Börse am Morgen: Schwacher Auftakt - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Schwacher Auftakt

Die deutschen Aktienmärkte sind leichter in die neue Woche gestartet. Anleger halten sich zurück. Im Dax geraten die Papiere von DaimlerChrysler unter Druck. Am Neuen Markt führen die Aktien von EM.TV die Gewinnerliste an.
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Frankfurt am Main – Der Dax fiel zu Handelsbeginn mit 0,5 Prozent auf 5726 Zähler ins Minus. Die Wachstumswerte im Nemax 50 zeigten sich 0,4 Prozent schwächer auf 1190 Zähler. Angesichts schwacher Nachrichtenlage hielten sich die Anleger zurück und nahmen zum Teil der Kursgewinne der vergangenen Woche mit.

Die HypoVereinsbank teilte kurz vor Handelseröffnung mit, dass die westfälische Hypothekenbank im Konzern der HVB Group bleibt. Die Aktie gehörte zu Handelsbeginn zu den schwächsten Werten im Dax und verzeichnete moderate Verluste von 1,35 Prozent auf 49,55 Euro.

Unter Verkaufsdruck standen auch die Aktien von Volkswagen (minus 1,4 Prozent auf 52 Euro) und DaimlerChrysler, die rund 1,50 Prozent auf 55,35 Euro nachgaben. Chrysler-Chef Dieter Zetsche sieht auf dem nordamerikanischen Markt auch langfristig nur eingeschränkte Chancen für Diesel-Pkw. "Die dramatische technologische Entwicklung, die der Diesel in den letzten fünf Jahren in Europa genommen hat, wurde hier nicht erlebt", sagte der Chef des amerikanischen Konzernteils von DaimlerChrysler in einem Interview.

Der Nutzfahrzeughersteller MAN will sein Personal nach Informationen des "Handelsblattes" deutlich stärker abbauen als bisher vorgesehen. Das berichtet die Wirtschaftszeitung (Montagsausgabe) und bezieht sich dabei auf Kreise aus dem Aufsichtsrat. Die Aktie präsentierte sich 0,44 Prozent fester auf 24,87 Euro.

Der Vorstandschef von Metro, Hans-Joachim Körber, erwartet trotz der Stagnation im Einzelhandel für das Jahr 2001 ein Umsatzplus von mindestens sieben Prozent. Das Ergebnis je Aktie werde voraussichtlich um mehr als 10 Prozent steigen, sagte Körber in einem Zeitungsinterview. Die Aktie zeigte sich wenig verändert auf 43,34 Euro.

Das krisengeschüttelte Medienunternehmen EM.TV hat seine Beteiligung an dem US-Medienkonzern Crown Media verkauft. Der Verkaufserlös betrage 90 Millionen Dollar (gut 200 Millionen Mark), einschließlich sonstiger vereinbarter Zahlungen erhalte EM.TV insgesamt 103 Millionen Dollar, teilte EM.TV am Montag mit. Mit dem Erlös solle der Schuldenberg verkleinert werden. Nach den Milliardenverlusten im vergangenen Jahr hatte EM.TV auch im ersten Quartal 2001 rote Zahlen geschrieben. Die Aktie führte am Morgen die Gewinnerliste im Nemax 50 mit Kursaufschlägen von rund neun Prozent auf 3,38 Euro an.

Nach Vorlage der Halbjahreszahlen, die eine Umsatzverdopplung gegenüber dem Vorjahr erbrachte, stiegen die Aktien der Umweltkontor um drei Prozent auf 38,10 Euro.

Die Aktien der Ce Consumer verlor im frühen Handel um 2,20 Prozent auf 6,35 Euro. Der Chipbroker hatte die seit längerer Zeit angekündigte Übernahme SND Electronics Inc. abgeschlossen und dabei den Kaufpreis reduzieren können

Analysten skeptisch für die Woche

Ohne überragende neue Unternehmensnachrichten werden die deutschen Aktienmärkte zu Wochenbeginn eine Verschnaufpause einlegen. Nach den deutlichen Kursaufschlägen am Donnerstag und Freitag vergangener Woche sollte es auch nicht überraschen, wenn die Indizes am Montag nachgeben.

