Börse am Morgen Sturm schlechter Nachrichten
Frankfurt am Main - Der Dax ist mit deutlichen Abschlägen in den Handel gestartet. Der Leitindex verlor bis 9.30 Uhr 1,9 Prozent auf 3613 Punkte. Die Nebenwerte gaben durchschnittlich 0,4 Prozent ab und drückten den MDax auf 3360 Zähler. Am Neuen Markt notierte der Nemax 50 bei 477 Punkten, ein Minus von 2,4 Prozent.
Auslöser für den Kursabschlag waren schlechte Vorgaben aus den USA und enttäuschende Geschäftszahlen vom Schwergewicht Allianz . Am Dienstagabend hatte die US-Notenbank bekannt gegeben, die Leitzinsen nicht zu senken. Diese Entscheidung ist von den meisten Analysten erwartet worden. Allerdings werteten Marktbeobachter die Äußerungen der Währungshüter zur Konjunkturentwicklung sehr skeptisch.
Die Analysten sahen in der Erklärung der US-Notenbank ein Eingeständnis, dass es mit der US-Wirtschaft nicht zum Besten steht. Der amerikanische Präsident George W. Bush zeigte auf einer Wirtschaftkonferenz in Texas hingegen Konjunkturoptimismus. Die Märkte reagierten jedoch stärker auf die Notenbankerklärung. Die Währungshüter sehen eine Bedrohung durch die schwachen Finanzmärkte und die US-Unternehmensskandale.
Dresdner Bank belastet die Allianz
Im Mittelpunkt des Dax-Handels stand am Morgen die Allianz-Aktie . Das Papier verlor nach Bekanntgabe der Geschäftszahlen um rund 3,2 Prozent auf 125,40 Euro. Belastet durch die Dresdner Bank ist der Finanzkonzern im zweiten Quartal erwartungsgemäß tief in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich entstand ein Verlust von 356 Millionen Euro. Für das negative Ergebnis war besonders die Dresdner Bank verantwortlich. In den ersten sechs Monaten fiel bei der Bank ein Verlust von mehr als einer Milliarde Euro an. Die Allianz hatte bereits vor rund zwei Wochen vor dem Quartalsverlust gewarnt.
Eine Gewinnprognose für das Gesamtjahr wurde nicht abgegeben. Angesichts der Unsicherheit an den Finanzmärkten sei es schwierig, eine Ergebnisprognose in Zahlen zu gießen, sagte Controlling-Vorstand Helmut Perlet. Die Allianz wolle sich auch die Flexibilität erhalten, ob und in welcher Situation sie Gewinne aus Kapitalanlagen realisiere. Die frühere Prognose von einer Gewinnverdoppelung auf mehr als drei Milliarden Euro hatte die Allianz bereits vor zwei Wochen aufgehoben.
Die Aktie von Eon gab leicht auf 50,78 Euro nach, ein Minus von 1,2 Euro. Der Energiekonzern hat sein Betriebsergebnis im ersten Halbjahr 2002 um 42 Prozent auf 2,352 Milliarden Euro erhöht und damit leicht über den Erwartungen von Analysten gelegen.
Epcos profitiert von Dax-Umstellung
Für Bewegung im Dax sorgt die Indexumstellung der Deutschen Börse. Am 23. September wir der Chemiespezialist Degussa seinen Platz im Leitindex für das Bad Homburger Pharma- und Chemieunternehmen Altana räumen müssen. "Auf Basis des aktuellen Streubesitzes erfüllt Degussa das Kriterium Marktkapitalisierung für einen Dax-Wert eindeutig nicht mehr", entschied der Arbeitskreis Aktienindizes nach einer ungewöhnlich langen Sitzung am Dienstagabend in Frankfurt. "Somit ist die erforderliche Handelbarkeit des Index nicht mehr gesichert." Nach dem Übernahmeangebot von RAG war der Streubesitz auf zuletzt sieben Prozent gesunken. Damit ist der Börsenwert des frei handelbaren Degussa-Kapitals drastisch gesunken.
Im Schatten der mit Spannung erwarteten Dax-Entscheidung gibt es auch Veränderungen in anderen Aktienindizes. Der Münchner Bauelementehersteller Epcos bleibt anders als Degussa ebenso im Dax wie der Heidelberger Finanzdienstleister MLP . Beide Unternehmen waren in den vergangenen Wochen am meisten als potenzielle Absteiger genannt worden. Zumindest Epcos hat im frühen Handel von der Nachricht profitiert und notierte als einziger Dax-Wert im Plus. Das Papier stieg um über zwei Prozent auf 15,30 Euro. MLP hielt hingegen wieder die rote Laterne. Die Anteilsscheine verbilligten sich um über elf Prozent auf 13,61 Euro.
Die Altana-Aktie reagierte auf den Ritterschlag der Börse mit einem Kursrückgang von 1,4 Prozent auf 52,70 Euro.
