Börse am Nachmittag: Allianz bricht ein - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Allianz bricht ein

Trotz guter Konjunkturdaten aus den USA präsentieren sich die Aktienmärkte in Frankfurt und New York sehr schwach. Der Dax notiert zeitweise unter 2700 Zählern. Finanzwerte tauchen ab: Die Allianz stürzt unter 80 Euro.
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Frankfurt/New York – Der Dax kennt kein Halten mehr. Der Index hat am Nachmittag im Sog einer extrem schwachen Wall Street seine Verluste ausgebaut und stürzte bis 17.30 Uhr auf 2696 Punkte, ein Minus von 4,1 Prozent. Am Neuen Markt fiel der Nemax 50 um 3,3 Prozent auf ein 317 Punkte. Zuvor hatte er bei 315 Punkten ein neues Allzeittief erreicht.

Händler sehen wenig Hoffnung. Jeder Ansatz einer Kurserholung in dieser Woche habe gezeigt, dass es sich um rein technische Reaktionen auf vorherige Verluste handele, heißt es in einer Studie der Bankgesellschaft Berlin. Der Markt sei noch immer in einem intakten Abwärtstrend, weshalb weitere Verluste zu erwarten seien. Eine grundlegende Besserung sei in diesem Umfeld kaum vorstellbar.

Auch in den USA notierten die Börsen schwächer, obwohl zuvor recht gute Konjunkturdaten veröffentlicht worden waren. Der Dow Jones verlor innerhalb der ersten zwei Handelsstunden um 1,7 Prozent auf 7587 Punkte. Der Nasdaq notierte auf 1150 Zählern, ein Minus von 1,3 Prozent. Dies ist der tiefste Stand seit sechs Jahren.

Der Arbeitsmarkt in den USA hat sich im September etwas besser als erwartet entwickelt. Die Arbeitslosenquote sei von 5,7 Prozent im August auf 5,6 Prozent gesunken, teilte das Arbeitsministerium mit. Das ist das niedrigste Niveau seit Januar. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Anstieg auf 5,9 Prozent gerechnet.

Allerdings sank auch die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft von August auf September um 43.000. Dies war der erste Rückgang seit April und der stärkste seit Februar. Volkswirte hatten mit einem Anstieg der Zahl der Beschäftigten um 4000 gerechnet. Für den Monat August wurde jedoch der Anstieg der Beschäftigtenzahl außerhalb der Landwirtschaft deutlich von 39.000 auf 107.000 nach oben revidiert. Dies war der größte Anstieg seit November 2000.

Allianz stürzt unter 80 Euro

Die Verliererliste wurde geschlossen angeführt von den Versicherungen und Banken. Händler führten das zum einen auf Gerüchte zurück, die Deutsche Bank   werde im Oktober eine Gewinnwarnung herausbringen. Zum anderen hätten die schlechten Vorgaben aus den USA belastet. Negative Meldungen von Credit Suisse Group   hätten die ganze Branche "geschockt", sagten Händler. Nach der in dieser Woche veröffentlichten Gewinnwarnung, machten am Freitag erneut Gerüchte die Runde, der Schweizer Investor Martin Ebner werde seine fünfprozentige Beteiligung an dem Finanzhaus verkaufen.

Immense Verluste verzeichneten die Aktien der HypoVereinsbank  , die um mehr als elf Prozent verloren und bei 12,36 Euro gehandelt wurden. Die Aktien der Deutschen Bank   sanken um 7,3 Prozent auf 41,70 Euro. Die Commerzbank-Aktien   büßten 8,4 Prozent auf 5,86 Euro ein.

Allianz-Aktien   brachen ein und fielen mit einem Verlust von rund acht Prozent unter die Marke von 80 Euro. Die Aktien der Münchener Rück   waren mit einem Minus von knapp neun Prozent auf 101,35 ebenfalls ganz oben auf der Verliererliste.

Die von Wirtschaftsprüfern angestrebte Neuregelung zur Bewertung von Aktien-, Fonds- und Anleiheanlagen bei Versicherungen konnte den deutschen Assekuranzen am Nachmittag nicht mehr aus der Patsche helfen. Ein Händler in Frankfurt sagte, dass die möglichen Abschreibungen zwar bereits in den Kursen der Versicherungsaktien steckten. Trotzdem mussten die Versicherer am Nachmittag weiter Federn lassen. Die Spekulationen über Wertberichtigungen bei ihren Anlagen hatten die Versicherungstitel in den vergangenen Wochen stark unter Druck gebracht.

Lufthansa und TUI behaupten sich

Die Aktien der Lufthansa   und des Touristikkonzerns TUI   hielten dagegen etwa ihre Kurse vom Vortag. Chim Pries, Händler von der DZ-Bank, wertete die stabilen Kurse als technische Gegenbewegung, nachdem die Titel in den Tagen zuvor extrem unter Druck gewesen seien. TUI hab wohl sein Tief durchschritten. Das Unternehmen habe sich zudem verhalten optimistisch über das weitere Reisegeschäft geäußert. Allerdings befinde sich der Wert nach wie vor in einem "intakten Abwärtstrend", sagte Pries. Lufthansa zeige Ansätze, sich um die neun Euro zu stabilisieren. Die sehr niedrigen Umsätze zeigten, dass die Anleger weiter vorsichtig seien und nicht investierten. "Eine Biegung nach oben werden wir diese Woche kaum hinkriegen", sagte Pries.

