Börse am Morgen: Starker Start am Neuen Markt - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Starker Start am Neuen Markt

Die Technologiewerte im Dax profitieren von den guten Vorgaben der Nasdaq. Vor den Quartalszahlen von DaimlerChrysler verteilt die Börse Vorschusslorbeeren - die Aktie legt zu.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main – Nach guten Vorgaben der US-Börsen sind die deutschen Aktienmärkte fest in den Handelstag gestartet. Der Dax kletterte zunächst bis 9.30 Uhr 0,9 Prozent auf 4659 Zähler. Die Wachstumswerte im Nemax 50 schnellten um 5,2 Prozent in die Höhe auf 1078 Punkte.

Technologiewerte im Dax holten zunächst die deutliche Aufwärtsbewegung der Nasdaq auf, die nach Handelsschluss in Deutschland noch deutlich zugelegt hatte. Infineon   , Siemens   und SAP   kletterten zunächst zwischen 2,70 und 1,70 Prozent. Die Investmentbank JP Morgan hatte die Gewinnerwartung für Siemens-Aktien vor Handelsbeginn für 2001 und das kommende Jahr deutlich gesenkt. Die Experten sehen in den Papieren allerdings langfristig weiter einen Kauf.

In Deutschland werden mit Spannung die Geschäftszahlen für das dritte Quartal des DaimlerChrysler   -Konzerns erwartet. Wie Manfred Gentz, Finanzvorstand von DaimlerChrysler, im Gespräch mit der Börsen-Zeitung (Dienstagausgabe) sagte, ist in Deutschland die Zurückhaltung weitgehend überwunden. Am Ziel eines Operating Profit von 1,2 Milliarden bis 1,7 Milliarden Euro für 2001 halte man zwar fest. Das Erreichen könne aber heute nicht fest versprochen werden. Trotz der aktuell niedrigen Börsenbewertung fürchte DaimlerChrysler keine feindliche Übernahme. Die Börse verteilte bereits Vorschusslorbeeren: Die Aktie des Autokonzerns stand mit 1,80 Prozent auf 39,50 Euro im Plus.

Den vorsichtigen Ausblick auf das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2001 begründet der Finanzvorstand mit den nach wie vor nicht in Gänze einzuschätzenden Folgen der Anschläge. Die Schätzungen der von vwd befragten Analysten reichen beim bereinigten Operating Profit von 130 Millionen bis 490 Millionen Euro nach 540 Millionen Euro im dritten Quartal 2000. Beim Umsatz wird von 33,1 Milliarden bis 36,5 (37,2) Milliarden Euro ausgegangen.

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer   hat seine pessimistischen Geschäftsaussichten für 2001 bekräftigt. "Das dritte und vierte Quartal entspricht nicht unseren Erwartungen", sagte Bayer-Chef Manfred Schneider dem "Handelsblatt" (Dienstagausgabe). Eine wirtschaftliche Erholung sei nicht in Sicht und er rechne erst für das zweite Halbjahr 2002 mit einer konjunkturellen Belebung. Die Aktie verlor zu Handelsbeginn rund ein Prozent auf 34,15 Euro.

RWE   verloren zu Handelsbeginn mehr als ein Prozent auf 44,50 Euro. Nach Informationen des Nachrichtensenders n-tv erwartet der Vorstand für das Rumpfgeschäftsjahr von Juli bis Dezember keinen Gewinnanstieg.

ComROAD   , der im Nemax 50 notierte Anbieter von Telematiknetzwerken, hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2001 den Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um über 110 Prozent auf Euro 27,9 Millionen gesteigert, meldete das Unternehmen vor Handelsbeginn ad hoc. Der Vorstand gehe davon aus, dass der geplante Umsatz in Höhe von 95 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2001 erreicht wird. Das endgültige Quartalsergebnis sowie die Berichterstattung zum 30.9. 2001 werden am 5. November dieses Jahres veröffentlicht. Die Aktie schnellte zunächst knapp 20 Prozent auf 9,35 Euro zu und war damit stärkster Wert im Nemax 50.

US-Börsen: JP Morgan sieht Boden noch nicht erreicht

Schwache Wirtschaftsdaten haben die Stimmung an den US-Aktienmärkten nicht getrübt. Obwohl der gestern veröffentlichte Index der Frühindikatoren den deutlichsten Rückgang seit 1996 aufwies und damit das Ende der US-Konjunktur-Schwäche weiter nicht abzusehen ist, schlossen die Börsen in New York deutlich im Plus.

Der Dow Jones präsentierte sich 1,9 Prozent fester auf 9377 Zähler. Der Nasdaq Composite rückte 2,2 Prozent vor auf 1708 Punkte. Vor allem zum Handelsschluss holte die Nasdaq bei überdurchschnittlichen Umsätzen dank positiver Analysten-Kommentare zum Chipsektor kräftig auf.

Heute nach Börsenschluss in den USA wird die Branchenvereinigung Semiconductor Equipment and Materials International die sogenannte Book-to-Bill-Ratio für September veröffentlichen: Nach Ansicht der Analysten von UBS Warburg könnte die Zahl der neuen Aufträge zum ersten Mal seit Monaten die Zahl der auslieferten Chips übersteigen. Der Chiphersteller Altera wies indes nach Börsenschluss einen Gewinn je Aktie von fünf Cents aus und traf damit genau die Analysten-Erwartungen. Der Ausblick ist positiv. Unter diesen Vorzeichen sollten vor allem Technologiewerte an den deutschen Aktienmärkten heute gut starten.

Gleichwohl fehlt es in den USA nicht an mahnenden Stimmen. Das Investmenthaus JP Morgan sieht etwa beim S&P 500 den Boden noch nicht erreicht. Dafür sei es zu früh, erklärte die Bank gestern. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse seien aus Sicht der Experten zu hoch und zu viel Hoffnung im Markt, dass der Index seine Tiefstände nicht mehr markieren werde. Die Analysten hingegen glauben, dass der S&P 500 seine Tiefstände noch einmal testen werde. In den USA legen heute unter anderem AT&T Wireless (vor Börsenbeginn) sowie Amazon.com, Compaq (nach Börsenschluss) und Lucent Technologies ihre Geschäftszahlen vor.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich nach Ansicht der sechs führenden Konjunkturinstitute bereits "am Rande einer Rezession", wie bereits gestern vorab bekannt wurde. Die Zahl der Arbeitslosen werde auf 4,25 Millionen ansteigen. Heute werden die Experten ihr Herbstgutachten offiziell vorstellen. Finanzminister Hans Eichel lehnt indes nach Informationen vom Dienstag morgen Steuersenkungen zur Belebung der Konjunktur strikt ab.

Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss deutlich fester. Der Nikkei legte 2,8 Prozent auf 10.861 Punkte zu.

Der Euro notierte weiter schwach. Mit Kursen um 0,8915 blieb er am Morgen deutlich unter der Marke von 90 US-Cent.