Börse am Morgen: Tech-Werte schwach - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Tech-Werte schwach

Die Anleger halten sich zurück. Tech-Titel im Dax verlieren. Zu den wenigen Gewinnern zählen konservative Werte wie ThyssenKrupp und MAN.
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Frankfurt am Main – Die deutschen Aktienmärkte starten mit Abschlägen in die Woche. Bis 9.50 Uhr fiel der Dax 1,3 Prozent auf 6046 Zähler. Die Wachstumswerte im Nemax 50 fingen sich nach einem schwachen Auftakt wieder ein wenig und gaben zuletzt um 0,3 Prozent auf 1679 Punkte nach. Konservative Werte waren wie am vergangenen Freitag gefragt.

Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten ThyssenKrupp (plus 1,9 Prozent) und MAN (plus 0,43 Prozent) Beide Konzerne sind ab heute auf der Hannover Messe vertreten.

Der Stahlkonzern ThyssenKrupp führt nach eigenen Angaben Gespräche über eine mögliche globale strategische Kooperation mit den beiden japanischen Stahlunternehmen Kawasaki Steel Corp und NKK. Die Gespräche basierten auf dem bisherigen Gedankenaustausch der Tochter ThyssenKrupp Stahl mit NKK hinsichtlich der Zusammenarbeit bei Feinblechen für die Autoindustrie.

Am Ende des Barometers stehen durch die Bank Technologiewerte. Epcos und Infineon verloren je rund 2,7 Prozent. Die T-Aktie gab 2,2 Prozent auf 28,80 Euro nach. Der Konzern legt am Dienstag Zahlen vor.

Am Neuen Markt legten die Aktien von Comroadum mehr als zehn Prozent auf knapp 12 Euro zu und beendeten damit vorerst ihre Talfahrt vom Freitag. Der Anbieter von Telematik-Netzwerken hat seine Beteiligung an der US-amerikanischen InfoMove von 12 Prozent auf mehr als 25 Prozent aufgestockt. Dadurch soll die Position im US-Markt gestärkt werden, der laut einer Studie der UBS Warburg bis 2010 auf 21,7 Milliarden Dollar anschwellen soll.

Um 1,76 Prozent auf 29,47 Euro stiegen die Anteilsscheine der D.Logistics AG. Das Unternehmen hatte am Morgen mitgeteilt, dass es die Cargo Service Center (CSC), eine Tochter der KLM Royal Dutch Airlines, rückwirkend zum 1. Januar 2001 übernehmen wird. Die Finanzierung der Akquisition erfolge über die Veräußerung von Immobilienvermögen der CSC. Außerdem sei ein Kredit aufgenommen worden, für den rund drei Millionen Aktien des Hauptaktionärs D.W. Hübner als Sicherheit dienten.

Schlechte Nachrichten von Refugium und Team

Die Aktie von Refugium verlor rund ein Drittel ihres Wertes auf 1,25 Euro. Nach Presseberichten reicht das Geld bei dem angeschlagenen Altenheimbetreiber noch gerade acht Wochen. Regfugium brauche mindestens 20 bis 30 Millionen Mark, sonst drohe die Pleite.

Team Communications gaben um mehr als 20 Prozent auf schlappe 0,98 Euro nach. Das am Neuen Markt notierte Unternehmen hat einer unabhängigen Prüfung zufolge im Geschäftsjahr 2000 einen Verlust von rund 42,7 Millionen Dollar eingefahren. Im Vorjahr habe der Jahresfehlbetrag noch bei korrigierten rund 4,3 Millionen Dollar gelegen, teilte das Unternehmen in Los Angeles mit. Gleichzeitig sei der Umsatz von etwa 13,6 Millionen Dollar auf rund 14,9 Millionen Dollar gestiegen.

Schröder: Schluss mit dem Jammern

Schwarzmalerei mag Gerhard Schröder nicht. 2,1 statt 2,8 Prozent Wachstums in 2001 – der Kanzler will sich die Performance seiner Regierungsarbeit nicht vermiesen lassen. "Schluss mit dem Jammern", lautet seine auf den Punkt gebrachte Grußbotschaft für die heute beginnende Hannover Messe.

