Börse am Morgen Telekom erholt sich
Frankfurt am Main Der Dax verlor bislang 0,3 Prozent auf 6106 Zähler. Am Neuen Markt steht der Nemax 50 mit 0,6 Prozent bei 1846 Punkten im Plus - und kommt damit schon wieder etwas zurück. Zum Börsenstart hatte der Zuwachs noch bei knapp 0,9 Prozent gelegen.
SAP startete mit einem satten Minus von 5,77 Prozent auf 152,99 Euro. Ein Frankfurter Händler begründete die Verluste mit der nachbörslichen Gewinnwarnung des US-Konkurrenten Oracle. Die Prognose habe deutlich unter den Schätzungen der Wall Street-Analysten gelegen. Zudem hätten die Analysten von Goldman Sachs den SAP-Titel heruntergestuft, sagte ein Londoner Händler.
Die Dax-Spitze führte die Deutsche Telekom an. Die T-Aktie gewann bis 9.25 Uhr 2,75 Prozent auf 26,87 Euro. "Der Titel ist seit Tagen stabil, das schlimmste dürfte nun überstanden sein", sagte Jürgen Raabe, Händler bei der Gontard & Metallbank. Die Telekom-Papiere seien "eindeutig überverkauft" gewesen. Infineon, Siemens und Epcos tendierten ebenfalls fester. Die positive Nasdaq schien zunächst die schlechten Nachrichten von Oracle zu überwiegen.
Unter den Dax-Werten steht heute ThyssenKrupp im Blickpunkt. Wird Aufsichtsratschef Heinz Kriwet auf der heutigen Hauptversammlung entlastet? Beobachter bemängeln, der Ruhrkonzern fahre nur mit angezogener Handbremse, was sie auf den überdimensionalen Vorstand aus neun Mitgliedern und die Doppelspitze im Vorsitz mit Gerhard Cromme und Ekkehard Schulz zurückführen. Die Aktie von Thyssen-Krupp hatte gestern 6,8 Prozent auf 18,52 Euro nachgegeben und legt im frühen Handel um 0,8 Prozent zu.
Autowerte tendierten etwas fester. DaimlerChrysler meldete einen Rückgang der Verkaufszahlen in den USA. Ursache sei weiterhin die sich abschwächende US-Konjunktur. BMW steigerte dagegen im Februar 2001 den US-Autoabsatz um 19 Prozent. Die DaimlerChrysler-Aktie lag zu Handelsbeginn 0,1 Prozent im Plus, Volkswagen gewann 0,4 und BMW 0,5 Prozent.
Der deutsch-französische Life-Science-Konzern Aventis hat seinen Nettogewinn um 63 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro gesteigert und die Erwartungen übertroffen. Der Umsatz ist um 9,1 Prozent auf 22,3 Milliarden Euro gestiegen. Die im Euro-Stoxx notierte Aktie stieg zu Handelsbeginn um rund zwei Prozent.
Die Aventis-Bilanz dürfte das Interesse der Anleger erneut auf die Pharmabranche lenken. Das Branchen-Hopping der Investoren war in den vergangenen Wochen sehr ausgeprägt: Indiz für die Unsicherheit in einem Bärenmarkt.
Im Nemax 50 liegen die Verlierer von gestern vorn. Heyde und Diraba legten jeweils rund fünf Prozent zu. D-Logistics setzte dagegen seine Talfahrt fort und gehörte im frühen Handel mit Lion Bioscience zu den größten Verlierern. Consors legte im frühen Handel leicht zu. Der Online-Broker hat eine Kooperation mit der BIS Börsen-Informations-Systeme AG bekannt gegeben. Die BIS-Aktie stieg deutlicher um mehr als sieben Prozent.
Das E-Business-Unternehmen Openshop hat zwar seinen Umsatz kräftig gesteigert, jedoch einen deutlich höheren Verlust erwirtschaftet als erwartet. Die Anleger strafen diese Nachricht mit einem Abschlag von rund 17 Prozent ab.
Die Anfangsgewinne am Neuen Markt seien eine "technische Reaktion", sagte Franz Kaim, Händler bei Lang & Schwarz. Die Wachstumswerte würden sich "an das amerikanische Niveau anpassen", nachdem die Nasdaq am Donnerstag nach dem Frankfurter Börsenschluss ins Plus gedreht habe. Allerdings sei das Käuferinteresse "gering": Kleine Verkäufe würden da schon große Kursbewegungen auslösen, ergänzte Kaim.
Mit einem Kurssprung von 28,79% auf 1,70 Euro überraschten die Anteilsscheine der teamwork information management AG. Nach Unternehmensangaben habe die Gläubigerversammlung dem Sanierungskonzept einstimmig zugestimmt. Danach könne der Geschäftsbetrieb "in vollem Umfang aufrecht erhalten" werden. Für das laufende Jahr erwartet teamwork einen Umsatz von 20 Millionen Mark. Wenn dieses Ziel erreicht wird, sei mit einem ausgeglichenen Ergebnis zu rechnen.
Händler Kaim sagte, es könne davon ausgegangen werden, dass die Planzahlen eingehalten würden. Es sei "ein positives Zeichen", dass sich ein Neuer-Markt-Unternehmen wieder stabilisiere.
Der Euro setzt seinen Erholungskurs fort. Die Gemeinschaftswährung hat die Marke von 93 Cent übersprungen und notierte am Morgen fester mit 0,9311 Dollar nach 0,9240 Dollar am Vortag. Heute nachmittag spricht US-Notenbankchef Alan Greenspan erneut vor dem Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses.