Börse am Nachmittag Adidas rennt
Frankfurt am Main - Der Dax gab zuletzt um 0,4 Prozent auf 5902 Punkte nach. Ein ähnliches Bild boten die Wachstumswerte: Der Nemax 50 verlor 1,4 Prozent auf 1420 Zähler.
In New York baute der Dow Jones sein Minus innerhalb der ersten halben Handelsstunde auf 0,4 Prozent aus und notierte damit bei 10.668 Punkten. Die Nasdaq drehte nach einem schwachen Start ins Plus und legte 0,2 Prozent auf 2062 Zähler zu.
Auch zum Wochenschluss gab es an der Wall Street wieder eine Gewinnwarnung: Der Pharmakonzern Merck erwartet für das zweite Quartal nur noch von einem Gewinn je Aktie (EPS) von 77 bis 79 Cent aus. Experten hatten im Durchschnitt 81 Cent erwartet.
Trotz einer Herabstufung der Landesbank Baden-Württemberg übernahm in Frankfurt Adidas Salomon am Nachmittag die Spitze in der Dax-Gewinnerliste. Die Aktie des Sportartikelherstellers verteuerte sich um 4,5 Prozent auf 67,70 Euro.
Weiterhin stark präsentierte sich auch DaimlerChrysler. Die Anteilsscheine verbuchten einen Kursaufschlag von 2,7 Prozent und wurden mit 51,95 Euro gehandelt. Händlern zufolge sei das Kaufinteresse von ausländischen Investoren hier besonders hoch. Die Aktien des Rivalen BMW legten um 0,78 Prozent auf 38,64 Euro zu, während Volkswagen-Titel ein Prozent schwächer bei 54,52 Euro notierten.
Zu den Gewinnern im Dax zählten auch die Papiere der Commerzbank, die sich um 1,5 Prozent auf 29,77 Euro verteuerten. Die Investmentbanking-Sparte der Bank, Commerzbank Securities, soll nach den Worten von deren Leiter Mehmet Dalman Marktführer in Europa werden. Wie Dalman der Börsen-Zeitung sagte, erwartet er nach dem Wechsel von Klaus-Peter Müller an die Spitze der Commerzbank, dass das Institut seine Kapitalkraft stärker im Investmentbanking nutzen wird. Den Weg zur Marktführerschaft sollen vor allem ein starker Ausbau des M&A-Geschäfts sowie die stärkere Verzahnung von letzterem mit dem Firmenkundengeschäft ebnen.
Überraschend haben Investoren die arg gebeutelte Aktie von Infineon wieder entdeckt. Mit einem Kursaufschlag von 1,1 Prozent stieg der Wert wieder knapp über die 30-Euro-Marke. Dabei hatte auch der US-Mitbewerber Micron zuvor vor sinkenden Erträgen gewarnt hat, nachdem die Münchener Chipschmiede bereits am Mittwoch einen pessimistischen Ausblick für das zweite Halbjahr vorgelegt hatte. Die Investmentbank Goldman Sachs hat ihr Kursziel für Infineon-Aktien drastisch von 75 auf 45 Euro gesenkt. Dennoch wird der Wert mit dem Rating "Recommended List" weiterhin positiv beurteilt. Zur Begründung verwiesen die Experten auf ein günstiges Chance/Risiko-Profil des Papiers: So habe die Aktie ausgehend von der aktuellen Bewertung ein Kurspotenzial von 50 Prozent, während das Abwärtsrisiko auf 15 Prozent begrenzt sei.
Preussag -Papiere verteuerten sich um 0,4 Prozent auf 35,35 Euro. Am Morgen hatte der Touristikkonzern bekannt gegeben, dass die Fels-Gruppe an die Haniel GmbH verkauft wird. Das weitere Desinvestitionsprogramm solle zügig vorangetrieben werden.
Nach der Gewinnwarnung von BASF gehörten Chemiewerte am Freitag erneut zu den Verlierern. BASF gaben 1,1 Prozent auf 43,50 Euro nach. Bayer zeigten sich 1,9 Prozent schwächer auf 43,18 Euro. Papiere des Spezialchemiekonzerns Degussa verbilligten sich um 1,6 Prozent auf 31,85 Euro.
