Börse am Morgen: Übernahme beflügelt Thiel - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Übernahme beflügelt Thiel

Die deutschen Aktienmärkte notieren am Vormittag fest. MAN übertrifft die Erwartungen, auch Degussa gewinnt hinzu. Am Neuen Markt zieht die Aktie des Logistikdienstleisters Thiel kräftig an.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Die deutschen Standardwerte sind dank der späten Erholung an den US-Börsen und überraschend guter Quartalszahlen von MAN fester in den Handel gestartet. Der Dax zog am Dienstag bis 9.40 Uhr um rund ein Prozent auf 3679 Zähler an. Die Wachstumswerte am Neuen Markt präsentierten sich ebenfalls fester. Der Nemax50 kletterte zuletzt um 0,3 Prozent auf 493 Punkte.

Vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed am Abend dürften sich die Anleger am Markt weitgehend abwartend verhalten, sagte ein Frankfurter Aktienhändler. Analysten rechnen überwiegend damit, dass der US-Leitzins unverändert bei 1,75 Prozent auf dem niedrigsten Niveau seit 40 Jahren bleibt.

MAN überrascht mit guten Zahlen

Der Maschinenbau- und Nutzfahrzeugekonzern MAN   hat im zweiten Quartal wieder schwarze Zahlen geschrieben. Vor Steuern sei ein Gewinn von 78 Millionen Euro verbucht worden, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Im ersten Quartal hatte MAN auf dieser Basis noch einen Verlust von 75 Millionen Euro eingefahren. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutete das Vorsteuerergebnis ein Plus von 22 Prozent. Der Umsatz blieb im ersten Quartal mit 3,8 Milliarden Euro vier Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Die Zahlen lagen über den Erwartungen der Analysten. Die Aktie von MAN zog zunächst um sechs Prozent auf 19,40 Euro an.

MAN wird seine Gewinnprognose im laufenden Jahr nach eigener Einschätzung nur mit einem Kraftakt erreichen. Angesichts eines erhöhten Margendrucks bedürfe es erhöhter Anstrengungen, das angestrebte Ziel zu erfüllen, teilte MAN am Dienstag in München mit. Dazu seien auch weitere Kosteneinsparungen notwendig. MAN hatte es sich zum Ziel gesetzt, in diesem Jahr den Gewinn vor Steuern in Höhe von 213 Millionen Euro des Vorjahres zu übertreffen.

Was wird aus Degussa?

Der Spezialchemiekonzern Degussa   hat im zweiten Quartal im Kerngeschäft einen Rückgang beim Ergebnis und Umsatz verbucht. Das Ebit im Kerngeschäft ging um ein Prozent auf 284 Millionen Euro zurück. Damit lag die Kennziffer im Durchschnitt über den Analystenerwartungen. Insgesamt ging das Ebit um sieben Prozent auf 280 Millionen Euro zurück. Der Umsatz im Kerngeschäft sank den Angaben zufolge um ein Prozent auf 2,844 Milliarden Euro.

Degussa erwartet entgegen der bisherigen Erwartungen noch keine Anzeichen für eine durchgreifende konjunkturelle Belebung im zweiten Halbjahr 2002. Dennoch gehe der Konzern unverändert bei Ebit und Betriebsergebnis im Kerngeschäft von einer leichten Steigerung im Gesamtjahr aus. Die Aktie gewann zunächst rund ein Prozent auf 32,27 Euro hinzu.

Eine erste Vorentscheidung in der Frage, ob die Degussa nach der Übernahme durch die Essener RAG AG im Dax notiert bleibt, ist möglicherweise bereits am Montag gefallen: Der Großteil des bisher im Streubesitz befindlichen Aktienkapitals geht in den Besitz RAG über, der Free Float beträgt danach nur noch rund sieben Prozent. Ob die Deutsche Börse dies zum Anlass nimmt, Degussa aus dem Index der Top-30 herauszunehmen, ist nach Einschätzung von Analysten ungewiss, da Eon auch ihre restlichen 46,5 Prozent abstoßen will.

Zu den Spitzenwerten im Dax zählten überdies Bayer   und BASF  , die jeweils rund zwei Prozent zulegten. Commerzbank  -Titel konnten an ihrem Aufwärtstrend des Vortages anknüpfen. HypoVereinsbank   gewannen nach Verlusten von vier Prozent am Vortag zuletzt rund zwei Prozent auf 21,20 Euro hinzu.

Beiersdorf-Aktie gibt nach Zahlen nach

Der Kosmetikkonzern Beiersdorf   hat im ersten Halbjahr Umsatz und Ergebnis gesteigert, gleichzeitig aber seine Prognosen für das Gesamtjahr leicht nach unten revidiert. Der Umsatz solle im Gesamtjahr nur noch um rund 4 Prozent auf 4,70 Milliarden Euro wachsen, teilte das im MDax notierte Unternehmen am Dienstag in Hamburg mit.

Zuvor war Beiersdorf von 4,75 Milliarden Euro ausgegangen. Beim Jahresüberschuss erwartet der Konzern nun 275 Millionen Euro. Noch auf der Hauptversammlung Anfang Juni hatte Unternehmenschef Rolf Kunisch 285 Millionen Euro Reingewinn angekündigt. Die Aktie gab im frühen Handel zunächst mehr als vier Prozent auf 95,96 Euro nach.

