Börse am Nachmittag Am Scheideweg
New York/Frankfurt am Main - Der Dow Jones ging mit einem minimalen Plus von 0,1 Prozent auf 10.445 Zähler in den Handel, während der Technologieindex Nasdaq Composite um 0,5 Prozent auf 1856 Zähler nachgab. Investoren halten sich zurück und warten auf die Veröffentlichung der Auftragseingänge im Januar. Der Konjunkturbericht der US Notenbank Fed wird dann um 20 Uhr MEZ veröffentlicht. Vom "Beige Book" erwarten die Marktteilnehmer Aufschluss über die zukünftige Leitzinspolitik. Weiterhin beginnen am Donnerstag bei den Hightech-Schwergewichten Sun und Intel Analystenkonferenzen.
Stahlkonzerne wie United States Steel Corporation legten zu, nachdem US-Präsident Bush erwartungsgemäß hohe Einfuhrzölle auf Stahl angekündigt hatte. Die Aktien europäischer Stahlkonzern hatten daraufhin mit Kursverlusten reagiert. Die EU kündigte Beschwerde bei der Welthandelsorganisation (WTO) an.
Auch der Automobilhersteller Ford zog das Interesse der Anleger auf sich. Der Chef der Luxusmarken des Unternehmens, Wolfgang Reitzle, erwägt den Börsengang der Londoner Premier Automotive Group (PAG). Die Idee sei "für das Jahr 2006 sehr reizvoll." Konkurrent General Motors will indes bei seiner angeschlagenen deutschen Tochter Opel offenbar mehr Stellen streichen als bisher bekannt.
Nach den teilweise heftigen Kursverlusten des Vortages stehen die Fluggesellschaften erneut im Mittelpunkt. Ein Streik bei der zweitgrößten US-Fluggesellschaft United Airlines ist abgewendet. Außerdem meldete Konkurrent Delta Air Lines am Dienstag nach Börsenschluss einen Anstieg des Auslastungsgrades im Februar auf 66,7 Prozent.
Nasdaq: ImClone mit Kurssprung
Zu den größten Gewinnern an der Nasdaq zählte zum Handelsauftakt die Aktie des Medikamentenentwicklers ImClone Systems. Grund für das zweistellige Plus ist die Übereinkunft im Streit mit dem US-Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb wegen der Entwicklung des Krebsmedikaments Erbitux. Aus den Erbitux-Verkäufen in Nordamerika erhält ImClone 39 Prozent in Form eines pauschalen Entgelts.
Papiere des Internet-Kaufhauses Amazon.com gaben zum Auftakt mehr als fünf Prozent nach. Vor Handelsbeginn war bekannt geworden, dass Finanzchef Warren Jensen das Unternehmen im Verlaufe des Jahres verlassen will.
Dax: Halten die 5200 Zähler?
Dax: Halten die 5200 Zähler?
Der Dax tendierte zum Handelsbeginn in den USA 0,6 Prozent schwächer und fiel auf 5200 Zähler. "Der Markt legt eine Pause ein, und das ist nach der deutlichen Erholung auch gesund", sagte ein Händler in Frankfurt. Allerdings sei wichtig, dass die 200-Tage-Linie von 5200 Punkten gehalten werde, um nicht die Bären wieder hervorzulocken. Für neue Impulse könnten am späten Nachmittag die US-Konjunkturdaten sorgen. Am Neuen Markt notierte der Nemax 50 um 0,8 Prozent schwächer auf 1033 Zähler.
Autotitel gerieten am Nachmittag trotz der Hochglanz-Automobilshow in Genf unter Abgabedruck. BMW , DaimlerChrysler und Volkswagen gaben einen Teil ihrer Gewinne aus den vergangenen Handelstagen wieder ab und tendierten zwischen 1,1 und 1,9 Prozent schwächer. Schwächster Wert im Dax war am Nachmittag der Sportartikelhersteller Adidas mit einem Verlust von drei Prozent.
