Börse am Nachmittag: Anleger in bester Kauflaune - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Anleger in bester Kauflaune

Die Stimmung an den deutschen Aktienmärkten ist gut. Die Zugewinne in Dax und Nemax stehen auf breiten Füßen. Am Neuen Markt wittern die Zocker bei LetsBuyIt.com wieder Morgenluft
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Warum eigentlich nicht gleich so? So dramatisch waren die Zahlen von Cisco-Systems, dem weltweit führenden Anbieter von Internet-Netzwerken nun wirklich nicht, als dass sie die drastischen Kursverluste an den deutschen Aktienmärkten vom Vortag hätten rechtfertigen können.

Aber Börse hat ja bekanntlich mit Logik und Verstand nur zu einem geringen Teil zu tun, wenn man dem ehemaligen Börsenguru Kostolany glaubt. Und so kaufen die Investoren die gestern abgestraften Titel wieder zurück. Und auch das geringe Interesse der Investoren an dem Börsenaspiranten Orange, der Mobilfunktochter von France Telecom, scheint heute kein Thema mehr zu sein. So gehören alle großen Telekomwerte wieder zu den Gewinnern im EuroStoxx-50. Manchmal wünschte man sich einfach mehr Gelassenheit und weniger Herdentrieb unter den Investoren.

Das Plus im Dax von zuletzt 1,2 Prozent geht auf breite Zuwächse im ganzen Index zurück. Die Wachstumswerte im Nemax-50 standen mit knapp drei Prozent im Plus.

SAP bauten ihre Zugewinne auf 3,34 Prozent bei 194 Euro aus und belegten damit Platz eins im Dax. Infineon gaben leicht ab, lagen gegen Mittag aber noch mit zwei Prozent im grünen Bereich. Unter den Technologiewerten verzeichneten Epcos zuletzt noch ein Plus von 1,1 Prozent. Die Papiere der Konzernmutter Siemens standen mit 1,6 Prozent im grünen Bereich.

Gefragt waren auch die Papiere von Henkel. Der Waschmittel- und Chemie-Konzern hat erste Schritte zum geplanten Verkauf seiner Spezialchemietochter Cognis unternommen. Die Investmentbank Merril Lynch habe sich an eine "Reihe von Interessenten" mit der Aufforderung gewandt, Angebote abzugeben, erklärte ein Sprecher des Konzerns. Henkel hatte seit Monaten bekundet, sich von Cognis trennen zu wollen, um sich auf Markenartikel zu spezialisieren. Die Anleger honorieren das mit einem Kursplus von zuletzt 2,1 Prozent auf 72,50 Euro.

Spekulationen um ein Übernahmeangebot des Energiekonzerns E.ON an den spanischen Konkurrenten Iberdrola drückten weiter den Kurs von E.ON. Die Aktie konnte zwar einen Teil der Verluste vom Vormittag wieder abbauen, stand zuletzt aber noch mit einem Minus von 3,1 Prozent auf 56,30 Euro am Dax-Ende. Die Investoren halten die Kosten, die durch einen möglichen Kauf des spanischen Konkurrenten auf E.ON zukämen, für zu hoch. Analysten kritisierten zudem daran, dass E.ON auch an der schwedischen Sydkraft und der britischen PowerGen interessiert ist.

Bei den Wachstumswerten im Nemax-50 führten zuletzt die Papiere von Intertainment die Gewinnerliste mit Kursaufschlägen von 18,5 Prozent auf 10,70 Euro an. Fundamentale Nachrichten für die Kurszuwächse waren vorerst nicht auszumachen.

Gauss Interprise gehörten mit Zuwächsen von 14,7 Prozent auf 3,44 Euro weiter zu den größten Gewinnern der Blue Chips. Die Aktie war am Vortag mit Verlusten von mehr als 13 Prozent aus dem Handel gegangen. Insofern handelt es sich jetzt auch um eine technische Gegenreaktion. Das Unternehmen hat heute die angekündigte Kapitalerhöhung um 6,52 Millionen Euro beschlossen.

Weiter vorne im Index mischten die Papiere von Adva Optical Networking mit. Der Telekomausrüster gehörte gestern infolge der schwachen Cisco-Zahlen zu den großen Verlierern am Neuen Markt. Adva notierten zuletzt um 7,9 Prozent auf 47,50 Euro stärker als am Vortag. Auch Pandatel zählten mit plus 6,48 Prozent 56,50 Euro ebenso zu den Gewinnern.

Obwohl freenet.de im vergangenen Jahr Verluste von rund 17 Millionen Mark erwirtschaftet hat, stieg der Kurs Mobilcom-Tochter zuletzt um 2,56 Prozent auf 30 Euro. Gleichzeitig vermeldete das Unternehmen allerdings einen Umsatzanstieg von über 500 Prozent auf 42,4 Millionen Mark.

Dem Unternehmen LetsBuyIt.com stehen ab sofort offenbar wieder ausreichend Mittel zur Verfügung, um das operative Geschäft fortzuführen. Selbst Kredite wolle man nun wieder abtragen, heißt es. Die deutsche Tochter des niederländischen Internet-Unternehmens hat den vorläufigen Insolvenzantrag beim Amtsgericht München zurückgezogen. In den Niederlanden wolle LetsBuyIt am Donnerstag einen Antrag auf Aufhebung des Zahlungsmoratoriums stellen. Das ruft erneut die Zocker auf den Plan. Die Aktie legte zuletzt um 18,2 Prozent auf 0,78 Euro zu.