Für Verzagtheit oder gar Resignation hat der Regierungschef kein Ohr. Die deutsche Wirtschaft befinde sich auf einem "robusten Wachstumskurs". Er erwarte deshalb ein "klares Signal der Zuversicht" einer "starken und konkurrenzfähigen Industrie", ließ der Kanzler verlauten. Ein neuer Teilnehmerrekord auf der Hannover Messe und erste Statements der Elektro- und Maschinenbau-Industrie mögen hier die starken Worte Schröders stützen.

Doch mit dem heute anstehenden ifo-Konjunkturindex dürfte ein weiteres wenig erfreuliches Indiz der sich abschwächenden Wirtschaft im Euroraum bekannt werden. Experten rechnen mit einem weiteren Abstieg des Indexes von 94,9 auf 93,9. Dass EZB-Chef Wim Duisenberg indes am Donnerstag es seinem Kollegen von der US-Notenbank gleich tun und die Leitzinsen senken wird, steht indes kaum zu erwarten. An der abwartenden Haltung des obersten europäischen Währungshüters hat sich wenig geändert.

In der vergangenen Woche war es die überraschende US-Leitzinssenkung, die die internationalen Börsen beflügelt hat. Sie fiel weitaus stärker ins Gewicht als die Tatsache, dass einige US-Technologie-Konzerne die drastisch gesenkten Erwartungen zum Teil geringfügig übertroffen haben.

Nicht vergessen werden darf zum Beispiel, dass der Chip-Gigant Intel angekündigt hatte, der Umsatz für das laufende Quartal werde erneut unter den Erwartungen liegen. Der Netzwerkausrüster Nortel Networks hat nach Vorlage schwacher Zahlen erst gar keine Wachstumsprognose abgegeben. Der Vorstand des Softwarekonzerns Siebel Systems sprach ungeschminkt von einem unglaublich schwachen Markt. Einziger wirklicher Lichtblick waren IBM, die ihre Prognosen für das ganze laufende Jahr bestätigt hatten.

Wie steht es um die US-Wirtschaft wirklich?

Machen wir uns nichts vor: In der vergangenen Woche haben wir Quartalsergebnisse großer US-Konzerne gesehen, die im günstigsten Fall mal ein oder zwei Cents je Aktie über den in der Vergangenheit mehrfach dramatisch gesenkten Prognosen lagen. Zugleich hatten zahlreiche Konzerne – vor allem aus dem Technologiebereich - in den vergangenen Wochen Massenentlassungen angekündigt. Insgesamt sind davon rund 240.000 Beschäftigte betroffen. Die US-Arbeitslosenquote ist von 3,9 Prozent auf 4,3 Prozent gestiegen.

Zu Recht fragen sich die Investoren, ob die Rallye angesichts der schwachen US-Konjunktur nicht zu weit gegangen ist, ob es sich nicht um eine klassische Bärenmarkt-Rallye handelt. Die bange Frage lautet: Was weiß Alan Greenspan, was wir nicht wissen?

Mehr Licht ins Dunkel der US-Konjunktur bringen am Dienstag Zahlen zum US-Verbrauchervertrauen. Donnerstag stehen die Zahlen zum Arbeitskosten-Index an, und zum Wochenschluss gibt es Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt der USA im ersten Quartal. Schon jetzt wird gemunkelt, Greenspan könnte wegen vermutlich schwacher Zahlen erneut die Leitzinsen senken.

Zum Wochenschluss in den USA waren die Investoren jedenfalls auf Nummer sicher gegangen und nahmen die Kursgewinne zum Teil wieder mit. Dow Jones und Nasdaq fielen zum Wochenschluss mit rund einem Prozent ins Minus. Gleichwohl sprachen Händler von einer sich abzeichnenden Bodenbildung an den US-Börsen.

Leichte Rückschläge wollen Händler andererseits auch in dieser Woche nicht ausschließen, in der unter anderem Compaq, JDS Uniphase, Lucent und AT&T ihre Geschäftszahlen vorlegen werden.

In Deutschland müssen in dieser Woche die Deutsche Telekom und Infineon Farbe bekennen. Mit Zahlen warten auch Siemens, DaimlerChrysler, BASF und Bayer auf.

Die asiatischen Börsen zeigten sich nach Gewinnmitnahmen durch die Bank weg schwächer. Der Nikkei-Index der asiatischen Leitbörse in Tokio notierte 50 Punkte niedriger bei 13.716 Zählern.