Börse am Nachmittag Adidas auf Talfahrt
Frankfurt am Main - Der Dax konnte sich bis zum frühen Nachmittag nicht aus der Verlustzone befreien und notierte um 14.30 Uhr mit 1,1 Prozent im Minus bei 6043 Punkten. Tiefer in den roten Bereich rutschten dagegen die Wachstumswerte: Der Nemax 50 gab 3,3 Prozent auf 1818 Zähler ab. Der M-Dax verlor 0,4 Prozent auf 4588 Punkte.
Die von den Cisco-Zahlen ausgelöste miese Stimmung wurde durch schlechte Konjunkturdaten aus Deutschland noch verstärkt. Die Industrieproduktion fiel im März deutlicher als von Analysten erwartet und verstärkte damit nach Händleraussagen die Bedenken über die abwartende Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Händler sagten erneut, auf Grund der abwartenden EZB-Geldpolitik seien die mittelfristigen Anlageperspektiven in der Euro-Zone schlechter als die in den USA.
Die bestimmende Unternehmensnachricht lieferte ebenfalls ein trübes Bild: Cisco hat nach Börsenschluss in New York seine Quartalszahlen bekannt gegeben, die jetzt weltweit von Börsenexperten seziert werden. Zum einen hatte Konzern-Chef John Chambers einen Rekordverlust von 2,69 Milliarden Dollar mitgeteilt, zum anderen hatte das Ergebnis pro Aktie über den Analystenerwartungen gelegen.
"Die Erwartungen sind sehr verhalten, weil das Unternehmen für die nächsten beiden Quartale nicht mit einer Besserung rechnet", beurteilte Ernst Neff, Fondsmanager bei Helaba Trust Investment, die Ergebnisse. Eine Absatzschwäche von einem Quartal sei bereits eingepreist gewesen, aber die Anleger hätten sich einen positiveren Ausblick gewünscht.
Eine weitere schlechte Nachricht folgte von National Semiconductor. Der amerikanische Chiphersteller hat am Vorabend nach Börsenschluss eine Gewinnwarnung ausgegeben.
Bis zur Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed in der kommenden Woche werde sich der Markt eher seitwärts bewegen, sagte Guiseppe Guido Amato, Händler bei Lang & Schwarz. Bei einer Zinssenkung seien die Aussichten für den deutschen Markt mittelfristig gut. Der für die Geldpolitik zuständige Offenmarktausschuss der Fed trifft sich am 15. Mai zu seiner nächsten regulären Sitzung. Experten erwarten eine erneute Senkung der Zinsen.
Gegen diese Nachrichten konnten sich die deutschen Technologiewerte nicht stemmen: Das Papier der Siemens-Halbleitertochter Infineon büßte 3,1 Prozent auf 45,75 Euro ein. Siemens-Papiere verloren 0,9 Prozent auf 83,35 Euro. Die Anteilsscheine von Epcos verbilligten sich um 0,8 Prozent auf 70,95 Euro. SAP-Titel fielen um 1,9 Prozent auf 166,78 Euro.
Die Aktien der Lufthansa gaben nach dem vorläufigen Scheitern der Tarifverhandlungen mit den Piloten des Unternehmens um 2,5 Prozent auf 21,58 Euro nach. "Der Markt hat Angst vor einem längeren Streik", sagte Jörg Bechert, Aktienhändler der Hessischen Landesbank. Zudem gehe man nun davon aus, dass es zu einer 30-prozentigen Gehaltserhöhung kommen werde, was das Ergebnis der Lufthansa mit 300 bis 400 Millionen Euro belasten würde.
Nach Angaben von Händlern litt die Kursentwicklung der T-Aktie unter einer Platzierung von rund zehn Millionen Aktien durch Dresdner Kleinwort Wasserstein. Das Finanzinstitut habe rund zehn Millionen Aktien zu einem Preis von 26 Euro ausgegeben, die innerhalb von zehn Minuten verkauft worden seien, sagte Jürgen Gries, Aktienhändler bei Merck Finck. Diese große Ausgabe von Aktien im Auftrag von einem oder mehreren Kunden habe den Kurs unter Druck gesetzt, hieß es. Die T-Aktie fiel um etwas mehr als 2,3 Prozent auf 26,18 Euro.
In dem trüben Börsenumfeld konnten sich nur vier Titel dem Abwärtstrend entziehen. Die Gewinnerliste wurde angeführt von Linde-Aktien, die 1,9 Prozent auf 50,59 Euro zulegten. Die Titel von Schering verteuerten sich um 1,2 Prozent auf 56,50 Euro. Das Unternehmen profitiert noch immer von der gestrigen Ankündigung, in den USA die Zulassung für das Leukämie-Medikament Campath erlangt zu haben. Zudem hat der Rivale Aventis am Morgen sehr gute Zahlen präsentiert, von denen die gesamte Pharma-Branche profitiert. Ebenfalls mit leichten Kursaufschlägen präsentierten sich ThyssenKrupp und BASF.
