Börse am Morgen Siemens auf Talfahrt
Frankfurt - Der schwedische Handykonzern Ericsson hat mit seinen Quartalszahlen unter den Erwartungen am Montag vor allem den Dax belastet. Der Index für die Standardwerte notierte bis 9.20 Uhr 0,9 Prozent schwächer auf 5239 Zähler. Die Wachstumswerte im Nemax 50 pendelten zunächst um ihren Vortagesschluss bei 910 Punkten, rutschten dann allerdings um 0,4 Prozent auf 907 Zähler ab.
Ericsson erwirtschaftete im ersten Quartal einen Verlust je Aktie von 0,38 Schwedischen Kronen (0,04 Euro). Im Vorjahr habe der Gewinn je Aktie noch 0,05 Kronen betragen. Der Nettoverlust beläuft sich auf 3,7 Milliarden Kronen nach einem Gewinn von 0,4 Milliarden Kronen im Vorjahr. Das Auftragsvolumen ging gegenüber dem Vorjahresquartal um 40 Prozent auf 41,9 Milliarden Kronen zurück. Eine Rückkehr in die Gewinnzone erwartet das schwedische Unternehmen nach eigenen Angaben "irgendwann im Jahr 2003". In diesem und im kommenden Jahr will der Konzern nun insgesamt weitere 20.000 Stellen streichen. In Frankfurt fiel die Aktie um rund 20 Prozent auf 3,19 Euro.
Im Dax gehörten Technologiewerte ohne Ausnahme zu den Verlierern. Epcos hielt sich dabei mit Verlusten von 0,40 Prozent auf 50 Euro tapfer. Siemens rutschten zunächst um 2,77 Prozent ab auf 66 Euro und waren schwächster Wert.
Siemens baut nach einem Bericht des "Focus" weitere Arbeitsplätze ab. Im Geschäftsbereich Festnetztechnik sollten etwa 5000 zusätzliche Stellen wegfallen, berichtete das Münchner Magazin unter Berufung auf Unternehmenskreise am Wochenende vorab. Bisher hatte der Konzern demnach bereits angekündigt, 10.000 der einst 53.000 Arbeitsplätze in diesem Bereich zu streichen. Die neuen Stellenkürzungen sollen laut "Focus" zu 75 Prozent Mitarbeiter im Ausland treffen.
Negative Vorzeichen verbuchten auch Infineon , SAP und die Aktien der Deutsche Telekom .
Deutsche Konzerne greifen ab Dienstag in die Quartalsberichterstattung ein. Am Dienstag präsentiert zunächst der Chiphersteller Infineon Quartalszahlen. Die gestiegenen Chippreise dürften sich positiv auf die Quartalsbilanz auswirken, jedoch ist der Chiphersteller auf eine weitere Erholung der PC-Nachfrage angewiesen.
Die Deutsche Telekom erläutert am Dienstag während ihrer Bilanz-PK die bereits bekannt gegebenen Geschäftszahlen für 2001: Von Ron Sommer erwarten Aktionäre nach den enttäuschenden Zahlen Auskunft, wie es mit dem Schuldenabbau und dem Börsengang von T-Mobile weitergehen soll.
Am Donnerstag stehen der Elektronikkonzern Siemens und der Autobauer DaimlerChrysler im Blickpunkt. Beide Konzerne legen ihre aktuellen Quartalsergebnisse vor.
Die MAN -Tochter Ferrostaal soll nach einem Bericht des "Handelsblatts" über Konten der Warburg-Bank umfangreiche Schmiergeldzahlungen veranlasst haben. Jetzt ermittele die Staatsanwaltschaft wegen Beihilfe zur Untreue auch gegen den Chef des Anlagenbauers, schreibt die Zeitung in ihrer Montagsausgabe. Die Aktien von MAN notierten zu Handelsbeginn 1,40 Prozent leichter auf 27 Euro.
Unter dem Strich wenig ermutigend sind auch Nachrichten vom Autobauer Volkswagen . VW plant zwar trotz Auto-Flaute und deutlicher Absatzverluste im ersten Quartal keine Produktionskürzungen. Wenn allerdings eine weitere negative Entwicklung im Nahen Osten den Ölpreis hochtreibe, seien vermutlich viele Prognosen ungültig, sagte der für den Vertrieb zuständige VW-Konzernvorstand Robert Büchelhofer. Volkswagen notierten mit 0,22 Prozent im Minus auf 58,70 Euro.
