Börse am Nachmittag Aufatmen in den USA
Frankfurt am Main - Um punkt 14.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit konnten die internationalen Aktienmärkte aufatmen. Mit Spannung waren die vorläufigen Kennziffern der US-Produktivität für das zweite Quartal erwartet worden - die Zahlen sind besser als erwartet: Demnach ist die Produktivität ohne die Landwirtschaft im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 2,5 Prozent gestiegen. Wall Street Analysten hatten lediglich einen Anstieg von 1,6 Prozent erwartet. Die Zahlen für das erste Quartal wurden nach oben revidiert.
In nur wenigen Minuten lösten sich die Verluste des Nasdaq Future, des vorbörslichen Barometers für die US-Technologiebörse, quasi in Luft auf. Von minus 1,4 Prozent stieg der Future auf minus 0,1 Prozent, um darauf wieder leicht nachzugeben. Das von einigen Marktteilnehmern befürchtete Crash-Szenario an der Wall Street blieb aus. Zugleich verringerte der Dax sein Minus auf 0,3 Prozent bei 5727 Zähler. Die Wachstumswerte im Nemax 50 zeigten steil nach oben. Von minus 1,8 Prozent noch gegen Mittag drehte der Index zuletzt mit 0,4 Prozent 1179 Punkte ins Plus.
"Edwards ein Opfer der Presse"
Der Chefstratege der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wassserstein, Albert Edwards, hatte nach einem Bericht der "Welt" offenbar erwartet, dass infolge der Revision die langfristigen Produktivitätsaussichten auf Grund einer neuen Berechnungsmethode um einen ganzen Prozentpunkt auf 1,5 Prozent nach unten revidiert werden müssten und dies schwere Folgen für Aktienmärkte sein könne. "Edward ist mit der Verbreitung eines möglichen Crashs nach den US-Produktivitätsdaten wohl eher ein Opfer der Presse geworden", kommentierte ein Händler die Aufregung der vergangenen zwei Tage.
Die Aktie Deutsche Telekom reduzierte ihr Minus von 4,67 Prozent auf 3,26 Prozent bei 23,42 Euro. Das Papier hatte zuvor mit 23,03 Euro ein neues Jahrestief markiert. Die Deutsche Bank platziere 44 Millionen T-Aktien zu 23,60 Euro, sagte ein Händler. Gegenüber manager-magazin.de wollte die Deutsche Bank die Aussagen nicht kommentieren, dementierte allerdings auch nicht. Einen Tag zuvor hatte die Bank die T-Aktie noch zum Kauf empfohlen.
Technologiewerte standen trotz der jüngsten Konjunkturdaten weiter unter Druck, auch wenn sie ihr Minus reduziert hatten. Siemens, Infineon und Epcos verloren zuletzt zwischen 1,50 und 3,64 Prozent. Händler begründeten die Kursabschläge mit negativen Kommentaren von US-Analysten. Die Experten erwarten einen neuen vom Chip-Riesen Intel angezettelten Preiskampf auf dem weltweiten Chipmarkt.
Analyst Dan Niles von Lehman Brothers hatte am Vortag erklärt, der weltgrößte Chiphersteller Intel werde Ende August im Computer-Prozessor-Markt "eine Preisbombe zünden". Niles warnte, dass dieser Schritt die Profitmargen der Unternehmen weiter unter Druck setzen werde. Zudem hat das Investmenthaus Credit Suisse First Boston mehrere Werte des Halbleitersektors - darunter auch Infineon - von "Kaufen" auf "Halten" herabgestuft.
BMW-Anleger nehmen Kursgewinne mit
Nach sehr guten Geschäftszahlen hatte die Aktie von BMW am Vormittag zunächst in der Dax-Spitze gestanden, rutschten dann aber auf Grund von Gewinnmitnahmen ab. Die Papiere standen zuletzt mit 0,35 Prozent auf 40,26 Euro im Minus.
BMW zeigte sich indes auch für das Gesamtjahr optimistisch. Der Absatz von Autos der Marke BMW und Mini solle auf erstmals mehr als 900 000 verkaufte Fahrzeuge steigen. Dies wäre ein Absatzplus von etwa neun Prozent. Bei BMW-Autos solle das Vorjahres-Ergebnis wieder erreicht werden. Im ersten Halbjahr 2001 hat BMW trotz der Branchenflaute ein Rekordergebnis erzielt.
Ein Händler einer Frankfurter Großbank nannte die Zahlen "sehr gut". Ein anderer Händler zeigte sich auch mit dem Ausblick zufrieden. "Das Unternehmen ist gut aufgestellt, auch der Mini scheint in Großbritannien gut anzulaufen", sagte er. Auch wenn die Autokonjunktur am Boden liege, sei BMW "allererste Sahne".
BASF schockt mit sehr schlechten Zahlen
Schlechter als erwartete Zahlen für das zweite Jahresviertel drückten BASF. Ein Anteilsschein kostete 45,57 Euro zu haben - ein Abschlag von rund 1,15 Prozent. Der Nettogewinn war um 97,5 Prozent auf elf Millionen Euro eingebrochen. Der Chemiekonzern wird in den nächsten 18 Monaten weltweit 1200 Stellen abbauen. Zugleich blickte der Vorstand von BASF pessimistisch in die Zukunft. Nach Ansicht des Investmenthauses JP Morgan wird die Aktie von BASF noch auf 40 Euro fallen. Die Experten erwägen nach den Zahlen für das zweite Quartal, ihre Gewinnprognose für den Chemiekonzern zu senken.
Zu den Gewinnern im Dax zählten die Aktien von Adidas-Salomon, die 1,66 Prozent fester auf 76,70 Euro notierten. Das Nettoergebnis des Sportartikelherstellers ist im zweiten Quartal um 22 Prozent auf 24 Millionen Euro gestiegen, der Gewinn pro Aktie lag bei 0,54 Euro. Der Umsatz legte um zehn Prozent auf 1,4 Milliarden Euro zu. Adidas bestätigte auch seine Gesamtjahresprognose. Ohne neue Nachrichten hatten die Papiere der Commerzbank die Führung im Dax mit einem Plus von 3,63 Prozent auf 26,53 Euro übernommen. Auch die Aktien der HypoVereinsbank standen in der Dax-Spitze (plus 1,73 Prozent auf 50,46 Euro).
Die Halbjahresergebnisse des Glasfaserspezialisten ADVA Optical Networking bescherten der Aktie zuletzt ein Plus von mehr als 18 Prozent auf 3,81 Euro. Das Unternehmen hatte die Verluste wie angekündigt ausgeweitet, hielt aber an den bisherigen Jahreszielen fest.
Unter den Wachstumswerten am Neuen Markt litten die die Papiere von Qiagen nach Vorlage guter Geschäftszahlen unter Gewinnmitnahmen. Die Papiere fielen mit 3,40 Prozent auf 23,28 Euro in den roten Bereich. Am Morgen hatte das Plus mehr als vier Prozent betragen.
Die Aktien des Spezialmaschinenbauers Pfeiffer Vacuum verloren, standen mit 1,10 Prozent auf 36,90 Euro im Plus, obwohl die Quartalszahlen am unteren Rand der Erwartung lagen. "Die Quartalszahlen lagen am unteren Rand der Erwartungen, aber die Handelsumsätze in dem Wert sind heute ordentlich", sagte ein Händler. Tags zuvor war das Papier um zwischenzeitlich neun Prozent bis auf ein Tagestief bei 35,30 Euro gesunken. "35 Euro sind bei der Aktie eine charttechnisch kritische Marke, davon haben wir uns erst einmal entfernt", fügte er hinzu.