Börse am Nachmittag: Amerika verdirbt die Laune - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börse am Nachmittag Amerika verdirbt die Laune

Nach dem schwachen Start in den USA bleiben auch die deutschen Aktienindizes im Minus. JP Morgan drückt mit unerwartet schlechten Zahlen Bankenwerte in Deutschland. Nur Lufthansa stemmt sich gegen den Abwärtstrend.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Die amerikanischen Börsen haben schwach eröffnet. Eine ganze Reihe von Konjunkturdaten, die vor Handelsbeginn veröffentlicht worden waren, fiel nach ersten Einschätzungen von Marktbobachtern im Rahmen der Erwartungen aus. Skeptisch stimmte allerdings die Börsianer, dass die Lagerbestände im Monat November stärker gefallen sind, als Experten dies erwartet hatten. Dies weise darauf hin, dass Unternehmen weiter bestrebt seien, Lagerbestände auf Grund einer fallenden Nachfrage abzubauen.

Der Dow Jones gab bis 16.15 Uhr rund ein Prozent auf 9830 Zähler ab. Der Nasdaq Comoposite fiel um 1,2 Prozent auf 1976 Zähler.

Enttäuscht zeigten sich Marktbeobachter von den Geschäftszahlen der Bank JP Morgan Chase. Der Konzern ist im vierten Quartal unerwartet tief in die Verlustzone gerutscht. Im letzten Quartal des Jahres 2001 habe die Bank einen Reinverlust von 18 US-Cent je Aktie eingefahren. Vor einem Jahr hatte sie noch einen Gewinn von 34 Cent erzielt. Die Aktie fiel in New York um vier Prozent auf 36,35 Dollar.

Der operative Gewinn je Aktie lag bei 12 Cent, nach 37 im vierten Quartal 2000. Von First Call/Thomson Financial befragte Analysten hatten einen Verlust von 34 Cent je Papier erwartet - knapp drei Mal so viel wie erwirtschaftet wurde. Bankentitel im Dax standen nach der Meldung unter Druck und gaben zwischen zwei und 2,60 Prozent im roten Breich. Größter Verlierer war HypoVereinsbank, die 2,63 Prozent auf 33,74 Euro nahgaben.

Der Ausblick von Intel schien die Investoren trotz positiver Analystenkommentare zu enttäuschen. Die Aktien gaben an der Wall Street rund zwei Prozent ab. Unter Druck gerieten Halbleiterzulieferer und Ausrüster. Händler begründeten dies mit der Ankündigung Intels, die Investitionen in diesem Jahr in etwa um ein Viertel herunterzufahren. Intel ist der größte Abnehmer für die Ausrüster der Chip-Industrie. Applied Materials etwa rutschten mit rund acht Prozent in den Keller.

Der weltweit größte Autobauer General Motors hat im vierten Quartal seines Geschäftsjahres einen Rückgang des Ergebnisses um fast die Hälfte verbucht, dabei aber noch leicht über den Analystenerwartungen gelegen. Gleichzeitig bekräftigte das Unternehmen am Mittwoch in Detroit die Gewinnziele für das Jahr 2002. Die Aktie notierte in New York nahezu unverändert.

Im vierten Quartal erreichte General Motors einen Gewinn je Aktie in Höhe von 60 US-Cents nach 1,15 Dollar im Vorjahr. Von Thomson Financial/First Call befragte Analysten waren durchschnittlich von einem Gewinn je Anteilsschein von 59 Cents ausgegangen.

Ebay gaben an der Nasdaq aufgrund des angekündigten Rückgangs im Anzeigengeschäfte und des eher schwachen Ausblicks rund 4,6 Prozent ab. Nach Börsenschluss hatte das Online-Auktionshaus von guten Quartalszahlen berichtet.

Die Lagerbestände in der US-Wirtschaft sind im November den zehnten Monat in Folge gesunken. Wie das Handelsministerium berichtet, fielen die Lagerbestände im Vergleich zum Vormonat saisonbereinigt um 1,0 Prozent auf 1,142 Billionen Dollar. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Rückgang um 0,7 Prozent gerechnet.