Die T-Aktie   notierte mir rund zwei Prozent bei 9,02 Euro ebenfalls noch relativ stabil. Die Telekom stößt einem Bericht der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zufolge beim Verkauf ihrer Fernsehkabelnetze jetzt auch auf den Widerstand der deutschen Rundfunkaufseher. Vor Monaten hatte das Bundeskartellamt den geplanten Verkauf an den US-Konzern Liberty Media untersagt. "Es scheint so, als ob der Deal und damit die erhofften Milliarden-Erlöse nie zu Stande kommen", kommentierte ein Händler. Zudem konzentriert sich einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge der Wettbewerb um den Vorstandsvorsitz bei der Telekom nun nur noch auf zwei Kandidaten: T-Mobile-Chef Kai-Uwe Ricke und Post-Chef Klaus Zumwinkel. Zumwinkel stehe auf der Liste der Kandidaten ganz oben, hieß es unter Berufung auf Vorstandskreise.

Infineon dreht ins Plus

Die Anteilsscheine von Infineon   notierten nach einem sehr schwachen Auftakt zeitweise wieder im Plus, fielen am Nachmittag aber wieder auf ein Minus von rund drei Prozent auf 5,72 Euro. Am Vorabend hatte der US-Rivale EMC mit seinen Zahlen für das dritte Quartal die Analystenschätzungen verfehlt. Am Morgen teilte die taiwanesischen Börse zudem mit, Infineon beende die bestehende Verbindung zum Speicherchiphersteller Mosel Vitelic. Details sollen auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit ProMOS Technlogies veröffentlicht werden. ProMOS Technlogies ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Infineon und Mosel Vitelic in Taiwan. Ein Händler war sich noch nicht schlüssig, wie er die Nachricht bewerten sollte. Einerseits nähme das Ende des Joint Ventures Phantasie aus dem Titel, andererseits würde Infineon so Kosten sparen.

Puma auf Höhenflug, Senator klettert um 40 Prozent, Euro etwas leichter

Puma bleibt auf Wachstumskurs

Im MDax legten die Aktien von Puma   um über vier Prozent auf 58,52 Euro zu. Der Sportartikelhersteller sprintet neuen Rekorden entgegen. In den ersten neun Monaten 2002 wurde der Vorsteuergewinn auf 100 Millionen Euro mehr als verdoppelt, berichtete der Vorstandsvorsitzende Jochen Zeitz bei einer Präsentation am Donnerstag in Rotterdam.

Der Umsatz stieg um 52 Prozent auf mehr als 700 Millionen Euro. Puma wolle zur begehrtesten Sportlifestyle-Marke der Welt werden, sagte Zeitz. Dazu soll das auf zwei Milliarden Euro geschätzte Potenzial der Marke aus konsolidierten und Lizenzumsätzen verstärkt genutzt werden.

Senator mit einem massiven Kursaufschlag

Am Neuen Markt stiegen die Titel des Filmproduzenten und Rechtehändlers Senator Entertainment   um knapp 40 Prozent auf 0,63 Euro. Es gebe am Markt Gerüchte um einen möglicherweise bevorstehenden Vertragsabschluss, der Senator einen zweistelligen Millionen-Betrag einbringen könne, sagte ein Aktienhändler.

Deutlich fester im Nemax 50 präsentierten sich auch IM Internationalmedia  , Steag Hamatech   und Thiel Logistik  .

Kursabschläge von mehr als neun Prozent verbuchten die Titel von Süss Microtec  , Kontron  , Adva   und Elmos Semiconductor  .

Nikkei löst sich vom 19-Jahrestief

Die asiatische Leitbörse in Tokio hat sich am Freitag mit einem leichten Kursanstieg von ihrem 19-Jahrestief des Vortags gelöst. Der Nikkei-Index der 225 führenden Werte stieg um ein Prozent oder 91,12 Zähler auf 9027 Punkte. Damit überwand das Börsenbarometer wieder die am Donnerstag erstmals seit August 1983 aufgegebene Marke von 9000 Punkten. Der breiter gefasste Topix legte um 0,9 Prozent oder 8,01 Zähler auf 891 Punkte zu.

Zunächst war der japanische Markt allerdings unter dem Druck der schwachen Wall Street mit erneuten Kursverlusten gestartet und der Nikkei markierte im Handelsverlauf einen Tiefpunkt von 8860 Zählern.

Euro deutlich unter 0,99 Dollar

Der Kurs des Euro ist am Freitag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9865 (Donnerstag: 0,9890) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0137 (1,0111) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6290 (0,6296) britische Pfund, 121,11 (121,47) japanische Yen und 1,4618 (1,4597) Schweizer Franken fest.