Börse am Morgen T-Aktie der Spitzenverlierer
Frankfurt am Main - Nach schwachen Vorgaben der Wall Street und enttäuschenden Quartalszahlen des Dax-Schwergewicht Deutsche Telekom zeigten die deutschen Aktienindizes am Mittwoch zunächst nach unten. Der Dax rutschte bis 9.20 Uhr um 0,5 Prozent auf 4958 Zähler ab. Die Wachstumswerte im Nemax 50 verloren 0,5 Prozent auf 831 Punkte.
Die Deutsche Telekom hat ihren Konzern-Fehlbetrag im ersten Quartal des laufenden Jahres vor allem wegen Abschreibungen aus neukonsolidierten Gesellschaften vervierfacht. Der Fehlbetrag des Konzerns sei verglichen mit dem Vorjahresquartal von 0,4 Milliarden Euro auf 1,8 Milliarden Euro geklettert. Analysten hatten mit einem Nettoverlust von rund 1,2 Milliarden Euro gerechnet.
Der Konzern hat auch operativ weniger verdient als von Analysten erwartet. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag mit plus 3,8 Milliarden Euro unter den Erwartungen von Analysten, die von 3,91 Milliarden Euro ausgegangen waren. Der Konzernumsatz sei um 15 Prozent auf 12,8 Milliarden Euro nach oben geklettert, hieß es. Die T-Aktie gab zunächst rund drei Prozent auf 12,69 Euro ab und setzte damit ihre Talfahrt fort. Gegen 9.40 Uhr stand das Papier an der Spitze der Verliererliste im Dax.
Ebenfalls vor Handelsbeginn legte die HypoVereinsbank Geschäftszahlen vor. Während das Vorsteuerergebnis im ersten Quartal von 770 Millionen Euro auf 433 Millionen Euro sank, gab der Gewinn je Aktie von 0,97 Cent je Aktie gegenüber dem Vorjahresquartal auf 0,51 Cent nach. Die Zahlen lagen leicht über den Erwartungen von Analysten.
Angesichts der gestiegenen Zahl von Unternehmensinsolvenzen hat die HypoVereinsbank ihre Risikovorsorge deutlich aufgestockt. Im ersten Quartal sei die Kreditrisikovorsorge um 43 Prozent auf 527 Millionen Euro erhöht worden, teilte das Geldinstitut mit. Wegen der anhaltend schwachen Konjunktur sei auch die erforderliche Kreditrisikovorsorge für das Gesamtjahr noch nicht abschließend prognostizierbar. Die Aktie gewann in den ersten Handelsminuten zunächst 0,25 Prozent auf 39,90 Euro zu.
Zu den stärksten Werten im Dax zählten Autotitel. Volkswagen setzte sich mit Kursgewinnen von 2,30 Prozent auf 58 euro an die Spitze der Gewinnerliste. Die Analysten von Lehman Brothers hatten zuvor das Kursziel für die Aktie auf 62 Euro erhöht. Auch DaimlerChrysler und BMW notierten fest.
Breuer übergibt das Zepter
An der Spitze der Deutsche Bank kommt es heute zu einem Stabwechsel. Mit Ablauf der Hauptversammlung wechselt Vorstandssprecher Rolf Breuer an die Spitze des Aufsichtsrats. Neuer Chef des größten deutschen Kreditinstituts wird der Schweizer Josef Ackermann. Breuer beerbt als Vorsitzender des Kontrollgremiums Hilmar Kopper. Neben der Abstimmung des Dividendenvorschlages von 1,30 Euro je Aktie stehen die Wahlen zum Aufsichtsrat und Kapitalmaßnahmen wie der Erwerb eigener Aktien auf der Tagesordnung. Außerdem sollen die Aktionäre der Ausgabe von Optionsrechten für Vorstandsmitglieder und Führungskräfte des Branchenprimus zustimmen. Die Aktie fiel zunächst um rund 0,60 Prozent auf 77,25 Euro.