Erfreulich stimmte in der vergangenen Woche vor allem, dass sich die deutschen Börsen von den eher unentschlossen tendierenden amerikanischen Aktienmärkten sogar abkoppeln konnten. Doch die Erfahrung lehrt, dass dies eher der Ausnahmefall ist und in der Vergangenheit die Investoren dann zumeist die Kursgewinne der vorangegangenen Handelstage eingestrichen hatten.

Die Ergebnisflut in den Vereinigten Staaten ebbt ab. Angesichts der schwachen Konjunkturdaten und der zahlreichen Warnungen sowie schlechten Unternehmensnachrichten etwa von Hewlett Packard, Compaq und nicht zuletzt JDS Uniphase hatten sich die US-Aktienmärkte allerdings gut gehalten.

Am Freitag ging der Dow Jones 0,37 Prozent schwächer aus dem Handel auf 10.417 Punkte. Die Technologiebörse Nasdaq kletterte geringfügig um 0,30 Prozent auf 2029 Punkte und konnte damit die psychologisch wichtige Marke von 2000 Zählern verteidigen. Auch in den USA stehen am Montag keine Termine von überragender Bedeutung an.

Nach Ansicht der DG-Bank besteht für die Investoren in Deutschland derzeit wenig Bedarf für ein Engagement. Charttechnicker sehen den Dax derzeit auch nicht in bester Verfassung. Wichtig sei, dass der Index die Unterstützungslinie bei etwa 5600 Punkten nicht unterschreite. Die nächste Unterstützung sehen die Experten bei 5400 Zählern.

Die GZ-Bank geht von einer anhaltenden Nervosität der Märkte aus. Zugleich sorgten die Ferien in vielen Bundesländern für eine Sommerflaute an den Aktienmärkten, die einer Stabilisierung der Kurse zuwider laufe. Trotz einer technischen Gegenreaktion von Technologietiteln im Dax sei die Flaute in dem Sektor noch nicht ausgestanden. Die Bankgesellschaft Berlin rechnet damit, dass die Börse auch in nächster Zukunft noch mit Konjunktur- und Ertragsenttäuschungen fertig werden müsse. Sie sehen die Aktienmärkte eher in einer Seitwärtsbewegung.

In Deutschland sollte es dann ab Dienstag wieder spannend werden. Halbjahreszahlen werden die Dax-Konzerne Deutsche Telekom, Metro und Fresenius Medical Care vorlegen. Am Neuen Markt kommt der Spezialmaschinenbauer Singulus Technologies mit Geschäftszahlen raus. Am Mittwoch richtet sich das Interesse der Börsianer vor allem auf die Zahlen der Deutsche Bank, T-Online und Intershop. Gespannt darf man sein, wie sich der neue Vorstandschef Werner Klatten auf der Hauptversammlung des abgewirtschafteten Medienkonzerns EM.TV schlagen wird. Klatten hatte in der vergangene Woche Thomas Haffa an der Spitze abgelöst.

Die asiatische Leitbörse in Tokio hat bis kurz vor Handelsschluss stark an Boden verloren. Der Nikkeinotierte um rund zwei Prozent schwächer auf 11.563 Zähler. Damit sackte das fernöstliche Börsenbarometer unter den tiefsten Schlussstand seit 16 Jahren, den der Nikkei erst vergangene Woche verzeichnet hatte.

Tokios Börsianer zeigten sich über den erwarteten Wahlsieg der Regierungskoalition von Ministerpräsident Junichiro Koizumi bei den Oberhauswahlen am Sonntag zwar erleichtert. Aber das war es dann auch schon. Daneben drückten schlechter als erwartet ausgefallene Daten zur japanischen Industrieproduktion die ohnehin schon miese Stimmung am Markt. Wie die Regierung am Montag mitteilte, war die Produktion im Juni im vierten Monat in Folge gesunken, und zwar um 0,7 Prozent.

Im Technologiesektor standen Sony derweil weiter unter Druck. NEC legten indes zu. Auf der Sonnenseite befanden sich auch Takeda und Daiichi sowie die Versorger Tokyo Electric und Kansai Electric.