Börse am Nachmittag Ausverkauf zum Wochenende
Frankfurt am Main Eine katastrophale Börsenwoche steuert auf einen tiefroten Ausklang zu. In New York eröffneten die Börsen sehr schwach. Innerhalb der ersten Handelsstunde verlor der Dow Jones zwei Prozent auf 8205 Punkte. Die Nasdaq gab 3,4 Prozent auf 1421 Zähler nach.
In Frankfurt konnten sich die Kurse bis 16.30 Uhr wieder leicht erholen. Zwar notierte der Dax mit 3712 Punkten noch 2,6 Prozent unter dem Vortagesschlusstand, am Mittag wurde aber bereits ein Tiefststand von 3539 Zählern markiert. Am Neuen Markt verlor der Nemax 50 um 8,5 Prozent auf 685 Zähler. Im Handelsverlauf markierte der Auswahlindex ein Rekordtief von 641 Punkten. Charttechnische Unterstützungslinien seien auf diesem Niveau eigentlich nicht mehr existent, sagten Händler.
"Das sind schon panikartige Verkäufe", sagte ein Händler. Das Motto auf dem Parkett sei eindeutig: Raus aus den Märkten. Der hohe Verkaufsdruck, unter dem viele andere Aktien litten erkläre sich auch aus Großverkäufen der Versicherungen, hieß es am Markt. Sie müssten nun versuchen, die Mittel für die Schadenszahlungen aufzubringen. Zudem habe am heutigen Freitag wieder der dreifache Verfallstermin angestanden, und der am Morgen veröffentlichte Ifo-Geschäftsklimaindex sei eher enttäuschend ausgefallen.
Zudem sorgte der Verfall von Index-Futures und -Optionen für überdurchschnittlich hohe Umsätze. Am Freitag ist der so genannte "dreifache Hexensabbat", an dem sowohl Aktien- und Indexoptionen als auch Futurekontrakte an der Terminbörse Eurex verfallen. Auf dem elektronischen Handelssystem Xetra werden dabei in der Mittagsauktion als auch in der Schlussauktion die relevanten Settlementpreise ermittelt.
Auch die konjunkturellen Aussichten wurden immer trüber: So erwarte die amerikanische Investmentbank Merrill Lynch nun doch eine Rezession, meldeten Medien. Unter diesen Vorzeichen finde derzeit "niemand einen Grund zu kaufen", sagte ein Händler. Zudem sei die Verunsicherung vor einem möglichen Vergeltungsschlag der USA groß. Dies erhöhe nur die Unsicherheit am Markt.
Darunter litt auch wieder die Allianz , die erneut eine Gewinnwarnung ausgegeben hatte. Der Konzern hatte am Morgen zum zweiten Mal nach den US-Terroranschlägen vor niedrigeren Erträgen gewarnt. Die Belastungen durch die Attentate werden nun auf 1,7 Milliarden Euro geschätzt. Zuvor ging die Allianz von 700 Millionen Euro aus. Die Börse quittierte die neuen Zahlen mit einem Kursabschlag von 7,6 Prozent auf 201,50 Euro. Die Aktie der Münchener Rück notierte 1,8 Prozent schwächer auf 233,81 Euro.
Infineon und SAP unter Druck
Die Titel der Softwareschmiede SAP sind unter die psychologisch wichtige Marke von 100 Euro gefallen. Das Papier gab 5,8 Prozent auf 96,20 Euro nach. Am Vortag konnten sich die Anteilsscheine noch gut behaupten, aber nun würde die generelle Unsicherheit am Markt auch die Softwarefirma erfassen, sagte ein Händler. Ähnlich erging es Infineon . Die Anteilsscheine verbilligten sich um 7,9 Prozent auf 12,80 Euro.
Gegen den Abwärtssog konnten sich am Nachmittag nur die Titel von Preussag (plus sieben Prozent auf 20,55 Euro), Adidas (plus 4,8 Prozent auf 50 Euro) und Volkswagen (plus 3,5 Prozent auf 34,11 Euro) stemmen. Die Deutsche Bank konnte nach einer langen Talfahrt wieder ins Plus klettern. Nachdem die Titel in den vergangenen beiden Handelstagen zweistellig abgegeben hatten, legten die Papiere zum Wochenschluss rund 2,7 Prozent auf 48,30 Euro zu.
Neuer Markt auf Rekordtief
Der Neue Markt ist am Freitag sofort nach Börsenstart noch einmal regelrecht abgestürzt. "Es herrscht ein intakter Abwärtstrend, der sich beschleunigt hat", sagte ein Händler. "Der Nemax 50 ist nach unten offen. Die 700er Marke hat nur eine psychologische Wirkung. Der Abwärtssog ist aber diesmal stärker als das Psychologische." Zudem seien die US-Vorgaben nicht günstig.
Besonders hart traf es Qiagen . Die Aktie stürzte zwischenzeitlich um über 30 Prozent nach unten, reduzierte seine Verluste im Handelsverlauf aber auf minus 17,5 Prozent. Damit notierte das Papier bei 12,52 Euro. Das Biotechnologieunternehmen hatte am Donnerstagabend eine Gewinnwarnung ausgegeben. Aufgrund der Terroranschläge in den USA konnte der wichtige US-Markt nicht fristgerecht beliefert werden, hieß es.
Kurs des Euro etwas schwächer
Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs des Euro auf 0,9200 (Donnerstag: 0,9259) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1259 (2,1124) Mark.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6301 (0,6320) Pfund, 107,18 (108,15) Yen und 1,4464 (1,4735) Schweizer Franken fest.