Die Bundesregierung hat der RAG AG (früher Ruhrkohle), Essen, nach einem Bericht des "Handelsblatt" signalisiert, dass sie einem Tauschgeschäft Ruhrgas gegen Degussa "grundsätzlich positiv gegenübersteht". Das verlautete der Zeitung zufolge aus regierungsnahen Kreisen. In den vergangenen Tagen hatten sich die Hinweise darauf verdichtet, dass der Degussa-Mehrheitseigner Eon bereit sei, sich von der Spezial-Chemietochter zu trennen, um sich so mit den Ruhrgas-Anteilen der RAG die Mehrheit am größten europäischen Ferngaskonzern zu sichern.
Am Neuen Markt heißt es am Montag im Nemax 50: Willkommen Gericom . Der österreichische Hersteller von Notebooks ersetzt die ComRoad AG, die den Nemax 50 und den Neuen Markt verlassen muss. "Grund ist das grob pflichtwidrige Verhalten durch inhaltlich unrichtige und unvollständige Angaben im Jahresabschluss 2001", begründete die Börse den Rausschmiss.
Das Biotechnologieunternehmen MorphoSys rechnet nach einem Strategiewechsel erst 2006 mit dem Erreichen der Gewinnschwelle. Durch die Erweiterung auf den Bereich Produktanbieter seien höhere Investitionen nötig, sagte eine Unternehmenssprecher am Montag. Der Umsatz soll im laufenden Jahr stabil bleiben. Die Aktie gewann zunächst rund ein Prozent auf 33,42 Euro zu.
Für 2002 rechnet MorphoSys wie im Vorjahr mit einem Umsatz von 16 Millionen Euro. In die Forschung und Entwicklung sollen 26 Millionen Euro fließen. Die liquiden Mittel würden bis zum vierten Quartal 2004 reichen, hieß es.
Die Gewinnschwelle soll durch die Auslizenzierung von zwei Produktkandidaten erreicht werden. Anfang März hatte das im Auswahlindex Nemax 50 notierte Unternehmen erklärt, dass nicht wie zuvor angekündigt in 2002 Gewinne erwirtschaftet werden. Wann MorphoSys schwarze Zahlen schreiben würden, ließ Vorstandschef Simon Moroney offen. Am Montagmittag will sich das Unternehmen in einer Telefonkonferenz zum Strategiewechsel äußern.
Wall Street: Nicht Fisch, nicht Fleisch
Wall Street: Nicht Fisch, nicht Fleisch
Was die Investoren in der vergangenen Woche aus den USA an Geschäftszahlen erhalten haben, ist nicht Fisch und nicht Fleisch. Wohin die Reise geht, ist unklar. Bisher gemeldete Ergebnisse der im S&P 500 notierten Unternehmen liegen mit rund acht Prozent unter dem Vorjahreswert und damit unter den Erwartungen. Analysten der Wall Street hatten ein Minus von 7,5 Prozent erwartet.
Zuletzt hatten die schwachen Ausblicke von Microsoft und des Netzwerkherstellers Nortel Networks enttäuscht und schlossen folgten damit dem weltgrößten Handyhersteller Nokia . Nicht zuletzt diese Konzerne haben die Hoffnungen auf ein schnelles Comeback der Technologietitel enttäuscht. Immerhin konnten die amerikanischen Aktienindizes nach sechs Wochen Abstinenz wieder einen Erfolg verbuchen: Auf Wochensicht gewann der Dow Jones 0,7 Prozent hinzu. Der Nasdaq Composite verbesserte sich um 2,3 Prozent.
Dennoch trüben neue Hiobsbotschaften die Stimmung immer wieder ein. Nach Handelsschluss am Freitag reduzierte der US-Telekomkonzern WorldCom seine Gewinn- und Umsatzerwartung für das Jahr 2002 und will auch seine seine Investionen drosseln. Bei der Präsentation der 2001er-Zahlen Anfang Februar hatte der Konzern noch damit gerechnet, dass der Umsatz 2002 im einstelligen Prozentbereich gesteigert wird.
Die Börsianer in Europa blicken auch in dieser Woche gespannt über den großen Teich. In den USA geht der Reigen mit Zahlen von großen Unternehmen weiter und wird nach Ansicht von Experten auch in den nächsten Handelstagen das Geschehen an den internationalen Finanzmärkten bestimmen. Aber auch eine ganze Reihe deutscher und europäischer Unternehmen wartet mit Geschäftsergebnissen auf und dürfte somit ebenfalls die Anleger in Atem halten.
Der US-Telekomausrüster Lucent Technologies wird am Montag voraussichtlich einen Verlust von 17 Cent je Aktie für das zweite Quartal bekannt geben. Das erwarten die 28 von Thomson Financial/First Call befragten Analysten im Schnitt. Im vergleichbaren Vorjahresquartal hatte das Unternehmen 41 Cent je Aktie erwirtschaftet. Zudem werden heute noch die Quartalszahlen von 3M, Altera und Corning erwartet.
Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss im Plus. Der Nikkei gewann 1,8 Prozent auf 11.721 Zähler hinzu.