Rückläufiger Gewinn bei Wella
Wella-Titel notierten rund 1,7 Prozent leichter auf 45,22 Euro. Der Haarpflege- und Kosmetikkonzern hat im ersten Halbjahr einen Rückgang beim Gewinn verzeichnet. Wechselkurseinbußen, die Turbulenzen auf den lateinamerikanischen Märkten und die Konsumzurückhaltung in Deutschland hätten das Ergebnis belastet, teilte der im MDax notierte Konzern am Mittwoch in Darmstadt mit. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) sank binnen Jahresfrist um 4,9 Prozent von 119,2 Millionen auf 113,4 Millionen Euro. Der Konzerngewinn verringerte sich von 46,5 Millionen auf 31,4 Millionen Euro. Der Umsatz stieg dagegen um 5,5 Prozent von 1,5 Milliarden auf 1,6 Milliarden Euro.
Herbe Verluste in New York, Euro deutlich über 98-Cent-Marke
Herbe Verluste in New York
Der Dow Jones gab am Dienstag um 206,43 Zähler oder 2,4 Prozent auf 8482 Punkte nach. Der Nasdaq notierte zum Schlussgong rund 2,9 Prozent schwächer auf 1269 Punkten. Damit reagierten die Märkte enttäuscht auf die verhaltenen Kommentare der US-Notenbank zur Konjunkturentwicklung.
Die Aktien der AMR, der Muttergesellschaft der weltgrößten Fluggesellschaft American Airlines, zogen um 4,6 Prozent auf 8,74 Dollar an. Die American Airlines will 7000 Mitarbeiter entlassen und andere rigorose Sparmaßnahmen durchführen. UAL, die Mutter der United Airlines, sackte hingegen weiter scharf um 27,9 Prozent auf 2,74 Dollar ab.
Der Flugzeughersteller Boeing , sowie Triebwerks- und Flugzeugteile-Lieferanten wie General Electric , Honeywell und United Technologies zählten zu den Verlierern. Die American Airlines will nämlich auch ihre Flotte deutlich verkleinern und die Abnahme von bereits bestellten Flugzeugen verzögern. Das Beispiel könnte bei anderen Fluggesellschaften Schule machen. Hinzu kam der Konkurs der US Airways am Wochenende.
Bank- und Finanzwerte wie Citigroup und Merrill Lynch tendierten wegen der Zinsentscheidung der US-Notenbank ebenfalls schwächer. Einzelhandelswerte wie Wal-Mart und Tiffany zogen nach Vorlage ihrer Quartalsergebnisse an.
US-Bosse müssen Richtigkeit der Bilanzen bestätigen
Für die Vorstands- und Finanzchefs der größten amerikanischen Aktiengesellschaften schlägt heute die Stunde der Wahrheit: Bis Mittwochabend (Ortszeit) müssen sie bei der amerikanischen Wertpapier- und Börsenkommission SEC erstmals schriftlich "nach bestem Wissen" beschwören, dass der letzte Jahresbericht und andere wichtige Unternehmensunterlagen keine Unwahrheiten enthalten. Bei Falschaussagen drohen den Managern bis zu 20 Jahre Gefängnis und Geldstrafen von bis zu fünf Millionen Dollar.
Von der neuen SEC-Regel sind insgesamt 947 Aktiengesellschaften mit Jahresumsätzen von mehr als 1,2 Milliarden Dollar betroffen. Mehr als 740 Unternehmen davon berichten auf Kalenderjahr-Basis und müssen daher ihre Erklärungen bis Mittwochabend einreichen.
Die meisten anderen Firmen- und Finanzchefs, deren Geschäftsjahre nicht am Jahresanfang beginnen, haben bis September Zeit. Dazu zählen vor allem US-Einzelhandelkonzerne und viele Technologieunternehmen.
Bis Montagabend hat die SEC nach eigenen Angaben erst 225 eidesstattliche Erklärungen erhalten. Der Rest werde voraussichtlich am Mittwoch folgen. Die Firmen können aber auch eine mehrtägige Verlängerung für die Einreichung der Unterlagen beantragen.
Wall Street lastet auf dem Nikkei
Die Aktienbörse in Tokio hat am Mittwoch schwächer geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte gab um 50,20 Punkte oder 0,5 Prozent nach und endete bei 9638 Punkten. Der breit angelegte Topix büßte weitere 2,33 Punkte oder 0,2 Prozent ein und endete bei 952 Zählern. Händler führten als Gründe die negative Vorgabe der Wall Street sowie die Schwäche des Dollars an.
Euro deutlich über 98-Cent-Marke
Der Dollar ist nach der Zinsentscheidung der US-Notenbank und den nachgebenden US-Aktienkursen deutlich unter Druck geraten. Der Kurs des Euro etablierte im frühen Handel am Mittwoch deutlich über der Marke von 98 US-Cent. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 9 Uhr 0,9869 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstag bei 0,9799 (Montag: 0,9780) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,0205 (1,0225) Euro.
Trotz einer merklichen Abkühlung der Konjunktur hatte die US-Notenbank Fed ihren Leitzins am Dienstag zwar erwartungsgemäß unverändert bei 1,75 Prozent gelassen. Der Devisenmarkt habe vor allem auf die nachgebenden Kurse an den US-Börsen reagiert, sagte ein Devisenexpertin.