Der Dax konnte seine Verluste auf 1,2 Prozent bei knapp unter 5000 Zählern stabilisieren. Die Wachstumswerte im Nemax 50 fielen dagegen weiter ab und standen mit 3,1 Prozent auf 1149 Zähler im roten Bereich.

Die Ankündigung von Intel, im laufenden Jahr weniger Geld zu investieren, lastete weiterhin auf dem Technologiesektor. Infineon   , Siemens   und Epcos gaben zwischen 3,40 und 4,60 Prozent nach und waren damit schwächste Werte im Dax.

Weiter schwach notierten ThyssenKrupp   , die 3,30 Prozent auf 15,79 Euro und der Maschinenbauer MAN   , der nach einer Abstufung durch Merrill Lynch rund drei Prozent auf 24,14 Euro abgab.

Zu den wenigen Favoriten gehörten Lufthansa   -Aktien mit einem Plus von rund drei Prozent auf 17,28 Euro. Damit war das Papier der deutschen Fluggesellschaft bis in den Nachmittagshandel stärkster Wert. Händler bezeichneten die Papiere als "günstig bewertet". Darüber hinaus hat das renommierte US-Brokerhaus Lehman Brothers Anlegern zum Kauf der Lufthansa-Aktie geraten.

T-Aktie hält sich im Plus

Die Deutsche Telekom   konnte sich gegen den schwachen Trend im Technologiesektor in der Dax-Spitze behaupten und stand zuletzt noch mir rund einem Prozent auf 17,50 Euro im Plus. Die Bonner beugen sich dem Druck der Regulierungsbehörde und heben ihre Grundgebühren sowie die Preise für T-DSL-Anschlüsse an: Dies sorgt für höhere Umsätze und gibt dem Unternehmen die Chance zum schnelleren Schuldenabbau, sagten Händler. Weiterhin positiv wirkten sich Presseberichte aus, wonach ein Konsortium unter Führung der Deutschen Bank eventuell das Kabelnetz kauft, falls der Verkauf an Liberty Media scheitert.

SAP: Rückzug von Commerce One?

Der Softwarehersteller SAP gaben zuletzt 1,70 Prozent nach: SAP und Commerce One wollen ihre vor 20 Monaten geschlossene strategische Partnerschaft deutlich einschränken, heißt es in einem Bericht der "Financial Times Deutschland". Diese Entscheidung sei vor wenigen Tagen in Gesprächen zwischen SAP-Vorstand Hasso Plattner und Commerce-One-Chef Mark Hoffman gefallen.

Neuer Markt verharrt im Minus

Die Technologieschwäche setzt dem Neuen Markt schwer zu. Einer der wenigen Gewinner im Index waren Kontron   : Der Hersteller von Miniaturcomputern und integrierten Schaltkreisen will in diesem Jahr aus eigener Kraft um 40 Prozent wachsen.

Die Süss Microtec AG will ihre Wachstumspläne mit einer Kapitalerhöhung finanzieren. Der Aktienkurs sackte um mehr als zwölf Prozent auf 30,78 Euro und gehörte zu den schwächsten Werten im Nemax 50. Am Vortag hatte das Unternehmen nach Börsenschluss die Geschäftszahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr veröffentlicht und dabei die selbst gesteckten Umsatzziele um 10 Prozent übertroffen.

BB Biotech: Mehr Gewicht durch Freefloat

Die Deutsche Börse plant, die Nemax-50-Gewichtung auf Streubesitz umzustellen. Dies dürfte Folgen für die Zusammensetzung des Auswahlindex haben, zitiert die "FTD" einen Analysten der HypoVereinsbank. Von der für Sommer 2002 geplanten Neugewichtung dürften nach heutigem Stand vor allem BB Biotech  , Aixtron  , Singulus   und Broadvision   gehören.

Das bisherige Index-Schwergewicht T-Online   und der Online-Broker comdirect   dürften dagegen unter der Umstellung auf Freefloat leiden.