Börse am Morgen Warten auf Duisenberg
Hamburg Die deutschen Aktien sind am Mittwoch uneinheitlich in den Tag gestartet. Der Dax gab in den ersten Handelsminuten um 0,43 Prozent auf 5889 Punkte nach. Am Neuen Markt zog hingegen der Nemax 50 um 0,78 Prozent auf 1478 Zähler an.
Autowerte entwickelten sich im frühen Handel uneinheitlich. Während BMW-Aktie die Liste der Kursgewinner die Liste der Kursgewinner im Dax zunächst anführte, bildete der Titel des DaimlerChrysler Konzerns das Schlusslicht.
Börsenausblick: Druck auf Duisenberg und Schrempp
Die Wirtschaftsforscher wollen sie, die Börsianer auch; und die Aktienmärkte haben sie längst eingepreist. Wenn Wim Duisenberg, der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), heute gegen 14.30 Uhr vor die Mikrofone treten und möglicherweise die vielfach geforderte Zinssenkung verkünden wird, dann ist an den Börsen kaum mit einem großen Sprung zu rechnen. Wie so oft haben die Aktienmärkte Entwicklungen bereits vorweggenommen: Seit dem vergangenen Mittwoch hat zum Beispiel der Dax satte 10 Prozent zugelegt - nicht zuletzt wegen des Kursaufschwungs am Dienstag.
Und was passiert, wenn sich Duisenberg ziert, die Aktienmärkte noch zwei weitere Wochen auf die Folter spannt bricht der Aufschwung dann jäh ab? Glaubt man vereinzelten Experten, wäre die Enttäuschung vermutlich die folgenden Stunden groß. Dann allerdings würden die Börsen ihren Aufwärtstrend zumindestens kurzfristig fortsetzen. Die technische Erholung sei nicht aufzuhalten. Bereits gestern hatte der Dax seinen Abwärtstrend nach oben leicht durchbrochen. Jetzt sei Platz bis 6100 Punkte, hieß es auf dem Parkett. Allerdings: Um diesen Standard zu halten, seien auch in den kommenden Tagen anhaltende Käufe auf breiter Basis notwendig.
Nicht zuletzt gibt es Stimmen, die den Stellenwert einer möglichen Zinssenkung der EZB für die weitere Entwicklung an den deutschen Aktienmärkten eher gering einschätzen. Entscheidender sei, wie sich die US-Börsen und die Unternehmensgewinne entwickelten.
Die Vorgaben aus den USA sind jedenfalls gut. Und gegenwärtig wird die Phase der Ertragswarnungen von der Berichtssaison abgelöst, in der die Konzerne ihre Gewinne für das erste Quartal melden. Die Märkte spekulieren darauf, dass die Konjunkturabkühlung des vergangenen Quartals in den Kursen eingepreist ist. Sollte allerdings der für die Kursentwicklung entscheidendere Ausblick, den die Unternehmen mit den Zahlen für das erste Quartal liefern, schwach ausfallen, dann könnte es an den Aktienmärkten auch sehr schnell nach unten gehen.
So aber legten die Blue Chips im Dow Jones am Dienstag mit 2,3 Prozent bei 10.102 Zählern kräftig zu. Die Nasdaq verzeichnete mit plus 6,1 Prozent bei 1852 Zählern einen der größten Kurssprünge in diesem Jahr. Die "Nettovorlage" für die deutschen Aktienmärkte ist im Ergebnis allerdings als neutral zu interpretieren: Die US-Indizes standen bereits zu Börsenschluss in Frankfurt satt im grünen Bereich.
Ein Impuls für eine weiter freundliche Tendenz auf den deutschen Aktienmärkten könnte aus Tokio kommen. Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss in Reaktion auf die guten US-Vorgaben mit einem Plus von 4,4 Prozent auf 13.174 Zähler. Zu den Gewinnern gehörten viele Hochtechnologiewerte, darunter Sony, Advantest und auch Tokyo Electron Werte die in den vergangenen Tagen arg unter Verkaufsdruck gestanden hatten.
In Deutschland richten sich heute alle Augen auf Berlin. Hier wird die turbulente Hauptversammlung des Autokonzerns DaimlerChyrsler AG erwartet. Vertreter von Kleinaktionären haben angekündigt, gegen die Entlastung von DaimlerChrysler-Vorstandschef Jürgen Schrempp und den Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper stimmen zu wollen. Sie sind vor allem über den schlechten Kurs der Aktie und die milliardenschweren Verluste bei Chrysler enttäuscht. Angesichts der Stimmverhältnisse wird einem Antrag auf Nichtentlastung allerdings wenig Chancen eingeräumt.
Es wird für möglich gehalten, dass der Autokonzern in Berlin eine Aufstockung seiner Anteile am japanischen Autobauer Mitsubishi verkünden wird. Der schwedische Autokonzern Volvo soll sein 3,3-Prozent-Paket an DaimlerChrysler verkaufen, wodurch die Stuttgarter Zugang zum lukrativen Nutzfahrzeuggeschäft der Japaner bekommen werden.
Unter Druck könnten die Aktien der Deutsche Post AG geraten. Der Konzern muss nach einem Bericht des "Handelsblatt" mit weiteren Geldbußen aus Kreisen der EU-Kommision rechnen. Die Kommission untersucht derzeit, ob die Post Gewinne aus dem Briefmonopol verwende, um andere Geschäftsbereiche zu subventionieren. Sie prüfe dabei erstmals die Frage, ob sich aus dem Briefmonopol unerlaubte staatliche Beihilfen ergäben.
Am Neuen Markt könnten die Papiere von Brain International zulegen. Ad hoc meldete das Unternehmen, im ersten Quartal seinen Verlust deutlich verringert zu haben. Dagegen scheint das Aus für den Pleitekandidaten Teldafax endgültig gekommen. Ebenfalls ad hoc meldete das Telekommunikationsunternehmen, dass die Deutsche Telekom weitere Verhandlungen über eine Netzanbindung abgelehnt habe. Ab Donnerstag sollen Unternehmensanteile und Töchter verkauft werden, heißt es.