Börse am Morgen Versicherer schmieren ab
Frankfurt am Main - Der Dax hat an die Talfahrt vom Vortag angeknüpft und verlor innerhalb der ersten halben Handelsstunde um 1,1 Prozent auf 3640 Punkte. Der MDax rutschte um 0,4 Prozent auf 3409 Zähler. Am Neuen Markt notierte der Nemax 50 auf 493 Punkten, ein Minus von 1,7 Prozent.
Der Handelsauftakt wurde geprägt von einer Reihe von Bilanzen, die entweder vorbörslich bereits bekannt gegeben wurden oder erst im Verlauf veröffentlicht werden sollen. So berichten heute unter anderem die Dax-Unternehmen Münchener Rück und TUI . Aus dem MDax haben sich Leoni , Jenoptik und AWD angemeldet. Am Neuen Markt veröffentlichen MobilCom , Gauss Interprise und Advanced Medien ihre Bilanz.
Die Aktie der Münchener Rück notierte vor Veröffentlichung der Geschäftszahlen schwach. Die Titel rutschten um rund 1,9 Prozent auf 179,70 Euro. Händler nahmen eine abwartende Haltung ein. "Es hat keine Gewinnwarnung gegeben, also kann es ganz so schlimm nicht werden", sagte ein Händler. "Was jetzt wirklich durch das Hochwasser und die Terroranschläge im letzten Jahr für Schäden auf sie zugekommen sind, weiß man nicht." Ein Marktteilnehmer sagte: "Das Problem ist, dass Rückversicherer mit ihren Quartalszahlen machen können, was sie wollen." Ein anderer verwies auf die bereits vorgelegten Zahlen des zweitgrößten Rückversicherers der Welt, der Swiss Re. Das Schweizer Unternehmen hat am; Morgen für das erste Halbjahr wegen der Finanzmarktkrise einen deutlich höheren Gewinnrückgang ausgewiesen als von Experten erwartet. Der Nettogewinn sei von 1,345 Milliarden Schweizer Franken auf 118 Millionen Schweizer Franken gefallen, teilte die im Stoxx 50 notierte Versicherung vorbörslich mit.
Hohe Flutwasserschäden bei der Allianz
Eine negative Überraschung präsentierte vorbörslich die Allianz . Der Versicherer bezifferte das Schadensvolumen des Hochwassers für den Konzern. Demnach dürfte die Flut zwei Prozent des Schadensvolumens dieses Jahres erzeugt haben. Die Münchener rechnen mit einem Netto-Gesamtflutschaden bis 550 Millionen Euro. Analysten hatten jedoch mit einem deutlich niedrigeren Betrag gerechnet. Die Aktie verlor rund 2,1 Prozent auf 132,60 Euro.
Die Aktie des weltgrößten Touristikkonzerns TUI notierte vor Bekanntgabe der Quartalszahlen nahezu unverändert auf 21,48 Euro. Händler hatten unterschiedliche Erwartungen an die Quartalsbilanz. "Ich erwarte bei TUI ziemlich schlechte Zahlen", sagte ein Händler. Ob die Analysten bei ihren Schätzungen für diesen Wert alles eingerechnet hätten, sei fraglich. "Da können Sie eine Münze werfen." Ein anderer verwies darauf, dass die Zahlen von Club Med für das dritte Quartal den Erwartungen entsprechend ausgefallen seien. Deshalb werden aus seiner Sicht auch die TUI-Ergebnisse den Erwartungen entsprechend ausfallen.
AWD auf Wachstumskurs
Die im MDax notierte AWD-Aktie kletterte um 3,8 Prozent auf 15,20 Euro. Der Finanzdienstleister legte am Morgen ebenfalls Zahlen für das erste Halbjahr vor. Demnach erhöhten sich Umsatz und Gewinn zweistellig. Zuversichtlich zeigte sich der Konzern mit Blick auf das Gesamtjahr und hielt an den Jahresprognosen fest.
