Börse am Morgen: Siemens im Sturmtief - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Siemens im Sturmtief

Die Deutschen Börsen eröffnen schwächer. Nach den Massenentlassungen bei Cisco führen die Siemens-Familie, SAP und T-Aktie die Verliererliste im Dax an. Der Neue Markt knickt weiter ein.
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Hamburg - Der Dax verlor zu Handelsbeginn 1,1 Prozent auf 6136 Punkte. Der Nemax 50 gab um 2,7 Prozent auf 1872 Punkte ab. Nach den starken Verlusten der Nasdaq am Freitag (minus 5,4 Prozent) und dem 16-Jahres-Tief des Nikkei starten die deutschen Börsen wie erwartet mit starken Abschlägen der Technologiewerte. Auch der EuroStoxx schwächelte: Verluste bei Nokia und Ericsson von jeweils mehr als fünf Prozent drücken den Index.

Der Nikkei ist am Montag auf den tiefsten Stand seit April 1985 gestürzt. Das Notprogramm der japanischen Regierung und die Rückrittsankündigung von Premierminister Mori, von der er am Montag wieder abgerückt ist, konnten den Absturz nicht aufhalten.

Die Hiobsbotschaft von Cisco gibt den Trend vor: Der Netzwerkgigant baut elf Prozent seiner Belegschaft ab. Nach den Gewinnwarnungen von Oracle, Yahoo und Intel ist die Stimmung nicht nur im Silicon Valley auf dem Nullpunkt.

In Dax und Nemax sind nach Ansicht technischer Analysten die "Abwärtstrends weiterhin intakt". Epcos, Siemens, SAP und Deutsche Telekom verloren zu Handelsbeginn zwischen 1,6 und 2,9 Prozent. Gewinner sind bei minimalen Zuwächsen bis zu 0,5 Prozent die defensiven Werte Henkel, MAN und Lufthansa.

Im Blickpunkt der Anleger steht heute Siemens. Der Technologiekonzern wagt bei schwerem Börsenwetter den Gang an die US-Börse. Mit dem Zweitlisting an der Wall Street schafft Siemens die Voraussetzungen für Zukäufe in den USA, wobei der Konzern eigene Aktien als Übernahmewährung einsetzen kann. Bereits jetzt ist jede achte Siemens-Aktie in Besitz von US-Investoren. Mit Rückenwind kann Siemens angesichts der Hightech-Flaute nicht rechnen: Die Aktie verlor zum Handelsauftakt in Frankfurt 1,4 Prozent auf 124,20 Euro.

Die Aktie der Deutschen Telekom ist am Freitag unter 27 Euro gerutscht und gab zu Handelsbeginn am Montag weitere 2,3 Prozent auf 26,33 Euro nach. Staatsanwälte ermitteln gegen Konzernchef Ron Sommer: Es besteht Verdacht auf Aktionärsbetrug. Sommer, so der Verdacht, könnte seit langem acht, könnte über Jahre hinweg von der Falschbewertung der Telekom-Immobilien gewusst haben, ohne die Bilanzen entsprechend korrigieren zu lassen.

Der Nemax All Share geht mit gewohnt kräftigen Abschlägen in das fünfte Jahr seines Bestehens. Zu seinem vierten Geburtstag am Wochenende hatte der Index mit 2,9 Prozent Minus bei 2033 Punkten notiert - das sind 75 Prozent Verlust binnen eines Jahres. Am Montag verlor der All-Share-Index im frühen Handel weitere 2,5 Prozent und rutschte unter die 2000-Punkte-Marke. Größte Verlierer am Neuen Markt waren Advanced Media, Ebookers und Fluxx mit Abschlägen von 14 bis 17 Prozent.

Bei Ebookers sorgt offenbar der Ausflug nach London für Unsicherheit bei den Anlegern. Bis Ende März will das am Neuen Markt notierte Internet-Reiseunternehmen an der London Stock Exchange gelistet sein. Zusätzlich zur Erleichterung des Aktienkaufs für den britischen Kleinaktionär erhoffen sich ebookers.com von der Börsenpräsenz in London ein erhöhtes Interesse institutioneller Anleger. Die bisherigen Listings an der Nasdaq sowie am Neuen Markt stünden gegenwärtig nicht zur Disposition, teilte das Unternehmen mit.

Der Druck auf Alan Greenspan, die Leitzinsen am 20. März deutlich zu senken, ist nach den US-Arbeitslosenzahlen in den USA gesunken. Die Hoffnung auf Zinssenkungen allein wird die krisengeschüttelten Technologie-, Medien- und Telkommunikationswerte nicht aus dem Keller holen können. Sogar die Empfehlung von Staranalystin Abby Joseph Cohen, den Aktienanteil wieder aufzustocken, ist im Hagel der Gewinnwarnungen von Oracle, Yahoo, Intel und Cisco verpufft. Entscheidend für eine nachhaltige Erholung wird sein, dass sich die Nachfrage belebt und die TMT-Unternehmen ihre Gewinnprognosen nicht weiterhin von bloßem Wunschdenken bestimmen lassen.

Der Yen gab zum Dollar stark nach. Die US-Währung notierte am Morgen mit 120,43-46 Yen nach 19,65-68 Yen am Freitag. Der Euro notierte am Morgen bei 0,9322 Dollar.