Adidas Salomon führte die Verliererliste im Dax an. Die Aktie gab um 3,8 Prozent auf 66,69 Euro ab. Medienberichten zufolge will der Sportartikelhersteller mit 150 Millionen Mark beim Fußballklub FC Bayern München einsteigen.
Die Papiere des im M-Dax notierten Finanzdienstleisters MLP fielen nach der Nichtberücksichtigung bei der Dax-Neuordnung um 3,1 Prozent auf 119,50 Euro. Die Deutsche Börse hatte am Dienstagabend mitgeteilt, den wichtigsten deutschen Börsenindex Dax zunächst unverändert zu lassen. Es war erwartet worden, dass MLP für die Dresdner Bank in den Dax aufrücken werde. MLP war bereits mehrfach als Dax-Kandidat im Gespräch gewesen.
Philipp Holzmann notierte zunächst unverändert, nachdem die Deutsche Börse angekündigt hatte, der Wert würde aus dem M-Dax-Index der 70 mittelgroßen Werte herausgenommen. Dann gab das Papier jedoch um mehr als acht Prozent auf 17,60 Euro nach. Die Aktie der Deutschen Börse wird ab dem 18. Juni die Titel des Baukonzerns ersetzen. Die Anteilsscheine der Börse notierten im frühen Handel im Plus, gaben im Handelsverlauf jedoch 0,3 Prozent auf 388,90 Euro nach.
Am Neuen Markt gibt es wieder eine Pleite
Am Neuen Markt gab die Aktie von Infomatec um mehr als 22 Prozent nach. Das Unternehmen, das sich bislang als einer der führenden Anbieter von High-End-Internet-Lösungen bezeichnet hat, hatte am Morgen vor Börseneröffnung bekannt gegeben, dass beim Amtsgericht Augsburg Insolvenz beantragt worden sei.
Für Analyst Guiseppe Guido Amato ist die Pleite nicht überraschend gekommen: Selbst für Zocker habe es schon lange viel interessantere Werte gegeben, urteilte der Experte. Wenn man keine Zahlen präsentieren könne, die eine gewisse Nachhaltigkeit zeigten, dann würde man von den Kapitalgebern eben nicht mehr bedacht, so Amato. Der "En-Vogue-Effekt" sei vorbei. "Als Langfriststratege einzusteigen nach dem Motto: 'Das Unternehmen hat ein Problem und die Aktie ist jetzt billig' - das geht nicht. Das war nie empfehlenswert", sagte der Fachmann.
Im Nemax 50 hielten sich am frühen Nachmittag nur sechs Werte im Plus. Trintec und Constantin-Film profitierten von der Entscheidung des Arbeitskreises Aktienindizes, die beiden Titel im Edelsegment der Börse für Wachstumswerte zu belassen. Das Trintec-Papier legte um über fünf Prozent auf 2,48 Euro zu. Constantin-Film-Titel legten um 0,5 Prozent auf 19,10 Euro zu, nachdem die Aktie in den letzten Tagen unter Druck geraten war.
Die im Juni ausscheidende SER Systeme stand hingegen unter Druck. Die Aktie verlor 8,6 Prozent auf 8,99 Euro. Der Spezialist für Wissens- und Dokumentenmanagement wird herausgenommen und durch Umweltkontor ersetzt. Die Börse honorierte den Aufstieg in den Nemax 50 zunächst mit einem Aufschlag. Im Handelsverlauf gab das Papier jedoch rund 3,4 Prozent auf 59,35 Euro ab.
Freenet steigerte im ersten Quartal 2001 den Verlust aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit vor Steuern von 2,19 Millionen Mark auf 6,795 Millionen Mark gegenüber dem Vorjahr gut um den Faktor drei. Die Umsatzerlöse indes stiegen im ersten Quartal um mehr als 50 Prozent von 8,32 Millionen Mark auf 12,73 Millionen Mark. Die Aktie verlor 7,7 Prozent auf 21,35 Euro.
Euro verliert deutlich
Der Euro ist am Mittwoch wegen anhaltender Sorgen über die Konjunkturaussichten in der Euro-Zone auf ein neues Drei-Wochentief gefallen. Am frühen Nachmittag kostete ein Euro 0,8832 Dollar nach einem Vorabendkurs von 0,8842 Dollar.
Kurz nach Veröffentlichung der Daten zur Industrieproduktion fiel der Euro auf ein vorläufiges Tagestief von 0,8812 Euro. Im Referenzkursverfahren öffentlicher Banken wurde der Euro mit 0,8819 (0,8872) Dollar ermittelt. Bei diesem Kurs kostete ein Dollar umgerechnet 2,2177 (2,2045) Mark.