Am Neuen Markt berichtete am Morgen DAB Bank , der Online-Broker der HypoVereinsbank, über das erste Quartal. Die Direktbank ist auch zum Start ins neue Jahr in den roten Zahlen geblieben. Im ersten Quartal seien die Verluste aber von 23,8 auf 18,2 Millionen Euro verringert worden. Das Sparprogramm zeige Wirkung. So sei der Verwaltungsaufwand in der Gruppe um ein Viertel auf 47,1 Millionen Euro reduziert worden. Die Bank erwartet auch für das Gesamtjahr 2002 rote Zahlen.
Aus der zweite Reihe berichtet noch Deutschlands größter Warenhauskonzern KarstadtQuelle . Er dürfte bei der Vorlage seiner Geschäftszahlen zum ersten Quartal an diesem Mittwoch (22. Mai) keine guten Nachrichten für seine Aktionäre parat haben. Nachdem der Konzern bereits Anfang Mai einen Umsatzrückgang für die ersten drei Monate von fast fünf Prozent bekannt gegeben hatte, rechnen Analysten damit, dass KarstadtQuelle auch auf der Ergebnisseite enttäuschen und einen höheren Verlust als im Vorjahr ausweisen wird: Im ersten Quartal 2001 hatte das Unternehmen einen Verlust vor Steuern von 9,3 Millionen Euro verbucht. Die Aktie des Konzerns gab rund 0,80 Prozent auf 34 Euro ab.
Techwerte schickten Wall Street auf Talfahrt
Techwerte schickten Wall Street auf Talfahrt
Erneute Warnungen vor Terroranschlägen und anhaltende Gewinnmitnahmen bei Technologiewerten haben an der Wall Street die Indizes am Dienstag ins Minus gedrückt. Der Dow Jones gab 1,2 Prozent auf 10.105 Punkte ab. Der Nasdaq Composite rutschte den zweiten Tag in Folge ab und präsentierte sich 2,2 Prozent leichter. Damit sind an der Technologiebörse bereits die Hälfte der Kursgewinne von rund neun Prozent in der vergangenen Woche aufgezehrt.
Die schwachen Vorgaben dürften heute den Handel in Frankfurt belasten. Hier stehen Quartalszahlen der Deutsche Telekom, der HypoVereinsbank und die Hauptversammlung der Deutsche Bank im Mittelpunkt.
Eine Studie der Investmentbank Merrill Lynch (wir berichteten) zeigte auch noch am Dienstag ihre Wirkung. Was Chefstratege Richard Berstein dabei den Märkten zu Technologiewerten zu sagen hatte, war indes nicht wirklich neu: Zu teuer, zu wage Gewinnausichten, Intransparenz bei der Bilanzierung. Bernstein riet nach der Rallye der Vorwoche zu Gewinnmitnahmen.
Wenn das Konsumentenvertrauen auch weiter Anlass zur Hoffnung gibt, die Unternehmen halten sich mit ihren IT-Investititonen dagegen zurück. Das zumindest konstatierte das Softwareunternehmen Peoplesoft, deren Aktien rund acht Prozent verloren und insgesamt auf den Softwaresektor drückten. Neben pessimistischen Äußerungen des Unternehmens zur Nachfrageentwicklung drückten Ermittlungen der US-Börsenaufsicht SEC den Kurs. Zu den Verlierern zählten ebenso Chipwerte wie Intel.
Ford dagegen legten kräftig zu. Der Zigarettenanbieter Philip Morris, der Telefonriese SBC Communications, der Ölkonzern ExxonMobil und das Fotounternehmen Eastman Kodak konnten sich ebenfalls verbessern.
Einzelhandelswerte tendierten angeführt von Home Depot und Wal-Mart leichter. Auch Verkehrs- und Biotechnologiewerte standen auf der Abgabeliste. Gold-, Energie- und Versorgungswerte konnten sich behaupten.
Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss fest. Der Nikkei gewann im Gegensatz 1,4 Prozent auf 11.961 Punkte hinzu.