schärfsten Mobilfunkkonkurrenten Vodafone verstärkt angreifen. Dafür sei eine verstärkte europäische Präsenz von T-Mobile wichtig, sagte René Obermann, der neue Europachef der Telekom-Tochter T-Mobile International, der Financial Times Deutschland. "Wir wollen Vodafone nicht das Feld überlassen." Töchter oder Beteiligungen in Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Österreich und Tschechien müssten enger zusammengeführt und profitabler gemacht werden. Die T-Aktie gab 0,86 Prozent auf 26,55 Euro nach

Greenspan stellt sich US-Kongress

Angespornt von freundlichen Ausblicken oder guten Geschäftszahlen der US-Konzerne Yahoo, Motorola und Microsoft haben die deutschen Aktienmärkte in der vergangenen Woche zugelegt. Der Dax steht vor dem Sprung, die psychologisch wichtige 6000-Punkte-Marke zu überwinden. Gleichwohl dominiert eine vorsichtig beobachtende Haltung unter den Investoren.

Dies gilt insbesondere für die Anleger am Neuen Markt, wie etwa der stark volatile Handelsverlauf am letzten Freitag gezeigt hat. Denn nicht zuletzt jüngste Konjunkturdaten in den USA lassen keine klare Aussage über die weitere Entwicklung der weltstärksten Ökonomie zu. Bohrenden Fragen wird sich deshalb US-Notenbankchef Alan Greenspan an diesem Mittwoch vor dem Bankenausschuss des US-Kongresses stellen müssen.

Noch zeitigen die sechs Zinssenkungen nicht die gewünschte höhere Investitionstätigkeit bei den Firmen. Mittlerweile befürchten Ökonomen in den USA, dass der Verbraucher seine Spendierhosen ausziehen und seine Geldbörse fester umklammern werde. Damit begänne die wichtigste Stütze der US-Konjunktur zu wackeln. Zugleich schließen Experten einen Anstieg der Arbeitslosigkeit von 4,5 auf fünf Prozent nicht aus.

Heiße Woche steht bevor

Wie es um die US-Wirtschaft bestellt ist, wird diese Woche zeigen. Die Berichtssaison treibt auf ihren Höhepunkt zu. Zahlreiche Blue Chips aus dem Dow Jones und der Technologiebörse Nasdaq werden ihre Zahlen für das zweite Quartal vorlegen. Darunter rangieren keine Geringeren als Intel, Apple, IBM, Sun und Cocla Cola. Schließlich geben europäische Großkonzerne wie Nokia, Ericsson, SAP, DaimlerChrysler und Philips ihre Geschäftszahlen bekannt.

Die Finanzwelt wird heute insbesondere ihr Augenmerk auf die anstehenden Quartalszahlen der US-Riesen Bank of America und Citigroup richten. Die Verfassung der zu den weltweit größten Banken zählenden Konzerne gilt spiegelbildlich für den Zustand der Börsen.

Die asiatische Leitbörse in Tokio ging etwas leichter aus dem Handel. Der Nikkei verlor rund zwölf Punkte auf 12.343 Zähler.