Börse am Morgen Tech-Werte geben nach
Frankfurt am Main - Der Dax fiel im frühen Handel um 1,1 Prozent auf 3120 Punkte, nachdem gestern bereits mit einem Minus von 4,3 Prozent auf 3155 Punkte geschlossen hatte. Der Dow Jones hatte im späten Handel seine Verluste ausgebaut und 2,1 Prozent schwächer bei 8586 Punkten geschlossen - der größte Tagesverlust seit drei Wochen.
Die Verluste an den US-Börsen sowie die Enttäuschung darüber, dass die EZB trotz der aggressiven Zinssenkung der Fed die Leitzinsen in der Eurozone unverändert gelassen hat, haben einen Verkaufsrausch in Frankfurt ausgelöst. "Eine Korrektur war überfällig - nun muss die Entscheidung der EZB als Anlass herhalten", sagte ein Händler. Dow und Dax hatten trotz schwacher Konjunkturdaten zu Beginn der Woche noch kräftig zugelegt. Nun nehmen Anleger Geld vom Tisch, da sie nach der US-Kongresswahl auf mittlere Sicht mit einem US-Angriff auf den Irak rechnen.
Infineon enttäuscht
Auch die Zahlen von Infineon locken die Bären wieder hervor. Der Chiphersteller hat wegen der Krise in der Halbleiterbranche im abgelaufenen Geschäftsjahr erneut einen Milliardenverlust erlitten. Vor Steuern und Zinsen sei im Geschäftsjahr 2001/02 (30. September) ein Minus von 1,14 Milliarden Euro entstanden, teilte Infineon am Freitag mit. Im Geschäftsjahr 2000/01 betrug der Verlust vor Steuern und Zinsen 1,02 Milliarden Euro.
Im vierten Quartal hat das Unternehmen außerdem wegen Wertberichtigungen auf latente Steuern und Lagerbestände einen überraschend hohen Verlust verzeichnet. Der Nettoverlust ist von 76 Millionen im Vorquartal auf 506 Millionen Euro gestiegen. Damit verfehlte der im Dax notierte Konzern die Erwartungen der Analysten deutlich. Das Unternehmen leidet wie die Konkurrenten vor allem unter den niedrigen Preisen bei Speicherchips. Die Aktie brach zum Auftakt um knapp zehn Prozent ein und war gemeinsam mit Epcos schwächster Wert im Index.
Henkel am unteren Ende der Erwartungen
Viele Anleger dürfte es wieder in defensive Werte ziehen. Der Konsumgüterhersteller Henkel hat im dritten Quartal einen Ergebnisschub erzielt und die Ergebnisziele für das Gesamtjahr bekräftigt. Im Berichtszeitraum erhöhte sich der Umsatz um 0,7 Prozent auf 2,37 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen sei in dieser Zeit um 14,7 Prozent auf 160 Millionen Euro gestiegen, teilte das Unternehmen am Freitag mit und lag damit am unteren Ende der Analysten-Erwartungen. Die Aktie gab zum Auftakt knapp zwei Prozent nach.
EZB setzt Finanzwerte unter Druck
Die Entscheidung der EZB, die Zinsen nicht zu senken, setzte auch die Finanzwerte unter Druck: Allianz . Münchener Rück , Deutsche Bank und Commerzbank setzten ihre Talfahrt mit Verlusten zwischen 1,4 und 2,1 Prozent fort.
Telekom herabgestuft
Lediglich BASF und Fresenius Medical Care starteten mit Gewinnen in den Handel. Die Pharmawerte Fresenius Medical Care und Schering hatten sich bereits gestern gegen den schwachen Trend behauptet: Der Erfolg der Republikaner bei der US-Kongresswahl hatte bereits am Vortag für freundliche Stimmung in der Pharmabranche gesorgt.
Auch die Aktien der Deutschen Telekom präsentierten sich schwächer. Die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein hat die Aktie auf "Halten" herabgestuft und ein Kursziel von 11,50 gesetzt.
Trotz der Flaute am Aktienmarkt hat die Deutsche Börse im dritten Quartal 2002 ihr bislang bestes Ergebnis eingefahren. Wie das Unternehmen mitteilte, schloss das dritte Vierteljahr mit einem Umsatzrekord von 388,3 Millionen Euro und einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 87,9 Millionen Euro. Während die Terminbörse Eurex auch im dritten Quartal mit Umsatzerlösen von 97,3 Millionen Euro das stärkste Segment der Gruppe war, lag der Umsatz des Bereichs Xetra mit 53,5 Millionen Euro um acht Prozent unter dem des Vorjahresquartals.
MobilCom: Schmid-Theater geht weiter
MobilCom: Schmid-Theater geht weiter
Die Bundesregierung hält an einer Weiterführung der Verhandlungen um die Zukunft von MobilCom fest. Zu einem offenen Brief des MobilCom-Großaktionärs Gerhard Schmid mit der Aufforderung an Bundeswirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement, jetzt "persönlich die Initiative" zu übernehmen, wollte dessen Ministerium jedoch keine wertende Stellungnahme abgeben. MobilCom-Gründer Gerhard Schmid hat "neue inhaltliche Änderungen" seitens des Bundeswirtschaftsministeriums am Treuhandvertrag abgelehnt und ein persönliches Eingreifen des Ministers verlangt. Die Aktie gab zum Auftakt weiter 2,1 Prozent auf 4,60 Euro nach, nachdem sie am Vortag zweistellig eingebrochen war.
Wall Street schwach
Einen Tag nach der Zinssenkung durch die US-Notenbank von 1,75 auf 1,25 Prozent sorgen Gewinnmitnahmen, die Angst vor einem baldigen Militärschlag gegen den Irak und der zurückhaltende Ausblick von Cisco Systems dafür, dass Anleger nach der 1100-Punkte-Rallye der vergangenen Wochen nun erst einmal Geld vom Tisch nehmen. Die Fed hatte ihren aggressiven Zinsschritt unter anderem mit "geopolitischen Risiken" begründet.
Cisco erwartet schwaches viertes Quartal
In New York haben Dow Jones und Nasdaq Composite einen Tag nach der aggressiven Zinssenkung durch die Fed den Rückwärtsgang eingelegt. Auch hier scheint die Erholung der vergangenen Wochen zunächst beendet. Der Dow ging mit einem Verlust von 184 Punkten (2,1 Prozent) nahe Tagestief aus dem Handel. Der Nasdaq Composite gab 3,0 Prozent ab.
Der weltgrößte Netzwerkausrüster Cisco gab deutlich nach. Der Konzern hat am Mittwoch nach Börsenschluss Quartalszahlen veröffentlicht, die über den Erwartungen lagen. Allerdings enttäuschte der Ausblick des Unternehmens die Anleger: Cisco rechnet damit, dass der Umsatz im vierten Quartal "bestenfalls stagnieren" wird. Auch der Chiphersteller Intel stand auf der Verkaufsliste: Analysten äußerten sich skeptisch, dass sich die Chippreise rasch erholen würden.
Disney steigert Gewinn
Nach dem Anstieg von mehr als 1000 Punkten im Dow während der vergangenen vier Wochen wird die Luft nach oben langsam dünn. Zumindest der Unterhaltungskonzern Walt Disney konnte nach Handelsschluss mit seinen Zahlen die Stimmung ein wenig heben. Das zweitgrößte amerikanische Medien- und Unterhaltungsunternehmen hat dank solider Filmstudio-Geschäfte im Schlussquartal des abgelaufenen Geschäftsjahres 2001/2002 (30. September) seinen Gewinn vervierfacht. Hierdurch wurden schwächere Freizeitpark-Ergebnisse wettgemacht. Disney steigerte den Quartalsumsatz gegenüber der Vorjahresvergleichszeit um 15,1 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar und hat die Erwartungen der Analysten erfüllt.
Nikkei schwach, Euro weiter über Parität
Die Aktienbörse in Tokio hat am Freitag nach der negativen Vorgabe der Wall Street schwach geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte fiel um 229,67 Punkte oder 2,6 Prozent und ging beim Stand von 8.690,77 Punkten ins Wochenende.
Der Euro notierte am Freitag weiterhin über einem Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs bei 1,0013 (Mittwoch: 0,9955) US-Dollar festgesetzt. Am Freitag Morgen notierte der Euro bei 1,0086 US-Dollar.