Börse am Morgen Vorsichtiger Aufwärtstrend
Frankfurt am Main - Der Dax kletterte zum Auftakt um 0,7 Prozent auf 5121 Zähler, während der Nemax 50 um 1,2 Prozent auf 1318 Punkte zulegte. Anleger gehen auf "Schnäppchenjagd" und sammeln die Titel ein, die am Vortag nachgegeben haben: Davon profitieren besonders die Technologietitel Epcos , Infineon und Siemens mit Zuwächsen zwischen 3,6 und 1,9 Prozent.
RWE mit Punktlandung, Eon mit Einkaufsplänen
Der im Dax notierte Essener Versorgungskonzern RWE legte ebenfalls rund ein Prozent auf 44,50 Euro zu. Der Konzern hat bereits vor Handelseröffnung Anleger mit seinen Quartalszahlen erfreut. RWE hat im ersten Quartal des Rumpfgeschäftsjahres 2001 das betriebliche Ergebnis um 37,9 Prozent auf 903 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesteigert und damit die Erwartungen der Analysten getroffen. Die erstmalige Konsolidierung von Thames Water habe maßgeblich zu dem Ergebnis beigetragen, teilte RWE am Donnerstag mit. Der Umsatz erhöhte sich um 22,1 Prozent auf 16,8 Milliarden Euro. RWE erwartet für das Geschäftsjahr einen Zuwachs beim Betriebsergebnis um bis zu 20 Prozent.
Auch der Versorger E.ON startete etwas fester. Nach Medienberichten plant der Konzern weitere Zukäufe in den USA und habe dafür einen zweistelligen Milliardenbetrag zur Verfügung.
Optimismus ungebrochen
Der Optimismus der Anleger ist ungebrochen, obwohl die neuen Konjunkturdaten alles andere als erfreulich sind. Die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal geben keinen Anlass zum Optimismus: Im Vergleich zum Vorquartal sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) saison- und kalenderbereinigt um 0,1 Prozent gesunken, nachdem es im Vorquartal stagniert hatte, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag Morgen in Wiesbaden mit.
Damit ist die Gefahr einer Rezession in Deutschland gestiegen, die Volkswirte in der Regel als zwei aufeinander folgende Quartale mit negativem Wachstum definieren. Im Jahresvergleich ist die Wirtschaft im dritten Quartal um 0,3 (Vorquartal: 0,6) Prozent gewachsen. Das sei die geringste Zunahme seit dem ersten Quartal 1997 gewesen. Analysten hatten im Schnitt ein Plus von 0,5 Prozent zum dritten Quartal 2000 und zum Vorquartal eine Stagnation erwartet.
Zinssenkung unwahrscheinlich
Heute kommen die EZB-Banker zur Ratssitzung in Frankfurt zusammen. Eine Zinssenkung gilt als unwahrscheinlich, obwohl der erneut gesunkene ifo-Geschäftsklimaindex und das BIP in Deutschland ein düsteres Bild der Konjunktur zeichnen.
Neuer Markt sehr robust
Die Hoffnung der Investoren, trotz schwacher Daten an der Rezession vorbeizuschrammen, macht sich besonders am Aufwärtstrend am Neuen Markt bemerkbar. Broadvision und der Zockerwert Biodata starteten mit den höchsten Gewinnen. Das Biotechnologieunternehmen MediGene gibt heute seine Zahlen für das dritte Quartal bekannt und gehörte mit einem Abschlag von knapp zwei Prozent zum Auftakt zu den größten Verlierern im Index.
Feiertag in USA
Die deutschen Börsen müssen heute ohne Impulse aus New York auskommen. Am Feiertag Thanksgiving ruht in den USA der Handel. Der Dow Jones schloss gestern bei niedrigen Umsätzen 0,7 Prozent schwächer, erholte sich aber im späten Handel von seinem Tagestief. Die Technologiebörse Nasdaq ging gestern mit 0,3 Prozent minimal leichter aus dem Handel.
Nikkei trotz Versicherungs-Pleite fester
Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Donnerstag trotz der negativen Vorgabe der Wall Street mit leichten Gewinnen geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte ging 0,3 Prozent fester beim Stand von 10.696 Punkten in ein verlängertes Wochenende. Am Freitag bleiben Japans Finanzmärkte wegen eines Feiertages geschlossen. Die Insolvenz des mittelgroßen Sachversicherers Taisei Fire & Marine hatte Finanztitel belastet und erneut Sorgen über die Stabilität des Finanzsystems geschürt. Unterdessen fiel der Handelsbilanzüberschuss in Japan im Oktober um rund ein Drittel.
Euro nahe Drei-Monats-Tief
Der Euro hat sich am Donnerstag Morgen kaum von seinem am Vortag erreichten Drei-Monats-Tief zum Dollar erholen können. Die unerwartet besseren Konjunkturdaten aus den USA im Kontrast zum erneuten Rückgang des deutschen Ifo-Indexes auf den tiefsten Stand seit acht Jahren sorgte weiterhin für lebhafte Dollar-Nachfrage. Gegen 9.30 Uhr MEZ notierte der Euro mit 0,8776 Dollar nahe dem Drei-Monats-Tief von 0,8754 Dollar am Mittwoch.