Schwach standen die Aktien der beiden ehemaligen Staatsmonopolisten Deutsche Telekom und Deutsche Post. Gewinnmitnahmen drückten den Kurs der T-Aktie. Das Papier hatte am Vortag mehr als vier Prozent zugelegt und gab zuletzt ein Prozent auf 25 Euro nach.
Deutsche-Post-Aktien verbilligten sich um 1,7 Prozent auf 18,05 Euro und lagen damit nur noch knapp über ihrem Tiefststand von 17,40 Euro. Die Post hatte Akquisitionen im Paketbereich angekündigt. "Solche Ankündigungen werden im gegenwärtigen Markumfeld mit Zurückhaltung aufgenommen", so ein Händler. Es habe in der jüngsten Vergangenheit genug Akquisitionen und Fusionen gegeben, die schlecht gelaufen seien.
Umsatzarmer Handel am Neuen Markt
Das Bild am Neuen Markt glich dem der vorangegangenen Tage: Wieder waren die Umsätze schwach, und wieder beklagten Händler mangelnde Impulse, die den Handel anschieben könnten.
Im Blue-Chip-Index am Neuen Markt etablierte sich SCM Microsystems an der Spitze der Gewinnerliste. Mit einem Kursaufschlag von elf Prozent auf 11,68 Euro setzten die Papiere ihren Höhenflug vom Vortag fort. Am Donnerstag hatte die Aktie rund 20 Prozent hinzugewonnen. SCM Microsystems hat eine Partnerschaft mit Eastman Kodak geschlossen. Demnach wird der Fotokonzern in seiner digitalen Foto-Kiosk-Lösung künftig Schreib- und Lesegeräte von SCM einsetzen. Die Integration der digitalen Geräten von SCM in die SB-Stationen von Kodak biete eine Alternative zu Drucker-Setups zu Hause, teilte SCM mit.
Ohne neue Nachrichten fielen die Aktien von EM.TV um 6,4 Prozent auf 2,50 Euro und gehörte damit zu den schwächsten Werten des Nemax 50. Unter Druck standen auch die Aktien von Kontron, die 5,3 Prozent auf 48,27 Euro verloren.
Am Tag der Hauptversammlung notierten die Aktien des Telefonauskunft-Dienstleisters Telegate 0,8 Prozent schwächer auf 10,71 Euro. Das Unternehmen will trotz der derzeitigen Verluste an seinem Auslandsengagement festhalten. Man habe bei der Auslandsexpansion die politischen und kulturellen Unterschiede teilweise unterschätzt, sagte Telegate-Chef Klaus Harisch. Die Öffnung der Märkte gehe beispielsweise in Großbritannien und Spanien langsamer voran, als erwartet. Finanzchef Dirk Roesing bekräftigte unterdessen, der Konzern strebe 2001 vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen ein ausgeglichenes Ergebnis an. Dies bedeute, dass unter dem Strich auch im laufenden Jahr wieder mit Verlusten zu rechnen sei. Der Umsatz (2000: 254 Millionen Mark) solle um etwa 50 Prozent zulegen.
Die Anteilsscheine von Onvista verbilligten sich um 16,5 Prozent auf 6,60 Euro und führten damit die Verliererliste an. Die Aktie hatte im Handelsverlauf mit 5,80 Euro bereits ein neues Jahrestief erreicht.
Essanelle-Aktien haben am Freitag eine schwache Erstnotiz im Amtlichen Handel der Frankfurter Börse erlebt. Das Papier der Friseurkette sank zuletzt auf 6,05 Euro und notierte damit weit unter den Emissionspreis von sieben Euro. Die Erstnotiz hatte bei sechs Euro gelegen. Trotz des Starts im Amtlichen Handel sei der Wechsel in den Smax-Index geplant, hieß es.
Kurs des Euro gefallen
Der Kurs des Euro ist am Freitag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8528 (Donnerstag: 0,8552) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2934 (2,2870) Mark.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6037 (0,6064) Pfund, 105,98 (106,12) Yen und 1,5168 (1,5204) Schweizer Franken fest.