Börse am Morgen: Techwerte kriechen aus dem Keller - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Techwerte kriechen aus dem Keller

Die deutschen Aktienmärkte befinden sich auf Erholungskurs. Technologiewerte und die T-Aktie gehören zu den größten Gewinnern. SAP macht zunächst das Rennen. Am Neuen Markt kann Qiagen nach dem Kursdesaster des Vortages nicht punkten.
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Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte sind am Donnerstag nach den deutlichen Vortagesverlusten mit Gewinnen in den Handel gestartet. Der Dax legte bis 9.27 Uhr 1,5 Prozent auf 4200 Zähler zu und machte damit seine Vortagesverluste wett. Die Wachstumswerte im Nemax 50, die am Vortag mit Verlusten von mehr als fünf Prozent geschlossen hatten, präsentierten sich 2,5 Prozent fester auf 544 Punkte.

Technologiewerte im Dax befanden sich auf Erholungskurs und profitierten dabei von den starken Vorgaben der Wall Street. So war die US-Technologiebörse Nasdaq mit einem Plus von 1,7 Prozent aus dem Handel gegangen. Der Philadelphia Halbleiter-Index hatte sogar um 4,2 Prozent zugelegt. Schlechte Nachrichten aus den USA sind heute auch nicht zu erwarten. Die US-Aktienmärkte bleiben wegen des Nationalfeiertages geschlossen.

Technologiewerte im Dax gaben den Ton an. SAP   setzten sich mit Kursgewinnen von mehr als vier Prozent auf knapp 93 Euro an die Spitze des Börsenbarometers. Das Papier hatte am Vortag unter Gewinnwarnungen von mehreren US-Softwareunternehmen gelitten. Deutsche Telekom   machten rund vier Prozent auf 9,48 Euro gut und glichen damit die Vortagesverluste aus. Epcos   rückten um rund drei Prozent auf 31,17 Euro vor.

Der amerikanische Siemens  - Chef Klaus Kleinfeld hatte sich trotz der schwachen US-Konjunktur "verhalten optimistisch" über eine baldige Wende bei der defizitären US-Sparte geäußert. Die Aktie des Münchener Konzerns zog am Morgen um 3,70 Prozent auf 58 Euro an.

Die Aktie des Einzelhandelskonzerns Metro   gewann zunächst rund drei Prozent hinzu, nachdem die Aktie auf grund der am Vortag veröffentlichten schwachen Einzelhandelszahlen um knapp sechs Prozent gefallen war.

Eon will von ExxonMobil, Shell und Preussag deren Ruhrgas-Anteile von zusammen 40 Prozent übernehmen und damit Ruhrgas vollständig in seinen Besitz bringen. Mit den drei Firmen seien Vereinbarungen für den Erwerb für zusammen 4,1 Milliarden Euro getroffen worden, teilte Eon am späten Mittwochabend mit. Der Energiekonzern plant bereits den Kauf von 60 Prozent der Ruhrgas-Anteile, die von den Firmen Gelsenberg und Bergemann gehalten werden. Das Bundeskartellamt hat dies aber untersagt.

Eon hat daraufhin beim Bundeswirtschaftsministerium eine Ministererlaubnis beantragt. Die Entscheidung wird in den kommenden Tagen erwartet. Eon will mit der Übernahme der Ruhrgas zu einem der größten Gasunternehmen Europas aufsteigen. Die Aktie von Eon   präsentierte sich zu Handelsbeginn 0,60 Prozent fester auf knapp 58 Euro.

Die Aktie der Post verlor zum Handelsauftakt 0,23 Prozent auf 12,84 Euro. Ein Grund dafür dürfte die Ankündigung des US-Paketdienstes UPS sein, in Deutschland ein eigenes Filialnetz ähnlich dem der Deutschen Post   aufzubauen. Die Post-Aktie hatte am Mittwoch rund drei Prozent zugelegt. Zu den Verlierern zählten auch Henkel   (minus 0,35 Prozent), die am Vortag als Dax-Sieger mit Kurszuwächsen von mehr als vier Prozent aus dem Handel gegangen waren.

Am Neuen Markt konnten die Aktien von Qiagen   nach Verlusten von 30 Prozent am Vortag kaum zulegen und notierten bei 7,15 Euro. Die am Vortag verprügelten Werte Aixtron   und ce Consumer   gehörten dagegen zu den Spitzenwerten im Nemax 50.

Schicksal von Babcock hängt am seidenen Faden

Die Zukunft des angeschlagenen Babcock-Konzerns hängt nach Angaben des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement (SPD) am "seidenen Faden". Die Banken des Anlagenbauers hätten sich am Mittwoch nicht auf ein Sanierungspaket einigen können, sagte Clement in der Nacht zum Donnerstag. Ihnen fehle offenbar das Vertrauen in das Sanierungskonzept. Aktien von Babcock Borsig   waren bereits vorbörslich um mehr als zehn Prozent abgerutscht und gaben nach Handelsauftakt mehr als 27 Prozent nach.

