Börse am Morgen: Verkaufsorgie in Frankfurt - DER SPIEGEL
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Börse am Morgen Verkaufsorgie in Frankfurt

Der Dax ist zum Wochenauftakt mit über 100 Punkten im Minus gestartet und kämpft mit der 2800-Punkte-Marke. In allen Branchen sind die Verluste gewaltig.
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Frankfurt am Main – Ein ganzer Cocktail schlechter Nachrichten hat den Börsianern einen bitteren Wochenauftakt beschert. Der Dax rutschte innerhalb der ersten 20 Handelsminuten um 3,5 Prozent auf 2817 Punkte. Am Neuen Markt notierte der Nemax 50 auf 345 Zählern, ein Minus von 3,6 Prozent.

Händler erklärten den Ausverkauf mit anhaltende Sorgen über die Konjunkturentwicklung und schwache Vorgaben der US-Leitbörsen. "Wir werden einen kleinen Crash sehen", sagte ein Aktienhändler am Morgen. Es gebe weiterhin Sorgen wegen der nur schwachen konjunkturellen Entwicklung und sogar Angst vor einer Rezession in Deutschland und den USA.

Der weitere Handelsverlauf hängt von den Konjunkturdaten ab, die in den USA erwartet werden: Der Chicagoer Einkaufsmanager für September wird veröffentlicht sowie die Einkommen und Ausgaben der US-Privathaushalte im August. In Europa werden September-Schätzungen über die Veränderungen der Verbraucherpreise erwartet. Für Deutschland nicht ohne Gewicht: Finanzminister Hans Eichel (SPD) wird voraussichtlich die Wachstumsprognose für das kommende Jahr reduzieren. Der Haushaltsplanung soll nur noch ein Wachstum von 1,5 statt bisher 2,5 Prozent zugrunde gelegt werden.

Gerüchte drücken die Commerzbank ins Minus

Im frühen Handel fielen die Papiere der Commerzbank   um mehr als drei Prozent auf 7,07 Euro. Die Commerzbank hat nach den Worten ihres Vorstandssprechers Klaus-Peter Müller derzeit weder einen Liquiditätsengpass noch unerwartete Probleme im Kreditgeschäft. Anderslautende Gerüchte hatten in der Vorwoche bereits zu starken Kursverlusten an der Börse geführt.

Im Dax ragten zudem die Kurseinbußen der Technologiefirmen Epcos   und Infineon   heraus. Epcos-Titel fielen um knapp sieben Prozent. Infineon- und SAP  -Aktien   gaben mehr als drei Prozent nach. Derweil brachen TUI-Aktien   um mehr als neun Prozent ein.

Am Neuen Markt stiegen die Titel der angeschlagenen MobilCom   zeitweise um elf Prozent. Der Hongkonger Mischkonzern Hutchison Whampoa   prüft einem Medienbericht zufolge eine Beteiligung an MobilCom.

Nikkei profitiert nur kurz von Yanagisawa-Rücktritt

Die Aktienbörse in Tokio hat am Montag schwach geschlossen. Nur kurz konnten die Aktien vom Ausscheiden des umstrittenen Staatsministers für die Finanzaufsicht, Hakuo Yanagisawa, profitieren. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte machte kurz nach Bekanntgabe der Kabinettsumbildung einen großen Teil seiner Verluste wieder wett, gab jedoch bald darauf wieder nach. Das Börsenbarometer schloss bei 9383 Zählern, ein Minus von 1,5 Prozent.

Yanagisawa war umstritten, da er sich stur gegen eine neue Runde öffentlicher Gelder zur Rekapitalisierung der unter massiven faulen Krediten leidenden Banken ausgesprochen hatte. Der im Amt bestätigte Wirtschaftsminister Heizo Takenaka übernimmt nun seine Aufgaben mit.

Euro weiter über 0,98 Dollar

Der Euro-Kurs hat am Montag die am Freitagabend erzielten Gewinne verteidigt. Gegen 9.05 Uhr kostete die Gemeinschaftswährung in Frankfurt 0,9838 Dollar. Im Gefolge eines schwachen US-Aktienmarktes hatte der Euro im späten Freitagshandel die Marke von 0,98 Dollar überschritten, nachdem zuvor die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch auf 0,9779 (Donnerstag: 0,9796) Dollar festgelegt hatte.

Thomas Amend von HSBC Trinkaus & Burkhardt erwartet für den weiteren Tagesverlauf eine Seitwärtsbewegung des Euro-Kurses. Das Treffen von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank am Wochenende habe keine Auswirkungen auf den Devisenmarkt gehabt. Interessant sei die Entwicklung des Euro und des Dollar zum Yen nach der geänderten Zusammensetzung der japanischen Regierung. Diese Veränderung beeinflusse indirekt auch das Euro-Dollar-Verhältnis.