Größter Gewinner im Dax blieb der Pharmakonzern Fresenius Medical Care mit einem Gewinn von mehr als drei Prozent. FMC hatte gestern eine Bilanz vorgelegt, die am oberen Ende der Erwartungen lagen. Die Aktie hatte in den vergangenen Wochen wegen der Unsicherheit über Rechtsstreitigkeiten in den USA stark gelitten: Investoren gehen offenbar nun davon aus, dass die gebildeten Rückstellungen ausreichend sind.
Gewinne bei Technologietiteln schmelzen
Techtitel gaben auf Grund der schwächeren Nasdaq einen Teil ihrer Gewinne wieder ab. Das Plus bei Infineon schrumpfte von drei auf zuletzt 0,8 Prozent. Konkurrent Hynix hatte zuvor auf Grund anziehender Chippreise deutliche Gewinne verbucht. Infineon hat am Dienstag bei der US-Börsenaufsicht SEC die Vorausregistrierung für Ausgabe von 1,5 Milliarden Dollar in Stammaktien und Schuldverschreibungen beantragt. Siemens und Epcos tendierten zuletzt um den Vortagesschluss, während die T-Aktie leicht nachgab. Die Epcos-Aktionäre treffen sich heute zur Hauptversammlung in München. Vorstandschef Gerhard Pegam erwartet eine Erholung: Ab dem dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres erwartet Epcos wieder Umsatzzuwächse.
Handelskrieg droht
Zu den Verlierern im Dax zählten die Aktie des Stahlkonzerns ThyssenKrupp mit einem Minus von 2,2 Prozent. US-Präsident Bush hat am Dienstag zum Schutz der US-Stahlbranche Importzölle von bis zu 30 Prozent für die meisten Stahlerzeugnisse verhängt. Damit zeichnet sich ein Handelsstreit unter anderem zwischen den USA und der EU ab.
MAN nach schwachen Zahlen leichter
Auch die Aktie des Maschinenbauers MAN gab deutlich nach. Für das abgelaufene Geschäftsjahr verbuchte der Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern einen deutlichen Gewinneinbruch, der noch höher ausfiel als von Analysten erwartet. Die Dividende soll gekürzt werden.
Neuer Markt: Chipbroker ziehen an
Der Chiphändler CE Consumer ist im vergangenen Jahr wegen der Halbleiterkrise in seinem operativen Geschäft nur knapp an der Verlustzone vorbeigeschrammt. Die anziehenden Chippreisen sorgen jedoch für Optimismus bei den Chipherstellern und Chipbrokern. Vor Zinsen und Steuern sei ein Gewinn von 100.000 Euro verbucht worden, teilte das Unternehmen am Morgen mit. Damit übertraf das Unternehmen seine Umsatzprognose. Die Anteilsscheine kletterten um rund sechs Prozent auf 7,65 Euro.
Auch das Biotechnologie-Schwergewicht Qiagen setzte mit einem Plus von 3,2 Prozent auf 17,60 Euro seine Erholung fort. Der ebenfalls von Fondsmanagern beachtete Wert T-Online gab dagegen nach seiner deutlichen Erholung der Vortage zuletzt wieder 2,6 Prozent auf 13,33 Euro ab. Deutlich unter Druck im Nemax 50 gerieten am Nachmittag Broadvision und MobilCom , die weiterhin von dem Streit mit der France Télécom belastet wurden.
Die deutlichsten Kursgewinne im Nemax 50 verbuchten einmal mehr die Zockerwerte D.Logistics , ComROAD und Internationalmedia : "Dies sind technische Reaktionen, nachdem die Aktien massiv eingebrochen sind", sagte ein Händler. Die Aktien der Kölner Splendid Medien AG gaben rund 20 Prozent nach, nachdem der Vorstand Rückstellungen von 16,3 Millionen Euro wegen des Debakels um Internationalmedia angekündigt hatte.
Euro-Kurs hält sich über 0,87 Dollar
Euro behauptet
Der Euro hat sich über der Marke von 0,87 Dollar gehalten. Gegen 15.30 Uhr kostete die europäische Gemeinschaftswährung in Frankfurt 0,8738 Dollar. Die Europäische Zentralbank hat am Mittwoch den Referenzkurs auf 0,8712 US-Dollar(Vortag: 0,8682 US-Dollar) festgesetzt.