Börse am Morgen Tiefroter Auftakt
Frankfurt am Main - Nach schwachen Vorgaben aus den USA haben die deutschen Aktienmärkte mit deutlichen Abschlägen eröffnet. Der Dax verlor bis 9.30 Uhr 1,3 Prozent auf 5386 Zähler. Die Wachstumswerte im Nemax 50 rutschten um drei Prozent auf 1093 Punkte ab, nachdem sie bereits am Vortag 2,8 Prozent verloren hatten. Der Index näherte sich damit seinem Jahrestief von 1066 Punkten. Vermutlich werden sich die Anleger weiter zurück halten: In den USA stehen weitere Konjunkturdaten an. Zudem legen US-Computerkonzerne ihre Geschäftszahlen vor.
Zu den größten Gewinnern im Dax zählten die Aktien von Eon, die nach Vorlage der Halbjahreszahlen rund 0,72 Prozent zulegten auf 60,50 Euro. Eon erwartet für das Geschäftsjahr 2001 weiter ein Betriebsergebnis deutlich über Vorjahr. Im ersten Halbjahr 2001 sei das Betriebsergebnis gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 52 Prozent auf 1,96 Milliarden Euro gestiegen, hieß es am Donnerstag in einer ad-hoc-Mitteilung. Der erhebliche Anstieg sei vorwiegend auf die erfolgreiche Portfoliobereinigung im Bereich Telekommunikation zurückzuführen.
Nach Bayer könnten nun auch auf Siemens Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe zukommen. Angehörige von US-Bürgern, die im November 2000 bei dem Bergbahnunglück im österreichischen Kaprun ums Leben gekommen sind, wollen den Elektronik-Konzern Siemens verklagen. Sie hätten in New York Klage gegen Siemens und deren österreichische Tochter eingereicht, berichtet die "FTD". Klägeranwalt Ed Fagan schätze den Streitwert auf umgerechnet 1,1 bis 1,3 Milliarden Mark. "Diese Brandkatastrophe wird den Absturz der französischen Concorde als geradezu billig erscheinen lassen", sagte Fagan. Die Aktie von Siemens verloren zu Handelsbeginn 1,31 Prozent auf 58,81 Euro.
Nach den schwachen Vorgaben der US-Technologiebörse Nasdaq gehörten Technologiewerte zu den größten Verlierern. SAP, Infineon und Epcos gaben zwischen 1,33 und 3,43 Prozent ab.
Schwächster Wert im Dax war allerdings die T-Aktie, die zunächst 4,60 Prozent auf 18,24 Euro nachgab und damit ein Jahrestief markierte. Die Deutsche Telekom soll nach Presseberichten versucht haben, sechs Investmentbanken an die kurze Leine nehmen. Der Konzern habe den Banken zusätzliche Aufträge angeboten, wenn sie auf den Verkauf von T-Aktien-Paketen verzichten, berichtete die "FTD".
Die Direkt Anlage Bank hat vor dem Hintergrund der andauernden Börsenschwäche ihren Verlust im zweiten Quartal 2001 gegenüber dem Vorquartal leicht ausgeweitet und damit ein Ergebnis am unteren Rand der Analystenschätzungen erreicht. Der Verlust nach Steuern liege im abgelaufenen Quartal bei 25,03 (Vorquartal: 23,77) Millionen Euro, teilte das im Nemax 50 gelistete Unternehmen mit. Analysten hatten mit einem Fehlbetrag zwischen 22,30 und 27,40 Mill. Euro gerechnet. Die Aktie zeigte sich zu Handelsbeginn 1,40 Prozent schwächer auf 14,30 Euro.
Der künftige Nemax 50-Aufsteiger SÜSS Microtec hat nach den ersten sechs Monaten die Ertragsziele für das Gesamtjahr bestätigt. Im ersten Halbjahr erzielte der Hersteller von Fertigung- und Prüftechnik für die Halbleiterindustrie einen Umsatz von 102,5 Millionen Euro und damit 81,4 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum (56,5 Millionen Euro). Das Ergebnis pro Aktie stieg von 0,08 Euro im Vorjahr auf 0,59 Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) schoss um 506 Prozent auf 16,3 Millionen Euro, teilte das Unternehmen mit. Im Vorjahr hatte das 2,7 Millionen Euro verdient. Die Ebit-Marge wurde in diesem Halbjahr auf 15,9 Prozent gesteigert (Vorjahr: 4,8 Prozent). Die Aktie gewann 4,20 Prozent auf 28,65 Euro.
Das Unternehmen rechnet unverändert mit einer 30-prozentigen Umsatzsteigerung auf 210 Millionen Euro und Ergebnis nach Steuern von 16 Millionen Euro, nach 12 Millionen Euro im Vorjahr.
Schwache Vorgaben aus New York
Die deutschen Aktienmärkte werden heute einmal mehr am Tropf der Wall Street hängen. Es gilt zunächst die schwachen Vorgaben der US-Börsen zu bewältigen. Insbesondere Technologiewerte werden unter Druck geraten. Denn nach Börsenschluss ging es an US-Technologiebörse Nasdaq (minus 2,32 Prozent auf 1919 Punkte) weiter bergab. Der Index fiel auf ein Vier-Monatstief. Am Markt werde befürchtet, die Nasdaq könne womöglich sogar alte Tiefstände vom April bei 1650 Zählern markieren. Händler hatten das schwache Abschneiden mit Gewinnwarnungen und Abstufungen von Technologieaktien begründet.
Um so angespannter erwarten Investoren in den USA heute die Quartalszahlen der Computerkonzerne Dell und Hewlett Packard. Dell legt nach Börsenschluss seine Zahlen vor. Hewlett Packard werde noch im Verlauf des Handelstages seine Ergebnisse präsentieren. Nicht zuletzt werden Börsianer sich sehr genau neue US-Konjunkturdaten anschauen: Gegen 14.30 Uhr (MEZ) wissen wir mehr über die Entwicklung der Verbraucherpreise und der Realeinkommen im Monat Juli.
Die asiatische Leitbörse in Tokio ging nach den schwachen Vorgaben aus New York deutlich schwächer aus dem Handel. Der Nikkei verlor zwei Prozent oder 240 Punkte auf 11.515 Zähler.