Börse am Morgen Tech-Werte im Rückwärtsgang
Frankfurt am Main Die deutschen Aktien starten schwach in den Tag. Der Dax verliert bis 9.35 Uhr rund ein Prozent auf 5860 Punkte. Die Wachstumswerte im Nemax 50 rutschen mit 3,5 Prozent auf 1444 Zähler ab.
Größter Verlierer im Dax waren die Aktien von Infineon. Das Papier verlor nach einer Umsatz- und Gewinnwarnung am Morgen zunächst rund zwölf Prozent auf 31 Euro und zog auch andere Technologietitel mit nach unten. Siemens verbilligten sich zuletzt um mehr als vier Prozent auf 71,50 Euro. SAP fielen um 2,3 Prozent auf rund 162 Euro. Epcos notierten rund drei Prozent schwächer bei 63,75 Euro.
Infineon rechnet im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs 2000/2001 (30. September) wegen des Preisverfalls und Abschreibungen auf Lagerbestände mit einem Verlust vor Steuern und Zinsen von bis zu 600 Millionen Euro (1,17 Milliarden Mark). Der Umsatz werde verglichen mit dem Vorquartal voraussichtlich um bis zu 30 Prozent sinken. Derzeit würden keine neuen Stellen im Konzern geschaffen und frei werdende nicht mehr besetzt. Auch der Ausblick sieht nicht rosig aus.
Als Reaktion auf die Flaute will Infineon im Geschäftsjahr 2001/02 die Investitionen um mehr als eine Milliarde Euro kürzen. Zuvor waren bereits die Investitionen für das laufende Geschäftsjahr von 2,8 auf 2,3 Milliarden Euro gesenkt worden.
DaimlerChrysler will offenbar seine Anteile an der Flugzeugleasinggesellschaft Debis Air-Finance verkaufen, um Geld hereinzubekommen. Das berichtete die "Financial Times Deutschland". Das Unternehmen soll das Investmenthaus Goldman Sachs beauftragt haben, einen Käufer zu finden. Weder DaimlerChrysler noch Goldman Sachs seien zu einer Stellungnahme bereit gewesen. Der mögliche Verkauf würde nach Angaben der Zeitung in die Langzeitstrategie des Automobilkonzerns passen, sich auf das Autogeschäft zu konzentrieren und Nebengeschäfte aufzugeben. Die Aktie legte zu Handelsbeginn 0,2 Prozent auf 50,69 Euro zu.
Am Neuen Markt rutschen die Aktien der Chipbroker ab. ACG verlieren mehr als neun Prozent auf 17,70 Euro. Die ebenfalls im Nemax 50 notierte CE-Consumer-Aktie gibt 6,20 Prozent auf 7,41 Euro nach.
Zu den größten Gewinnern am gesamten Neuen Markt zählten die Aktien von Letsbuyit.com mit Kursaufschlägen von mehr als 23 Prozent bei 0,53 Euro.
Die KarstadtQuelle AG, Essen, und Letsbuyit.com haben eine Kooperation vereinbart. Wie der niederländische Internetanbieter am Mittwoch ad hoc mitteilte, wird Letsbuyit.com ab sofort einen Großteil seiner Einkäufe über KarstadtQuelle abwickeln. Eine weitere Zusammenarbeit sei in den Bereichen Logistik und Kundenservices vorgesehen. Die Kooperation umfasse die Option für KarstadtQuelle, Markenrechte zu erwerben sowie sich finanziell an LetsBuyIt.com zu beteiligen. LetsbuyIt.com erwarte aus der Zusammenarbeit eine erhöhte Effizienz für das eigene Geschäft.
Im Fokus der Börsianer wird heute auch die Hauptversammlung der Lufthansa stehen. Fluglinien-Chef Jürgen Weber erwartet eine stürmische Aktionärsversammlung. Er muss den Tarifabschluss mit den Piloten und getrübte Gewinnprognosen rechtfertigen. Das Unternehmen rechnet in diesem Jahr nur noch mit einem Gewinn von 700 bis 750 Millionen Euro. Ursprünglich war eine Milliarde Euro vorausgesagt worden. Als Gründe für das schwächere Ergebnis nannte das Management zusätzliche Millionenlasten für das Cockpitpersonal, die Kosten des monatelangen Arbeitskampfes und die nachlassende Weltkonjunktur.
Zur Hauptversammlung lädt heute auch die Metro AG. Im Mittelpunkt steht der Lagebericht von Vorstandssprecher Hans-Joachim Körber, der die Auslandsexpansion des Unternehmens vorantreiben will. Deutschlands größter Handelskonzern soll in drei Jahren über die Hälfte seines Umsatzes im Ausland erzielen. Derzeit sind es 42 Prozent. Außerdem soll die Baumarktkette Praktiker aus den roten Zahlen geholt werden. Gewinn-Garanten des Konzerns sind die gleichnamigen Großmärkte für Gewerbetreibende sowie die Elektronikketten MediaMarkt und Saturn.
US-Börsen liefern schwache Vorgaben
Selbst für eine echte technische Reaktion haben die überraschend guten Geschäftszahlen des US-Softwareherstellers Oracle nicht gereicht: Die Nasdaq schloss am Dienstag lediglich mit einem kleinen Plus von 0,2 Prozent auf 1992 Punkten. Der Dow Jones zeigte sich um 0,5 Prozent schwächer bei 10.596 Zählern.
Auch die deutschen Aktienmärkte befanden sich am Dienstag Abend bereits wieder im Rückwärtsgang. Das Plus von 0,7 Prozent im Nemax 50 darf auch nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass rund 200 Werte am gesamten Neuen Markt im Minus und 144 im grünen Bereich geschlossen hatten. Zahlreiche Aktien markierten dabei neue Tiefstände. Hier wie auch in den USA hatten Händler allerdings bereits zu Handelsbeginn vor Euphorie gewarnt: Die Zahlen von Oracle würden keinen anhaltenden Kaufimpuls bewirken. Es bedürfe schon weiterer guter Nachrichten auch von anderen Technologieunternehmen für einen nachhaltigen Aufwärtstrend, hieß es.
Immerhin: Der Linux-Software-Spezialist Red Hat legte nach Handelsschluss in den USA erstmalig schwarze Zahlen vor. Das Unternehmen gab Gewinne von 600.000 Dollar bekannt, das entspricht einem ausgeglichenen Ergebnis pro Aktie. Die Zahlen lagen im Rahmen der Schätzungen von Analysten.