Börse am Nachmittag: Aufatmen in Frankfurt - DER SPIEGEL
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Börse am Nachmittag Aufatmen in Frankfurt

Wegen der Trauerfeierlichkeiten zum Jahrestag der Terroranschläge ist der Handelsbeginn in New York auf 17 Uhr verschoben. Während Angehörige sich am Ground Zero versammeln, drehen die US-Futures und die deutschen Indizes deutlich ins Plus.
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New York/Frankfurt am Main – Am Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September waren die deutschen Aktienmärkte bis zum Nachmittag von Nervosität und niedrigen Umsätzen bestimmt. Bis 16.10 Uhr notierte der Dax jedoch deutlich fester und legte um 2,8 Prozent auf 3596 Punkte zu. Der Nemax 50 kletterte um 1,2 Prozent auf 453 Punkte. Die Futures für Nasdaq und S&P Index zogen die deutschen Indizes ins Plus. Börsianer halten eine "Erleichterungsrallye" für möglich, sollten Anschläge am heutigen Tag ausbleiben. Der drohende Militärschlag gegen den Irak sorgt jedoch weiterhin für Zurückhaltung.

Am Donnerstag wird US-Präsident George W. Bush vor den Vereinten Nationen sprechen. Außerdem wird sich Notenbankchef Alan Greenspan vor dem Kongress zur Konjunkturentwicklung äußern. Börsianer erwarten Hinweise über die politische und wirtschaftliche Entwicklung: "Die Unsicherheit sorgt weiterhin für Zurückhaltung bei Investoren", sagte ein Händler.

Alle Dax-Titel im Plus

Am 11. September 2001 waren Börsianer von den Terroranschlägen unmittelbar betroffen. Zahlreiche Marktteilnehmer hatten ihre Büros zum Zeitpunkt des Angriffs im World Trade Center. Auf dem Frankfurter Börsenparkett wurde dem Anschlag um 14.46 Uhr - dem exakten Zeitpunkt des ersten Anschlags auf den Nordturm des World Trade Centers - mit einer Schweigeminute gedacht.

Sämtliche Dax-Titel notierten am Mittwoch Nachmittag im Plus. Die größten Gewinne verbuchten Münchener Rück  , Deutsche Telekom  , Fresenius Medical Care   und Schering  , die jeweils rund vier Prozent zulegten.

Münchener Rück wurde von der Meldung gestützt, dass UBS Warburg die Aktie zum Kauf empfiehlt und ein Kursziel von 210 Euro gesetzt hat. Die Telekom profitierte von Gerüchten, der Konzern werde seinen Sparkurs verschärfen. FMC und Schering profitierten von positiven Analystenstimmen zur Pharmabranche.

Sparkurs bei Deutscher Telekom

"Dass die Telekom ihre Netzaufbau-Investitionen dieses Jahr unter acht Milliarden Euro drücken will, ist ein zweischneidiges Schwert", sagte ein Marktteilnehmer. Für den geplanten Schuldenabbau sei das positiv, "aber ohne Investitionen in den Netzaufbau lassen sich auch keine Fortschritte erzielen." Dennoch könnten die positiven Impulse überwiegen und potenzielle Leerverkäufer dazu zwingen, die Aktie zurückzukaufen, spekulierte ein zweiter Händler. Die angekündigte Liberalisierung der Ortsnetze sei dagegen "kein großes Problem für die Telekom". In den Ortsnetzen soll ab dem ersten Dezember das sogenannte "call-by-call"-System eingeführt werden, bei dem sich der Anrufer vor jedem Gespräch entscheiden kann, über welchen Anbieter er sein Telefonat fühlen will.

MobilCom bricht ein

Die im Nemax notierte Aktie von MobilCom   rückte in den Mittelpunkt des Börsengeschehens. Händler halten eine Meldung der Tageszeitung "Le Figaro" für glaubwürdig, nach der France Télécom den Ausstieg bei MobilCom praktisch beschlossen habe. Steigen die Franzosen aus, wäre die Insolvenz notwendig, hieß es dazu bei MobilCom in Büdelsdorf. Unternehmensgründer Gerhard Schmid sprach von einer "Falschmeldung". Die Aktie erreichte am Vormittag ein Allzeittief bei 1,78 Euro, bevor sie sich leicht erholte und zuletzt bei 2,60 Euro um 42,60 Prozent niedriger gehandelt wurde.

Euro schwächer

Der Kurs des Euro ist am Mittwoch gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,9749 (Dienstag: 0,9760) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0257 (1,0246) Euro. Am Rentenmarkt sank der Rex um 0,11 Prozent auf 115,39 Punkte. Der Bund Future verlor 0,5 Prozent auf 110,58 Punkte.

US-Futures drehen ins Plus

In New York ist inzwischen mit Kursgewinnen zum Handelsbeginn zu rechnen. Der Dow-Jones-Index war bereits am Dienstag um 83,23 Zähler oder ein Prozent auf 8602 Punkte gestiegen. Der Nasdaq Composite legte um 15,49 Zähler oder 1,2 Prozent auf 1320 Punkte zu.

Der Dow hatte am 10. September vergangenen Jahres, am Vorabend der Zerstörung des World Trade Center, mit 9605 Punkten geschlossen. Dann waren die US-Börsen wegen der Terrorattacken bis 17. September 2001 geschlossen geblieben. Sie hatten anschließend nach Wiedereröffnung starke Kursverluste verbucht. Der Dow war am ersten Tag des Handels um 684,80 Zähler auf 8920 Punkte abgesackt.