Die Anteilsscheine von MobilCom verloren über drei Prozent auf 6,30 Euro. Der Mobilfunkanbieter schreibt weiter rote Zahlen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) belief sich im zweiten Quartal auf minus 49,7 Millionen Euro nach minus 120,7 Euro im Vorquartal, teilte MobilCom mit. Der Konzernverlust stieg von 116,4 Millionen Euro im 1. Quartal auf 172,8 Millionen Euro. Der Umsatz im zweiten Quartal betrug 520 Millionen Euro nach 514 Millionen Euro im ersten Quartal.
Auch der angeschlagene Medienkonzern EM.TV steckt noch immer tief in den roten Zahlen. Im ersten Halbjahr sei ein Fehlbetrag von 70,2 Millionen Euro angefallen, hieß es in einer Unternehmensmitteilung. Im Zuge des Schrumpfungsprozesses sank der Umsatz von 466,2 auf 94,3 Millionen Euro. Auf vergleichbarer Basis lag er im Vorjahreszeitraum bei 110,3 Millionen Euro. Auch unter Berücksichtigung des Verkaufs von Tochtergesellschaften verblieb somit ein Umsatzrückgang von 15 Prozent. EM.TV sieht aber Fortschritte, die operative Lage habe sich deutlich verbessert. Die Börse reagierte auf die Zahlen mit einem Abschlag von 1,7 Prozent auf 1,13 Euro.
Wall Street bei schwachen Umsätzen unter Druck
Die amerikanischen Aktienbörsen haben am Mittwoch bei schwachen Umsätzen unter Druck gestanden. Der Dow-Jones-Index gab um 130,32 Zähler oder 1,5 Prozent auf 8694 Punkte nach. Der Nasdaq setzte seine Talfahrt der letzten Tage weiter fort und sackte kräftig um 33,40 Zähler oder 2,5 Prozent auf 1314 Punkte ab. Wegen des Feiertags in den USA am kommenden Montag sind viele Investoren und Händler bereits am Donnerstag in das letzte lange Wochenende dieses Sommers gestartet.
Der kanadische Netzwerker Nortel belastete die US-Börsen mit weiteren Massenentlassungen und pessimistischen Geschäftsprognosen. Hinzu kam die offizielle Anklage wegen Wertpapierbetrugs gegen Scott Sullivan, den Ex-Finanzchef des bankrotten Telekom-Unternehmens WorldCom .
Verkehrswerte wie die United-Airlines-Mutter UAL, der Aluminiumbranchenführer Alcoa , das Getränkeunternehmen Pepsi und der Mischkonzern Tyco International standen unter Druck. Philip Morris zogen nach einer Anhebung der Quartalsdividende um rund zehn Prozent kräftig an.
Tokios Börse unter Druck
Die Börse in Tokio hat am Donnerstag schwach geschlossen. Belastet unter anderem durch Abgaben bei Technologiewerten fiel der Nikkei-Index für 225 führende Werte kräftig um 146,59 Punkte oder 1,5 Prozent auf 9620 Punkte. Der breit angelegte Topix gab um 16,25 Punkte oder 1,7 Prozent nach und endete mit 937 Zählern.
Euro-Kurs kaum verändert zum Vortag
Der Euro präsentierte sich im frühen Frankfurter Handel nahezu unverändert zu seinem Vortagesniveau. Gegen 9.10 Uhr kostete die Währung in Frankfurt 0,9834 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte am Mittwoch den derzeit gültigen Referenzkurs bei 0,9826 Dollar festgelegt.
In der vergangenen Nacht hatte der Euro-Kurs jedoch vorübergehend an Fahrt verloren. Experten führten dies auf den unerwartet starken Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindex für August von 89,9 Punkte im Juli auf 88,8 Punkte zurück. Der Kurs der Gemeinschaftswährung hatte zunächst die Eintrübung des Ifo-Geschäftsklimas gut verkraftet. Später sei aber angesichts dieser Datenlage bei den Händlern die Sorge aufgekommen, dass die Euroraum-Wirtschaft weit weniger schnell wachsen könnte als bisher angenommen, hieß es. Für den heutigen Donnerstag gehen Devisenmarkt-Analysten davon aus, dass der Euro seinen bisher richtungslosen Kursverlauf fortsetzen wird.