"Ich kann Ihnen beim besten Willen nicht sagen, ob es gelingt eine Lösung zu finden, was ich von Herzen hoffe", sagte Clement. Nach Beratungen in ihren Gremien würden sich die Banken am Donnerstagnachmittag endgültig zu einer möglichen Rettung von Babcock Borsig äußern. Sollten die Banken am Donnerstag keine Kreditzusagen machen, müsse Babcock Insolvenz beantragen, erklärte der Regierungschef.

Keine Zinserhöhung erwartet

Die massive Aufwertung des Euro verschafft der Europäischen Zentralbank (EZB) was eine Leitzinsanhebung angeht einen zeitlichen Puffer. Trotz deutlicher Ausweitung der Geldmenge in der Eurozone dämpfen die hohen Wechselkurse zum Dollar die Importpreise für Erdöl- und Mineralölprodukte. Damit wird die Inflationsgefahr in den zwölf Ländern der Währungsunion im Zaum gehalten. EZB-Präsident Wim Duisenberg und seine geldpolitische Mannschaft können somit länger am niedrigen Zinsniveau festhalten. Der EZB-Rat, der über die Leitzinsen im Euroraum entscheidet, tagt an diesem Donnerstag. Volkswirte rechnen einhellig damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) an diesem Donnerstag ihren wichtigsten Leitzins bei 3,25 Prozent belässt.

Kurs des Euro gefallen

Der Kurs des Euro ist am Donnerstagmorgen etwas gefallen und notierte unter der Marke von 0,98 US-Dollar. Um 8.20 Uhr kostete die europäische Gemeinschaftswährung in Frankfurt 0,9775 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch bei 0,9780 (Dienstag: 0,9838) US-Dollar festgesetzt. Vor dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) hätten die Marktteilnehmer eine abwartende Haltung eingenommen, sagte ein Händler in Tokio.

Der Kurs des Euro befinde sich zur Zeit in einer Konsolidierungsphase in der er in den nächsten Tagen bis auf 0,9600 Dollar fallen könne, sagte der Händler. Danach dürfte er jedoch wieder die Parität zum Dollar in Angriff nehmen.

Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss am Donnerstag deutlich leichter. Der Nikkei gab 1,7 Prozent auf 10.632 Punkte ab. Händler in Tokio begründeten die Abwärtstendenz unter anderem mit Gewinnmitnahmen nach der Kursrallye am Vortag.

Die Aufholjagd an der Wall Street

Die Aufholjagd an der Wall Street

Die Börsen in New York hatten im späten Handelsgeschäft eine Bilderbuch-Kehrtwende hingelegt und schlossen deutlich im Plus. Zu Handelsschluss in Deutschland hatten Dow Jones (plus 0,5 Prozent auf 9054 Zähler) und Nasdaq Composite (plus 1,7 Prozent auf 1380 Punkte) noch im roten Bereich notiert.

Nach einem negativen Start hatten die US-Börsen am Mittwoch bis zum Abend wieder in die Pluszone gedreht. Anfänglich hatte noch die Umsatzwarnung des Mikroprozessorenherstellers AMD belastet. Dass der Chiphersteller innerhalb von zwei Wochen zwei Mal die Prognosen senkte, löste allerdings weniger Panik aus, als zuvor erwartet wurde. Vor allem Technologiewerte gingen auf Erholungstour.

Die anfänglich nur wenig beachteten aktuellen Konjunkturdaten seien von den Anlegern doch noch positiv bewertet worden, sagten Händler Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung waren stärker gesunken als von Volkswirten erwartet.

Vor allem Aktien des Chipherstellers Intel   waren gefragt. Sie kletterten bis zum Schlussgong um mehr als sieben Prozent. AMD konnten ihre Verluste zum Handelsschluss auf rund vier Prozent verringern. Spitzenreiter im Dow Jones waren jedoch die Titel der US-Baumarktkette Home Depot  , die um mehr als neun Prozent kletterten.

Medientitel, die am Vortag teils ganz oben unter den Verlierern waren, erholten sich. Autowerte gerieten dagegen nach der Veröffentlichung von Absatzzahlen unter Druck: General Motors   reduzierten ihre Verluste bis zum Abend allerdings auf 0,70. Zwar konnte der größte Autobauer der Welt sein Verkaufsergebnis im Juni steigern. In den ersten sechs Monaten ging der Fahrzeug-Absatz allerdings um 2,3 Prozent auf 2,41 Millionen Stück zurück.

Unter den Schwergewichten der Technologieriege legten Computerhersteller Apple um mehr als drei Prozent zu. Microsoft stiegen um zwei und Cisco Systems um rund ein Prozent zu. Aktien des Softwareherstellers Oracle rückten gar um mehr als zehn Prozent vor und Yahoo   erholten sich um mehr als sieben Prozent.