Neuer Markt: Thiel-Aktie steigt kräftig nach Übernahme

Am Neuen Markt legte der Chipbroker CE Consumer   schlechte Zahlen vor. CE ist im zweiten Quartal bei rückläufigen Umsätzen und wegen hoher Sonderabschreibungen tief in die roten Zahlen abgerutscht.

Der Umsatz reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahresquartal um gut 16 Prozent auf 80,6 Millionen Euro, teilte das im Nemax 50 notierte Unternehmen am Dienstag in München mit. Im gesamten ersten Halbjahr 2002 fielen die Erlöse um annähernd 20 Prozent auf 177,2 Millionen Euro.

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sei durch einmalige Abschreibungen auf Beteiligungen, Forderungen und Vorräte in Höhe von 47 Millionen Euro belastet worden und belief sich auf minus 52,3 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehemen auf gleicher Basis noch einen Gewinn von 3,6 Millionen Euro erzielt. Die Aktie notierte allerdings kaum auf die Nachricht. Das Papier stand bei 1,82 Euro.

Der Luxemburger Logistikdienstleister Thiel Logistik   wird von der strategischen Beteiligungsholding Delton AG mehrheitlich übernommen. Die Bad Homburger Delton AG habe Zugriff auf rund 45 Prozent der Anteile an Thiel, teilte das im Auswahlindex Nemax 50 gelistete Unternehmen am Dienstag in einer Pflichtveröffentlichung mit. Eine höhere Beteiligung als knapp über fünfzig Prozent an Thiel werde von Delton nicht angestrebt, hieß es. Die Aktie von Thiel zog um rund zwölf Prozent an und war damit stärkster Wert im Nemax 50.

Euro knapp unter 98 Cent

Der Kurs des Euro hat am Dienstagmorgen knapp unter der Marke von 98 US-Cent notiert. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 7.50 Uhr 0,9786 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag bei 0,9780 (Freitag: 0,9729) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,0225 (1,0279) Euro.

Vor dem Zinsentscheid der US-Notenbank Fed am Abend gegen 20.15 Uhr hielten sich die Marktteilnehmer zurück, sagten Händler. Die Umsätze seien sehr gering. Die Mehrheit der Volkswirte erwartet bei der Sitzung des geldpolitischen Ausschusses zwar keine Leitzinssenkung. Der wichtigste Leitzins beträgt derzeit 1,75 Prozent und befindet sich damit bereits auf dem niedrigsten Stand seit 40 Jahren. "Die Marktteilnehmer sind aber neugierig, ob der Offenmarktausschuss eine Neueinschätzung der geldpolitischen Ausrichtung vornimmt", sagte Takashi Fujieda, Devisen-Manager bei Mizuho Asset Trust Bank.

Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss am Montag mit Verlusten. Der Nikkei gab 0,4 Prozent auf 9707 Zähler ab.

Wall Street: Verluste im späten Geschäft reduziert

Wall Street: Verluste im späten Geschäft reduziert

Schwindende Hoffnungen auf eine Zinssenkung und der Insolvenzantrag der Fluggesellschaft US Airways sowie die Angst vor weitern Insolvenzen haben die Wall Street am Montag belastet. Immerhin: Im späten Geschäft konnte der Dow Jones seine Verluste auf 0,7 Prozent oder 8688 Punkte reduzieren. Der Nasdaq Composite schaffte sogar mit 0,1 Prozent den Sprung in die Pluszone, Endstand: 1306 Punkte.

Die Mehrheit der Analysten erwartet derweil keine Rücknahme der Zinsen an diesem Dienstag. Nach einer gestern veröffentlichten Umfrage des Forschungsinstituts National Association for Business Economics (NABE) zufolge werde die US-Wirtschaft aller Voraussicht nach nicht in eine erneute Rezession abrutschen und brauche daher auch keine neue Zinssenkung. Die Notenbank wird ihre Entscheidung kurz nach Börsenschluss in Deutschland bekannt geben.

Finanzwerte kamen unter Verkaufsdruck. Zu den Verlierern gehörten unter anderem Citigroup  , J.P. Morgan Chase   und Fannie Mae. "Finanztitel fielen, weil eine Zinssenkung unwahrscheinlich ist", sagte James Weiss, Fondsmanager bei State Street Research & Management.

Aktien der Fluggesellschaften fielen nach dem Konkursantrag der US Airways   und Anlegersorgen über mögliche weitere Insolvenzanträge in der nach den Terrorangriffen vom 11. September hochverschuldeten Branche. US Airways fielen im nachbörslichen Handel um 76 Prozent auf 0,60 Dollar. Die Titel von Delta Airlines gaben rund vier Prozent nach. Auch UAL, die Holding der Fluglinie United Airlines, geriet unter Verkaufsdruck. Der zweitgrößte Carrier gilt als nächster Konkurskandidat. UAL fielen 27 Prozent.

An der Technologiebörse Nasdaq belastete nach Händlerangaben die Senkung eines Kursziels für die Aktien des führenden Zulieferers der Halbleiterindustrie, Applied Materials, auch andere Titel der Branche. Prudential Securities hatte das zwölfmonatige Kursziel für die Aktien des Unternehmens auf 21 von zuvor 27 Dollar gesenkt.